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TOURISMUS: Nebel und Lichtblicke im Paradies

Die Schweizer Hotellerie freut sich über Wachstum, doch im Thurgau sind die Anzahl Logiernächte rückläufig. Der Chef von Thurgau Tourismus sieht dennoch Lichtblicke. «Oskar», die Ostschweizer Gästekarte, soll dem Tourismus zu neuem Schwung verhelfen.
Sebastian Keller
Der Thurgau will mit der Schönheit von Landschaft und Natur punkten. Auf dem Bild ein Rebhang am Iselisberg in der Gemeinde Uesslingen-Buch. (Bild: Andrea Stalder)

Der Thurgau will mit der Schönheit von Landschaft und Natur punkten. Auf dem Bild ein Rebhang am Iselisberg in der Gemeinde Uesslingen-Buch. (Bild: Andrea Stalder)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im vergangenen Jahr ein sattes Plus: Um 5,2 Prozent nahmen die Logiernächte zwischen Genfer- und Bodensee im Vergleich zum Vorjahr zu. Nicht so rosig sieht es im Thurgau aus. In diesem Kanton gingen die Logiernächte um 2,4 Prozent zurück – von 417581 auf 407575. Das zeigen Zahlen, die das Bundesamt für Statistik unlängst veröffentlicht hat. Auch die beiden Appenzell mussten rückläufige Zahlen verbuchen, leicht im Plus ist der Kanton St. Gallen mit 1,5 Prozent.

Rolf Müller ist Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Er schickt voraus: «Es ist nicht einfach, die Zahlen zu interpretieren.» Klar ist: Müller ist über die jüngste Entwicklung nicht erfreut. Als einen möglichen Grund führt er das Fehlen beziehungsweise den Rückgang von Betten zurück. So waren im vergangenen Jahr das Arboner Hotel Metropol nicht mehr geöffnet, ebenso das Frauenfelder Hotel Domizil. «Diese zwei Häuser generierten jeweils mindestens 10000 Logiernächte», sagt Müller. Und das Angebot ziehe ein Stück weit die Nachfrage an. Dieses ist gemäss Statistik des Bundes im Thurgau seit 2013 rückläufig. Zählte der Thurgau in jenem Jahr noch 127 Ganzjahresbetriebe, waren es 2017 nicht mal mehr 110. Das entspricht einem Rückgang von 14 Prozent über diese Jahre. Doch Besserung dämmert am Horizont. Grosse Hoffnung setzt der Touristiker auf das geplante Reka-Feriendorf in Kreuzlingen. Diese Feriensiedlung mit rund 50 Wohnungen und bis zu 300 Betten richtet sich primär an Familien. «Von solchen familienspezifischen Angeboten haben wir heute noch zu wenig», sagt Müller. Doch braucht dieses Projekt noch etwas Geduld. Läuft es nach Plan, der im vergangenen Sommer präsentiert wurde, könnte die Anlage im Jahr 2022 eröffnet werden.

Der Fokus liegt auf Schweizer und Deutschen

Gräbt man sich etwas tiefer in den ­Zahlendschungel des Bundesamtes für Statistik, lässt sich feststellen, woher der Rückgang an Logiernächten rührt: bei den Feriengästen aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. Rund 3,6 Prozent weniger Schweizer haben vergangenes Jahr im Thurgau übernachtet, der Rückgang deutscher Touristen liegt bei 2,7 Prozent (siehe Grafik). Ein Plus resultierte bei Gästen aus China und Weissrussland. Aus dem Land der ehemaligen Sowjetunion resultierte ein Plus von 724 Prozent. Doch die Gästezahlen aus diesem Land sind gering. So waren es im vergangen Jahr 767 Logiernächte, welche Personen aus Weissrussland geniert haben. Müller sagt: «Da die Zahlen aus diesen Ländern tief sind, erachten wir es nicht als zielführend, unsere ­Anstrengungen auf diese Märkte zu ­richten.»

Der Fokus von Thurgau Tourismus bleibt auf die Schweiz und das angrenzende Ausland gerichtet. «Hier konzentrieren wir unsere Anstrengungen», sagt der Geschäftsführer. Potenzial sei vorhanden. «Viele Schweizer kennen den Thurgau und die Ostschweiz noch nicht.» Und diesen wolle man die Schönheiten wie Natur und Landschaft näherbringen. «Wir sind weit davon entfernt, eine Trubeldestination zu werden», sagt Müller. Velofahren, Wandern, dafür biete sich der Thurgau an. Eine ideale Umgebung, um die Seele baumeln zu lassen. Und dies auf Pfaden, die touristisch noch nicht ausgetrampelt sind.

Gästekarte «Oskar» soll Tourismus befeuern

Untätig sind Thurgau Tourismus und seine Partner nicht. Als Beispiel nennt Rolf Müller das «Bubble-Hotel». In einem durchsichtigen Kugelzelt können Gäste in Obsthainen oder Rebbergen übernachten – mit Blick auf den Sternenhimmel. Ein anderes Beispiel ist «Oskar». Mit der Ostschweizer Gästekarte wurde im Juni 2016 ein Angebot lanciert, das langsam Fahrt aufnimmt. Wenn ein Gast mindestens zwei Nächte in einem Hotel übernachtet, kann er für zehn Franken pro Tag die Karte beziehen. Diese öffnet die Tür zu allerlei Attraktionen: Freie Fahrt mit Bahn, Bus, Schiff, aber auch Seilbahnen, freier Eintritt ins Napoleonmuseum, in die Autobau Erlebniswelt in Romanshorn und weitere Angebote in sechs Ostschweizer Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein. Gemäss Müller verkaufen aktuell rund 20 Hotels «Oskar», touristische Partner wie Bergbahnen und Museen sind es etwa 40. «Beide Zahlen wollen wir verdoppeln.» Deshalb hat Thurgau Tourismus, wo die Geschäftsstelle von Oskar angegliedert ist, im Februar einen Mitarbeiter angestellt. «Er geht aktiv auf Hotels und touristische Partner zu.» Müller glaubt an das Potenzial der Gästekarte. «Wir haben sie auch an Messen in Deutschland gezeigt.» Die Rückmeldungen seien positiv gewesen. «Mit dieser Gästekarte können sich auch Deutsche die Schweiz leisten», sagt Müller. Es gebe bereits heute Touristen, die in einem Wildhauser Hotel nächtigen und mit «Oskar» eine Schifffahrt auf dem Untersee unternehmen. Müller fasst zusammen: «Mit ‹Oskar› lässt sich die vielfältige Schönheit der Ostschweiz erleben.» Um die Touristen durch diese Schönheiten zu leiten, sollen attraktive Tagesrouten ­zusammengestellt werden.

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