Tönende Worte mit Musik

DIESSENHOFEN. Ein heimischer Autor, seine Ehefrau, die aus seinem Werk vorliest, und eine Organistin: Diese drei gestalteten die Musik-Lesung in Diessenhofen.

Thomas Güntert
Drucken
Teilen
Vorleserin Anne Seiterle, Organistin Annedore Neufeld und Autor Volker Mohr stehen in der Stadtkirche. (Bild: Thomas Güntert)

Vorleserin Anne Seiterle, Organistin Annedore Neufeld und Autor Volker Mohr stehen in der Stadtkirche. (Bild: Thomas Güntert)

In der Stadtkirche Diessenhofen gab es am Samstagabend eine Lesung. Anne Seiterle las eine der sechs Novellen aus dem Buch «Die Höhle des Zeus», das ihr Ehemann, der Schaffhauser Autor Volker Mohr, geschrieben hat. Für die musikalischen Improvisationen sorgte Annedore Neufeld. Es versammelte sich nur eine kleine Schar zur Musik-Lesung in der Diessenhofer Stadtkirche.

Anna Seiterle erzählte mit ihrer zurückhaltenden, klaren und eindrucksvollen Stimme die schwerelose und doch tiefgründige Geschichte von Franz Bohlmeier, der in einer kleinen Kapelle einen fremden Organisten kennenlernt.

Virtuelle und reale Orgelmusik

Als im Buch davon die Rede ist, wie die Orgel zu spielen beginnt, ertönte sie tatsächlich in der Diessenhofer Stadtkirche. Sie wurde von Annedore Neufeld gespielt, der Organistin an der Stadtkirche, die zudem den Oratorienchor Kreuzlingen leitet und das Musik-Collegium Schaffhausen dirigiert. Annedore Neufeld war es auch, die die Konzertreihe «Musik am Rhein» mit dieser Musiklesung ins Leben gerufen hatte.

In Mohrs Novelle kam es zum Zwiegespräch zwischen Bohlmeier und dem Organisten, wobei sich herausstellte, dass sich Bohlmeier besser mit Bachs Orgelmusik auskennt wie der Orgelspieler selbst.

Mysteriöse Wiederkehr

Zwei Tage später erkannte Bohlmeier im Ortsmuseum auf einem Bild den fremden Orgelspieler wieder. Der Museumsleiter wusste, dass der Orgelspieler Johann Melchior Vontobel hiess. In der Ortschronik fand sich eine Niederschrift, die besagte, dass Vontobel am 9. November vor 100 Jahren starb, nachdem er mehrere Monate nicht mehr an der Orgel gesehen wurde. Neuartige Kompositionen hätte er gemacht, hiess es.

Inzwischen war es Winter geworden. «Vontobel war verschwunden und es schien, als hätte er sich in nichts aufgelöst.» Es war der 9. November.

Aktuelle Nachrichten