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TOLERANZ: Die Barriere im Kopf soll fallen

Mit der Erklärung «Nichts über uns ohne uns» wollen Behinderte im Bodenseeraum mehr Mitspracherecht erreichen. Gemeinsam präsentieren sie ihre Forderungen Regierungsrat Jakob Stark.
Larissa Flammer
Mitglieder der Gruppe Mitsprache Thurgau und weitere Selbstvertreter aus dem Bodenseeraum nahmen an der Übergabe teil. (Bild: Andrea Stalder)

Mitglieder der Gruppe Mitsprache Thurgau und weitere Selbstvertreter aus dem Bodenseeraum nahmen an der Übergabe teil. (Bild: Andrea Stalder)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Menschen mit Behinderung rücken immer mehr vom Rande der Gesellschaft in die Mitte. Sie erreichen das, indem sie sich aktiv einbringen. «Um das zu ermöglichen, fordern wir Barrierefreiheit, Assistenz und Unterstützung. Die Barrieren sollen nicht nur bei Strassen und Gebäuden, sondern auch in den Köpfen fallen!» So beginnt die Bodensee-Deklaration, die Selbstvertreter aus der Schweiz, Deutschland und Österreich gemeinsam verfasst haben. Die Selbstvertreter – Menschen mit Behinderung, die für sich selber einstehen – haben die Erklärung den jeweiligen Regierungen in Vorarlberg, Baden-Württemberg und St. Gallen überreicht. Gestern trafen sie sich mit dem Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark.

Der Fortschritt kommt langsam

«Was macht der Kanton, damit in jeder Institution ein Werkstatt- und ein Bewohnerrat ins Leben gerufen wird?» «Gibt es im Thurgau Abstimmungsunterlagen in einfacher Sprache?» «Was macht der Kanton, damit es für alle bezahlbare und barrierefreie Wohnungen gibt?» Diese und andere Fragen stellten die Selbstvertreter dem Chef des Departements für Finanzen und Soziales. Stark fasste am Ende des gut einstündigen Treffens zusammen: «Es geht in die richtige Richtung – aber es geht auch sehr langsam.» Das Treffen mit den versammelten Selbstvertretern habe ihn «sehr beeindruckt».

Der Regierungsrat erzählte den Anwesenden von seinen Erfahrungen mit seiner schwerbehinderten Tochter. «Ich habe bei ihr erlebt, dass das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung gut geht.» Da der Thurgau Behinderte in Regelklassen integriere, werde bereits im Kindergarten und in der Schule über das Zusammenleben gesprochen. Den Selbstvertretern sagte Stark: «Sie müssen fordern, aber auch Herzen gewinnen.» Denn viele müssten den Umgang mit Behinderten erst lernen. Stark ist zudem der Meinung, dass man Behinderte nicht zwingend integrieren soll. «Jeder soll sein Glück dort finden, wo er sich wohl fühlt.» Ob das in einer Institution sei oder in der Mitte der Gesellschaft. Was die einfache Sprache betrifft, so wendet der Kanton Thurgau diese bisher nicht an. Politik sei aber zuweilen so kompliziert, dass sie nicht immer einfach und dennoch korrekt erklärbar sei. Stark versprach, die Bodensee-Deklaration seinen Regierungsratskollegen vorzustellen.

Im Vorfeld der Übergabe stellten sich auch die Selbstvertreter der Gruppe Mitsprache Thurgau hinter die Deklaration. Mitglied Christian Rutz fand das Treffen mit Jakob Stark «sehr interessant und informativ». Was es im Thurgau vor allem brauche, sei sozialer Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Gerade wenn man wie er selbstständig wohne, sei dies sehr wichtig. Zu einem Treffen mit einem Thurgauer Politiker wäre der 31-Jährige sofort wieder bereit. «Ich bin politisch sehr interessiert.» Der Kreuzlinger könnte sich auch vorstellen, selber in der Politik tätig zu sein.

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