Tonnenweise Honig zu vernichten

FRAUENFELD. Grosse Mengen von Thurgauer Honig sind dieses Jahr mit Streptomycin verunreinigt. Das Antibiotikum stammt von der Feuerbrandbekämpfung im Frühling. Die Imker fordern nun genaue Abklärungen über die Gründe für die grossen Schäden.

Christof Widmer
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Für Bienen sind Obstblüten besonders gute Quellen. (Archivbild: Reto Martin)

Für Bienen sind Obstblüten besonders gute Quellen. (Archivbild: Reto Martin)

Frauenfeld. Für unerwartet viele Imker bedeutet dieser Frühling eine Katastrophe. Der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin zur Feuerbrandbekämpfung über Ostern (die TZ berichtete) hat im Honig Spuren hinterlassen. Das zeigen die Laborproben, die für Bienenstände obligatorisch sind, die im Umkreis von einem Kilometer um eine mit Streptomycin behandelte Anlage stehen.

Zwar sind noch nicht alle Proben analysiert. Es zeichne sich aber ab, dass noch mehr Honig als 2008 vernichtet werden müsse, bestätigt Markus Harder, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamts. Damals mussten nach dem ersten Streptomycin-Einsatz überhaupt im Kanton 3,2 Tonnen Honig von 40 Imkern verbrannt werden. 2009 und 2010 war das nur für 120 und 126 Kilogramm der Fall.

Weniger gesprüht als 2010

Als Grund für diesen Rückgang galten bisher die restriktiveren Bestimmungen für den Streptomycin-Einsatz. Seit 2009 dürfen die Bauern das Antibiotikum nur noch zwischen 20 Uhr und 8 Uhr einsetzen. So sollen Bienen nicht in Kontakt mit dem Mittel kommen. 2008 waren die Sprühzeiten zwei Stunden länger.

Dass dieses Jahr wieder so viel mehr Honig kontaminiert ist, überrascht alle Beteiligten, zumal von der Menge her leicht weniger Streptomycin eingesetzt wurde als 2010. Eine Rolle spielen könnten laut Harder aber die Witterung und der besonders intensive Blust. Zudem war zu diesem Zeitpunkt der Löwenzahn schon verblüht. Den Bienen sind also nur die Obstblüten geblieben. Wegen der Trockenheit könnte das Streptomycin auch länger auf den Blättern geblieben sei, vermutet Harder. Alles zusammen könnte dazu geführt haben, dass sich in einzelnen Bienenständen mehr Streptomycin angesammelt hat.

Angesichts der Unklarheiten fordern die Imker Konsequenzen: «Niemand weiss, wieso es dieses Jahr so schlimm ist», sagt René Stucki, Präsident des Thurgauer Bienenzüchterverbands. Vor einer erneuten Freigabe von Streptomycin brauche es genauere Abklärungen. Zu prüfen seien besonders die Spritzzeiten. Stucki hat den Verdacht, dass es vor allem heikel wird, wenn Streptomycin in den frühen Morgenstunden gesprüht wird. Zum Teil seien die Bienen schon um 6.30 Uhr geflogen. Sie könnten das Antibiotikum auf den noch sprühfeuchten Blüten eingesammelt haben.

Abklärungen versprochen

Genaue Abklärungen verspricht auch Obstbauernpräsident Edwin Huber: «Ich habe volles Verständnis für die Imker.» Dass es an den Sprühzeiten am Morgen liegen könnte, glaubt er nicht. Er wisse von Anlagen, die in den Abendstunden behandelt worden seien und wo der benachbarte Bienenstock die Grenzwerte trotzdem überschritten habe. Man werde über die Sprühzeiten reden müssen, sagt Amtschef Harder. Obstbauern mit grossen Anlagen müssten aber genug Zeit haben, ihre Flächen zu bewältigen. Zudem könnten sich Anwohner belästigt fühlen, wenn nur noch mitten in der Nacht gesprüht werden dürfe.

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