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TRAINING: Nur fressen darf er’s nicht

Wir hören oft davon: Tierhasser würden vergiftetes Futter auslegen – für Hündeler ein Albtraum. Ein Giftköderkurs soll Abhilfe schaffen.
Daniela Ebinger
Im Training zeigt Tanja Leu, wie Halter ihren Hunden beibringen können, gefundene Köder nicht zu fressen. (Bild: Daniela Ebinger)

Im Training zeigt Tanja Leu, wie Halter ihren Hunden beibringen können, gefundene Köder nicht zu fressen. (Bild: Daniela Ebinger)

Daniela Ebinger

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Das Wetter in Altnau zeigt sich grau. Doch das scheint die Hunde nicht zu stören. Mit Schleppleine und Brustgeschirr ist die junge Hündin Naila ausgerüstet. In regendichter Kleidung und mit vielen klein geschnittenen Cervelats wartet die Hundehalterin gespannt auf die ersten Anweisungen der Hundetrainerin Tanja Leu.

Giftköder sind für viele Hundebesitzer eine Horrorvorstellung. Anti-Giftköder-Kurse, wie sie in manchen Hundeschulen angeboten werden, sind eine mögliche Massnahme gegen die Angst. Denn ständig mit der Angst zu leben, das eigene Tier könnte etwas Vergiftetes oder mit scharfen Gegenständen Präpariertes fressen, ist sehr stressig. Der Anti-Gift-Köder-Kurs soll dem unerwünschten Fressverhalten des Hundes in freier Natur entgegenwirken.

Dem Frauchen das Fressen zeigen

Die Trainerin aus Turbenthal erklärt, wie dem Hund ein sogenanntes Anzeigeverhalten beigebracht wird. Das Tier soll seinem Herrchen oder Frauchen das Gefundene anzeigen und sich nicht darauf stürzen und fressen. «Diese Art von Kurs ist keine Neuerfindung. Es ist mit der Fährtensuche zu vergleichen», sagt Leu, die in der ganzen Ostschweiz Kurse anbietet.

Auf einer Wiese befinden sich Häufchen mit Cervelats. Die Hunde sind an der langen Schleppleine. Und los geht’s.

Beim Vorbeigehen reagieren die Spürnasen blitzschnell und wollen sich auf die Fleischhäufchen stürzen. Die Hündeler halten ihre Tiere zurück und warten mit geringem Abstand zum Gefundenen ihr Verhalten ab. Die Hunde sollen sich in Platzstellung begeben – und unbedingt: Nicht fressen. Sofort Loben mit dem Marker ist angesagt. Leu erklärt, was ein Marker ist: «Ob dies ein gutes Wort, das im eigenen Wortschatz nicht oft angewendet wird oder ein sogenannter Klicker ist, ist egal.» Das Geräusch oder Wort, gefolgt von einer leckeren Belohnung, sei für das Lernverhalten des Tieres unerlässlich. So könne der Hund den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der positiven Verstärkung kombinieren. Die Hundehalter müssen aufmerksam sein, um den richtigen Zeitpunkt fürs Lob nicht zu verpassen. Und die Hündin Naila muss begreifen, wie sie zur Belohnung kommt. Hundeexpertin Tanja Leu stellt in den vergangenen 20 Jahren eine Zunahme an Giftköder-Meldungen fest. «Es es gibt immer mehr Hundehalter und leider auch viele, die ihre Tiere unkontrolliert halten», sagt die 37-Jährige. Hundekot oder Gebell können bei Mitmenschen für Ärger sorgen. «Schlechte Erfahrungen mit fremden Hunden führen bei manchen zu Hass und Frust. Darunter leiden zum Schluss leider nicht die schuldigen Hundehalter, sondern einzig die Tiere.»

Weil es wichtig ist, dass die Hündeler wissen, was ihr Tier ins Maul nimmt und frisst, seien Anti-Giftköder-Kurse nötig – nur so seien die Hunde geschützt.

Übung auf dem freien Feld mit Wurststücken

Als ob die Hunde genau wüssten, dass es noch viel mehr feine Leckereien auf der Wiese hat, steuern sie nun an den Leinen zielstrebig drauflos. Naila findet die Wurststückchen – und macht Platz. Die Hundehalterin lobt sie und wartet nun ab, was ihre Hündin ohne Leckerli macht. Denn, im nächsten Schritt soll das Tier nach dem Platzmachen Blickkontakt mit dem Halter herstellen. Sie leckt sich und wird nervös. Ihre Rechnung ist nicht ganz aufgegangen, und sie überlegt sichtlich, was sie tun kann, um das Leckerli doch noch zu erhalten. Plötzlich schaut Naila hoch zum Frauchen – freudig lobt diese und gibt ihrer Hündin die Belohnung.

Der Kurs allein reicht nicht

Für Naila scheint es ein Spiel zu sein. Die Nase dicht am Boden sucht sie das Gelände ab und kapiert schnell – suchen, finden, Platz machen und Frauchen anschauen. Später werden die Abstände zwischen Lob und Belohnung länger. So lernt der Hund auch ohne Leine und auf Distanz bei Funden Platz zu machen und zu warten. Eine Garantie, dass Hunde gefundenen Leckereien stets widerstehen, gibt es nicht. Die Halter benötigen Beobachtungsgabe und müssen das Erlernte immer wieder trainieren.

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