Tragödie von Flaach: Vater in Weinfelden vor Gericht

WEINFELDEN. Das Bezirksgericht Weinfelden befasst sich am nächsten Dienstag, 13. September, mit einem Fall, der nicht aufgrund der Delikte, sondern wegen der Umstände die Öffentlichkeit interessiert.

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WEINFELDEN. Das Bezirksgericht Weinfelden befasst sich am nächsten Dienstag, 13. September, mit einem Fall, der nicht aufgrund der Delikte, sondern wegen der Umstände die Öffentlichkeit interessiert. Angeklagt ist der Mann, dessen Frau Anfang 2015 im zürcherischen Flaach ihre beiden Kinder getötet hat. Die Mutter nahm sich dann später im Gefängnis das Leben.

Betrug und andere Delikte

Angeklagt ist der Mann des gewerbsmässigen Betrugs, der Zechprellerei, der Urkundenfälschung und noch mehrerer anderer Delikte. Mit seinen Antworten auf die Fragen des Gerichts wird der Beschuldigte wohl die bisherigen Kenntnisse über die Hintergründe der Tragödie um seine Sicht der Dinge ergänzen.

Bereits wenige Tage nach der Bluttat vom Neujahrstag 2015 war bekannt geworden, dass das Ehepaar via Internet Waren verkauft, aber nicht geliefert hatte. Zudem wechselte die Familie auffallend häufig die Wohnung unter Hinterlassung von Mietschulden.

Der Anfang vom Ende

Am 4. November 2014 wurden dann beide Eltern festgenommen. Das war der Anfang der Tragödie, welche die Schweiz bewegt hat. Das Kartenhaus eines Lebens, das auf Schwindel und Illusionen basierte, begann zusammenzufallen.

Und die Einweisung der beiden Kinder in ein Heim im Zuge der Verhaftung der Eltern setzte eine Spirale in Gang, die dann zur Bluttat am Neujahrstag und schliesslich zum Suizid der Frau führte.

Zwar war die Mutter bereits nach kurzer Zeit aus dem Gefängnis entlassen worden. Dennoch blieben aber die Kinder im Heim. Das zweijährige Mädchen und der fünfjährige Bub waren von der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zwar nicht definitiv plaziert worden. Sie sollten jedoch im Heim bleiben, bis alle Umstände geklärt waren.

Kesb hat korrekt gehandelt

Weihnachten 2014 durften die Kinder bei der Mutter verbringen. Anstatt sie zu Anfang des neuen Jahres zurückzubringen, erstickte die 27-Jährige die beiden. Im Sommer tötete sich die Frau im Gefängnis selbst. Eine von der Justizdirektion veranlasste Untersuchung ergab, dass die Kesb zwar korrekt gehandelt, es jedoch bei der Kommunikation Schwächen gegeben habe.

Leben in einer Luftblase

Das psychiatrische Gutachten, das über die junge Frau erstellt worden war, zeigt unter anderem auf, dass sie und ihr Ehemann ein Leben unter dem Motto «mehr Schein als Sein» führten.

Die beiden häuften Schulden an und lebten in einer selbst konstruierten Realität. Das Paar habe sich mit Betrügereien über Wasser gehalten und sich jeweils aus schwierigen Situationen herausgemogelt.

Nun muss sich der Mann, der innert weniger Monate seine Kinder und seine Frau verloren hat, für dieses Leben in einer Luftblase vor Gericht verantworten. (sda.)