Tod in Ermatingen

Infarkt Trotz Erster Hilfe von Teilnehmern erlag ein 80jähriger OL-Läufer am Napoleon-Wochenende einem Herzversagen.

Jörg Greb/Donat Beerli
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2003 war Arthur Gübeli aus Wiesendangen für sein langjähriges Engagement zum Ehrenmitglied des Schweizerischen OL-Verbands ernannt worden. Am Samstagnachmittag nahm die OL-Karriere des 80-Jährigen beim Napoleon-OL-Wochenende in Ermatingen ein trauriges Ende. Gübeli erlitt während des Rennens einen Herzstillstand.

Mehrere Läufer hätten ihn leblos im Wald gefunden und sofort Erste-Hilfe-Massnahmen in die Wege geleitet, sagt Rennleiter Cyrill Meier auf Anfrage. Leider sei jede Hilfe zu spät gekommen. Wie Meier weiter sagt, wurden Angehörige und Läufer nach dem Zwischenfall von einem Care-Team betreut.

Verband spricht Angehörigen Beileid aus

«Die OL-Familie trauert um einen geschätzten Kameraden. Die Gedanken gehörten ihm und seinen Angehörigen», heisst es auf der Webseite des Schweizerischen OL-Verbands. Nähere Angaben zum Unfall macht der Verband keine. Auch das OK des OL-Wochenendes möchte sich nicht detailliert zum Vorfall äussern. «Das wurde mit den Angehörigen so vereinbart», sagt Rennleiter Meier. Ein solcher Todesfall sei jedoch nichts Aussergewöhnliches. «In einem Sport, wo Männer bis 85 und Frauen bis 75 mitmachen, kann das passieren.»

Dass ein solcher Zwischenfall nie ausgeschlossen werden kann, weiss auch Christian Aebersold. Der Sportarzt und frühere Orientierungs- und Langstreckenläufer war am OL-Wochenende in Ermatingen ebenfalls unterwegs. «Ein Herztod ist immer tragisch. Trotzdem sind solche Ereignisse statistisch gesehen sehr selten.» Ein plötzlicher Herztod trete bei sportlicher Aktivität nur alle 100 000 bis 1 Million Sportstunden auf, sagt der Sportarzt. «Bei Wettkämpfen sogar deutlich seltener.»

Arzt empfiehlt älteren Menschen Sport

Es sei sogar erwiesen, dass regelmässiges Training die Gefahr eines solchen Zwischenfalls um rund 50 Prozent mindere. «Während eines Wettkampfes geht ein Sportler zwar ein höheres Risiko ein. Mit einem positiven Lebenswandel inklusive regelmässigen Trainings mindert er aber das Sterberisiko generell.» Aebersold animiert ältere Semester denn auch zum Sporttreiben oder sogar zum Wettkampfsport. «Denn: Die Zahl der 70- oder 80-Jährigen, die ausserordentliche Leistungen erbringen, ist erfreulich hoch; und Meldungen, dass ihnen etwas Gravierendes zustösst, sind selten.» In Sachen Prävention hält sich der Ski-OL und Bike-OL-Verbandsarzt an die Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin: «Aus medizinischer Sicht ist allen wettkampfaktiven Sportlern geraten, sich zumindest einmalig vor dem Start zu einem Sportlerleben und dann möglichst regelmässig ärztlich untersuchen zu lassen. Insbesondere denen ab 40.» Herzkrankheiten würden häufig erkannt, könnten aber nie ausgeschlossen werden.

Wettkampfsportlern mit entsprechend intensiver Belastung über 65 rät der Sportmediziner zu jährlichen, regelmässigen Screenings von Herz und Lunge. Grund dafür: Ihr Risiko steigt wegen des Alters überproportional. «Bei Unter-35-Jährigen hingegen handelt es sich bei plötzlichem Herzversagen in der Regel um nicht erkannte, angeborene Herzfehler», sagt Aebersold.