«Trat den Männern oft auf die Füsse»

«Meine Nachbarin sollte halbtags meine kleine Tochter hüten, da ich wieder arbeiten wollte. Aber ihr Mann verbot es ihr. Da merkte ich, dass Männer zu viel Macht haben.» So kam Hanni Schlosser in die Politik.

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«Meine Nachbarin sollte halbtags meine kleine Tochter hüten, da ich wieder arbeiten wollte. Aber ihr Mann verbot es ihr. Da merkte ich, dass Männer zu viel Macht haben.» So kam Hanni Schlosser in die Politik. Sie war eine der ersten Frauen im Gemeinderat von Weinfelden und im Jahr 1986 die erste Präsidentin eines Gemeindeparlaments. «Ich wurde sehr wohlwollend empfangen. Aber viele Männer hatten grosse Mühe damit, Teile ihrer Macht abzugeben», erzählt Schlosser.

Krippen ein Frauenproblem?

Hanni Schlosser, die heute 69 Jahre alt ist, war keine, die den Leuten Honig ums Maul schmierte. Sie sagte immer, was sie dachte. «Ich bin den Männern oft auf die Füsse getreten – auch jenen aus der eigenen Partei.» Sie erinnert sich an einen Vorstoss, den sie Mitte der 80er-Jahre in der Sozialdemokratischen Partei lancierte. «Ich verlangte damals, wir sollten uns für eine Krippe einsetzen.» Die Männer hätten sich wenig interessiert gezeigt. «Sie sagten, das sei ein Frauenproblem.»

Partei im Streit verlassen

Schlosser kannte keine Durchsetzungsprobleme. «Das Jahr als Präsidentin des Gemeindeparlaments habe ich sehr genossen. Dass eine Frau und obendrein noch eine Sozialdemokratin ein Parlament präsidierte, war damals eine Seltenheit», sagt Hanni Schlosser, die heute in Piazzogna im Tessin lebt. 1993 verliess sie schliesslich die Partei. «Die SP-Frauen portierten damals Christiane Brunner als Bundesratskandidatin.

Die vornehmlich männliche Fraktionsleitung stellte dann jedoch Ruth Dreifuss auf – wegen des Drucks von rechts.» Zuviel für die Freidenkerin Schlosser. Sie trat aus der SP aus. Den SP-Frauen blieb sie jedoch erhalten – bis heute.

Dumme Sprüche musste sich Schlosser viele anhören. Gar nicht gefallen hat ihr jedoch die Anrede eines Basler Parteikollegen. «Der kam einmal zu mir und sagte <Ja Sie, gute Frau, was verstehen Sie schon davon?>.

Etwas Abwertenderes habe ich nie gehört.» (tam)

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