Traditionsbewusster Landwirt

Bei der Abdankung von Landwirt Johann Grob aus Schlattingen am Samstag füllte die Trauergemeinde die grosse Basadinger Dorfkirche bis auf den letzten Platz. Pfarrerin Iris Siebel verstand es, den Gottesdienst ergreifend zu gestalten.

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Bei der Abdankung von Landwirt Johann Grob aus Schlattingen am Samstag füllte die Trauergemeinde die grosse Basadinger Dorfkirche bis auf den letzten Platz. Pfarrerin Iris Siebel verstand es, den Gottesdienst ergreifend zu gestalten. Umrahmt wurde die Feier von Vorträgen des Jodelclubs Edelwyss und des Trachtenchores – ein grossformatiges Foto von Johann Grob in seiner Tracht erinnerte an den Verstorbenen.

Johann Grob war am 2. April nach einen kurzen Aufenthalt im Pflegeheim St. Katharinental verstorben, wo er von seiner Ehefrau Frieda und seinen fünf Kindern Hansjörg, René, Monika, Sonja und Franziska und deren Familien Abschied genommen hatte.

Anwesend waren an der Abdankung sehr viele Trachtenleute, die sich vor der Kirche aufstellten, und als die mit Trauerflor geschmückte Fahne sich zum Abschied über den Sarg senkte, spielte Sohn René eine Abschiedsmelodie auf dem Alphorn.

In der Kirche sprach die Pfarrerin Gebete und erinnerte an Johann Grob, der ein Bauer mit Leib und Seele und ein Mann mit vorbildlichem Familiensinn gewesen war. Tochter Franziska verlas den Lebenslauf. Johann Grob wurde am 5. Februar 1932 auf einem Bergheimetli im Toggenburg geboren, nur 10 Monate alt, verlor er seinen leiblichen Vater durch einen Unfall. Trotzdem verlebte er im Toggenburg eine glückliche Kindheit und Jugendzeit. Dass er Bauer wurde, war für Johann eine Selbstverständlichkeit. Als er dann Frieda Raschle heiratete, verlebte die junge Bauernfamilie Grob zuerst im Dorf Schlattingen und dann in der Siedlung Bodenacker viele glückliche Jahre. Eine ganze Reihe Lehrlinge wurden bei Johann Grob ausgebildet. Ihre eigenen fünf Kinder erlernten ganz verschiedene Berufe, in denen sie sich zur Freude der Eltern bestens bewähren.

In der Familie Grob spielte die Tracht als das «Kleid der Heimat» eine wichtige Rolle. Dies zeigte der Aufmarsch so vieler Trachtenleute. Viele von ihnen erinnern sich gerne an die vielen Auftritte von Johann und Friedi Grob mit der Trachtentanzgruppe. Auch hier machte Johann Grob mit Leib und Seele mit.

1984 übergab Johann Grob seinen Hof an seinen ältesten Sohn Hansjörg und dessen Ehefrau Magdalene zuerst zur Pacht und dann als neue Bodenacker-Besitzer. Diese bauten den Bodenacker in einen modernen Gemüseanbaubetrieb aus. Nun konnte sich Vater Johann einen Bubentraum erfüllen. Schon gut 50 Jahre alt machte er die Lastwagenprüfung und kaufte sich einen eigenen Lastwagen und transportierte damit viele Jahre lang landwirtschaftliche Produkte. Oft kam er so auch wieder in sein geliebtes Toggenburg. Auch das war eine wunderbare Zeit für den Landwirt Grob. Aber am 2. Mai 2010 wurde dieser erfüllte Lebenstraum durch einen Unglücksfall jäh beendet. Johann Grob zog sich beim Sturz von der Lastwagenbrücke eine schwere Kopfverletzung zu, von der er sich nie mehr ganz erholte. Seine positive Lebenseinstellung habe er dennoch nicht verloren. Wenn Pfarrerin Iris Siebel mit Johan Grob zusammentraf, so habe dieser auf die Frage, wie es ihm gehe, jeweils gesagt: «Da chunt scho guet.» (ge)