Tod eines Unfehlbaren

Religion Seine Meinung galt seinen Anhängern alles: Werner Arn, gebürtiger Winterthurer und ehemaliger Volksschullehrer, war für seine Gemeinschaft eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel, ein Auserwählter.

Merken
Drucken
Teilen
Werner Arn Prediger (Bild: M. Canonica)

Werner Arn Prediger (Bild: M. Canonica)

Religion Seine Meinung galt seinen Anhängern alles: Werner Arn, gebürtiger Winterthurer und ehemaliger Volksschullehrer, war für seine Gemeinschaft eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel, ein Auserwählter. Arn hielt sich auch selber für unfehlbar: Alle Kirchen und Freikirchen seien von der Bibel abgefallen, nur in seiner Gemeinschaft werde die wahre Lehre verkündet, lautete seine Botschaft. Er verordnete den Frauen in seinem Bibelkreis lange Haare und Röcke, wetterte gegen Homosexuelle und propagierte Körperstrafen für Kinder. Am vergangenen Sonntag starb Werner Arn nach längerer Krankheit.

Arn kam in den späten 1980er-Jahren ins Toggenburg. In Wattwil gründete er das Altersheim Adullam, das ihm als Zentrale für seinen «Christlichen Informationsdienst» und seine Missionarstätigkeit diente. Später kamen weitere Liegenschaften hinzu. Neben dem Altersheim zählt das Restaurant Traube in Ebnat-Kappel seit Juni 2004 zu Arns Immobilienportfolio. Die Gaststätte wird nach konsequent christlichen Grundsätzen geführt, unter anderem gilt ein strenges Tanz- und Alkoholverbot. Gemäss Schätzungen zählte Arns Gemeinschaft etwa 200 Mitglieder. Mit seiner Frau Elisabeth, die im Juni dieses Jahres verstarb, hatte er sieben Kinder.

Mit seinem Absolutheitsanspruch zog Arn regelmässig Aufmerksamkeit auf sich. Mehrmals musste er Auftritte im letzten Moment absagen, weil lokale Medien über seine fundamentalistische Gesinnung berichteten. Als Folge davon wurden ihm Mietverträge für Vortragssäle gekündigt. Bis vor wenigen Monaten war Arn als Prediger im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs. (ar)