TOURISMUS: China und Co. müssen warten

Die Ferienregion Thurgau bleibt auf Herrn und Frau Schweizer fokussiert. Auch um Urlauber aus Deutschland will man intensiv werben. Hingegen lässt der Thurgau weiterhin die Finger von fernen Märkten wie China.

Christian Kamm
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Eine Ära geht zu Ende: Christoph Tobler verabschiedet Werner Müller, der den Tourismus jahrzehntelang geprägt hat. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Eine Ära geht zu Ende: Christoph Tobler verabschiedet Werner Müller, der den Tourismus jahrzehntelang geprägt hat. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Christian Kamm

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zwei Drittel der Touristen, die im Thurgau Ferien machen, haben einen Schweizer Pass (66,4Prozent). Das ist deutlich mehr als im schweizerischen Durchschnitt (45,7 Prozent). Auf Platz zwei folgen die deutschen Urlauber (17 Prozent). Mit seiner Schweizlastigkeit ist der Thurgau in den vergangenen zwei schwierigen Jahren nicht schlecht gefahren, war an der gestrigen Jahresversammlung der Branchenorganisation Thurgau Tourismus zu erfahren. Zwar hat auch der hiesige Tourismus Logiernächte verloren: 2015 4,3 Prozent, und letztes Jahr resultierte noch ein kleiner Rückgang von 0,1 Prozent. Doch sind diese Werte besser als die nationalen. Zählt man die Thurgauer Campingplätze in der Übernachtungsstatistik dazu, gab es 2016 insgesamt sogar ein kleines Plus.

In Deutschland gibt es noch Luft nach oben

Thurgau Tourismus setzt in seiner Marketingstrategie 2017 bis 2020 deshalb gezielt auf den heimischen Markt, wie Geschäftsführer Rolf Müller an der Jahresversammlung erläuterte. Und innerhalb der Schweiz primär auf Besucher aus der Deutschschweiz. Luft nach oben gibt es zudem in Deutschland, wo der touristische Thurgau in den vergangenen fünf Jahren acht Prozent Übernachtungen verloren hat. Hier setzt man auf Kooperationen. Gleichzeitig scheut man sich nicht, auf eine deutsche PR-Agentur zurückzugreifen. «Wir machen das sehr bewusst», so Müller. Um ferne Märkte, wie zum Beispiel China, macht der Thurgau hingegen weiter einen Bogen – «zumindest bis 2020».

Finanziell hat Thurgau Tourismus kein leichtes Jahr hinter sich. Das hat damit zu tun, dass bereits 2016 weniger Geld aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) geflossen ist. Diese auf vier Jahre beschränkte Anschubfinanzierung wurde laut Präsident Christoph Tobler für den Umbau von Thurgau Tourismus «zur heutigen hochprofessionellen Organisation» genutzt. Die gesetzten Ziele seien weitgehend erreicht worden, bilanzierte Tobler. Zwar schloss die Jahresrechnung 2016 mit einem Verlust von rund 34000 Franken und liess das Eigenkapital auf 6000 Franken schmelzen. Unterdessen aber hat der Kanton seinen Beitrag erhöht, und es konnte eine neue Leistungsvereinbarung abgeschlossen werden. Für das laufende Tourismusjahr zählt der Verband den Thurgauer Olma-Auftritt zu den Schwerpunkten. «Wir glauben schon, dass das eine Chance sein kann, vor allem bei den Tagesausflüglern», sagte Rolf Müller.

Abschliessend verabschiedete der Verband Werner Müller, den langjährigen Leiter der Abteilung ÖV und Verkehr beim Kanton, der Ende September in Pension geht. «Ohne ihn wäre der Thurgauer Tourismus nicht dort, wo er heute ist», würdigte Tobler Müllers Verdienste.