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TOBEL: Mazza und Ei

Um andere Kulturen besser zu verstehen, taucht man am besten in sie ein. So wie das katholische Pfarramt. In einer kleinen Gruppe feierte es das jüdische Pessach-Seder-Fest mit all seinen Symbolen und Traditionen.
Christoph Heer
Beno Kehl (rechts) führte mit Pfarrer Leo Schenker durch den Pessach-Seder-Abend. (Bild: Christoph Heer)

Beno Kehl (rechts) führte mit Pfarrer Leo Schenker durch den Pessach-Seder-Abend. (Bild: Christoph Heer)

Christoph Heer

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Niemand hat wohl genau gewusst, was ihn erwartet, als er im Pfarreiheim Tobel eintraf. Das Pfarramt mit Pfarrer Leo Schenker lud erstmals ein, das traditionelle Pessach-Seder-Fest mit Symbolen und Handlungen zum Auszug (Exodus) des Volkes Israel aus Ägypten zu feiern.

Besondere Bestandteile des Pessach-Seder-Abends in Tobel waren das Essen der verschiedenen Speisen und Kräuter, die an die Zeit des Exodus etwa 1400 vor Christus erinnern. Dazu gehören auch das Trinken der vier Becher Wein, die vier Fragen nach dem Warum dieses Abends sowie das Hören der entsprechenden biblischen Texte. Dazwischen gingen Leo Schenker und der ehemalige Mönch Beno Kehl auf weitere Fragen und Anmerkungen ein – und das waren nicht wenige. Gesang und Gebet rundeten das Erlebnis ab.

Ablauf in 14 Schritten

Susanne Marty, ehemalige und langjährige Katechetin, hat mit viel Einsatz und Hingabe während eines ganzen Tages die Speisen für das Seder-Mahl zubereitet. «Das war schon eine Herausforderung, zumal ich es das erste Mal gemacht habe», sagt sie. «Das ungesäuerte Brot – die Mazza – oder das Lammgigot, die Bitterkräuter oder das Mus, es brauchte viele Informationen, bis ich wusste, wie und was ich genau zu tun hatte.» 14 Personen nahmen am Anlass teil. Die Hand­waschung war eine der ersten Handlungen. Sie ist im Judentum wichtig, wie alle Riten, die die Reinheit betreffen. Mit dabei war auch Eliahu de Castro, sefardischer Jude aus Zürich. Seiner Abstammung entsprechend, konnte man sich stets an ihn wenden, wenn schwierige Praxisfragen auftauchten.

Pfarrer Leo Schenker und Beno Kehl führten durch den Abend, der in 14 Schritten abgehalten wurde. Auf den ersten Becher Wein – den Kadesch – folgten einige kleinere Mahlzeiten bis hin zum Lamm, das Singen von Liedern, die Beantwortung der Fragen und dann der vierte Becher Wein, der als Hallel getrunken wurde. Den abschliessenden Eliah-Kelch, der Kelch der ewigen Hoffnung, den Jesus und seine Jünger tranken, liess man den Seder-Vorgaben gemäss unberührt.

Jesus in seiner Tradition verstehen

Es scheint, dass Pessach-Seder-Feste in unseren Kulturkreisen immer populärer werden. Christen verbinden damit den Wunsch, Jesus als Juden in seiner Tradition tiefer zu verstehen. Zu tun und zu essen, was Jesus zu seiner Zeit tat, ist ein wichtiger Bestandteil davon. Die traditionellen Seder-Abende werden jeweils am Vorabend des Pessach-Festes – also zu Beginn der über mehrere Tage dauernden Feierlichkeiten – durchgeführt.

Dabei gedenkt man des Auszugs des jüdischen Volkes aus der Gefangenschaft in Ägypten. Die Hintergründe des Festes, seine Tradition innerhalb des Judentums und den genauen Ablauf des Seder-Abends und seine Bedeutung nur annähernd zu begreifen, ist nicht ganz einfach. Doch wer es versucht und an einem solchen Anlass teilnimmt, versteht vieles besser und kann auch den geschichtsträchtigen Zusammenhang der grossen Religionen Judentum, Christentum und Islam in eine verständlichere Verbindung bringen.

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