«Tragen Sie ein Ja im Herzen!»

Der freischaffende Pfarrer und Autor Fredy Staub brachte sein ganz spezielles ABC mit an den gestrigen Frauentreff der evangelischen Kirchgemeinde. Und aus seinem Buch «Mein Crash war meine Chance» gab er Erfahrungen weiter.

Katrin Zürcher
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Pfarrer Staub: Den Sorgenrucksack dürfe man dem Kreuz übergeben. (Bild: Katrin Zürcher)

Pfarrer Staub: Den Sorgenrucksack dürfe man dem Kreuz übergeben. (Bild: Katrin Zürcher)

FRAUENFELD. Das kürzeste Wort der deutschen Sprache ist für Fredy Staub das machtvollste. «Ich wünsche Ihnen, dass Sie ein Ja im Herzen tragen», sagte er gestern Mittwoch zu den hundert Besucherinnen und Besuchern des Treffpunkts für Frauen der evangelischen Kirchgemeinde im Stadtcasino. «Sagen Sie Ja zu Gott und öffnen Sie sich Jesus Christus, Ihrem Erlöser.»

Es war mucksmäuschenstill während des Gebets für einen Neuanfang, mit dem der Pfarrer aus Wädenswil seinen Vortrag «Salto Natale – Wege zu einem sinnvollen Neubeginn» abschloss. Während anderthalb Stunden hatte er das Publikum mit seiner lebendigen Art, Humor und erfrischenden Gedanken in seinen Bann gezogen.

Keine zehn Ratten kaufen

Sein ABC sei ein «ABE», sagte Fredy Staub: «Abschied, Befruchtung, Entfaltung.» Beim Abschied gehe es darum, die schönen Erinnerungen hochzuhalten und die schlechten loszulassen. «Machen Sie es nicht wie der Mann, der im Zoohaus zehn Ratten verlangte», riet er. «Die Verkäuferin fragte ihn, warum er gerade zehn wolle, und er sagte, dass er umziehe und sich verpflichtet habe, die Wohnung im gleichen Zustand zu hinterlassen wie er sie angetreten habe.

Solche Ratten mit sich herumzutragen, würde die Entfaltung behindern. Er wies auf das grosse Holzkreuz, das er mitgebracht und neben dem Rednerpult aufgebaut hatte. «Dafür ist das Kreuz da: Entsorgen Sie solcherlei auf dem Hügel, wo Gott sein Leben gegeben hat.» Als Symbol hängte der 61-Jährige einen schwarzen Rucksack ans Kreuz.

Das Kreuz stehe aber auch für das «B», die Befruchtung: Im Schnittpunkt der beiden Holzlatten verbinde sich für ihn die Persönlichkeit mit Gott. Pfarrer Staub riet dazu, seinen tiefsten Sehnsüchten Raum zu geben statt sie zu verdrängen. Kleine tägliche Inseln könnten so zu einem Neubeginn mitten im Alltag führen.

«E» wie Entfaltung

Auch für das «E» wie Entfaltung fand er die Entsprechung im Kreuz: «Es ist zwar starr, aber auf alle Himmelsrichtungen offen.» Wie sich aus einem winzigen Ei eine Raupe und schliesslich ein schöner Schmetterling entwickle, so wünsche er allen Menschen die Entfaltung von Persönlichkeit, Seele und Glauben. Denn neben dem physischen Boden gebe es einen zweiten Boden der Liebe von Gott.

«Ich selbst habe erfahren, dass dieser Boden trägt, als ich sterbend am Strassenrand lag und medizinisch gesehen eigentlich gar nicht mehr am Leben sein konnte.» Diese Erfahrung gibt er in seinem Buch «Mein Crash war meine Chance» weiter.