TOBEL: Der zweite Franken kommt nicht

Der Verein Thurkultur hat letztes Jahr so viele Gelder gesprochen wie noch nie. Das wird sich aber ändern. Denn das Vermögen ist aufgebraucht – und die Gemeinden verwehren einen Zustupf.

Simon Dudle
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Neuer und alter Präsident: David Zimmermann (links) und Hans Suter unterhalten sich über den zweiten Franken. (Bild: Simon Dudle)

Neuer und alter Präsident: David Zimmermann (links) und Hans Suter unterhalten sich über den zweiten Franken. (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Der scheidende Thurkultur-Präsident Hans Suter kann es nicht verstehen: «Vor dem Hintergrund exorbitanter Überschüsse vieler Gemeinden und erfolgter Steuersenkungen ist das sehr bedauerlich. Die Entwicklung sagt viel darüber aus, wie viel die regionale Kultur wert ist.»

Suters Emotionen beziehen sich auf den so genannten «zweiten Franken». Bis anhin zahlen alle 21 Thurkultur-Gemeinden jährlich einen Franken pro Einwohner Mitgliederbeitrag. Die Kulturämter St. Gallen und Thurgau verdoppeln den Betrag. In den letzten Jahren hat sich der Vereinsvorstand zum Ziel gesetzt, den Gemeindebeitrag zu verdoppeln, womit auch von den Kantonen doppelt so viel Geld gekommen wäre. Doch die Mehrheit der Gemeinderäte hat dem Vorhaben eine Abfuhr erteilt. Das Projekt ist vom Tisch – zumindest für den Moment. «Ich bin überzeugt, dass sich dies in Zukunft ändert. Es ist nur eine Frage der Zeit», sagt Suter. Er verweist auf andere Ostschweizer Kultur-Organisationen, wo die Gemeinden bis zu drei Franken pro Einwohner zahlen.

Kein Kulturmobil auf den Strassen

Diese Nichterhöhung der Beiträge hat Konsequenzen. «Thurkultur muss den Gürtel enger schnallen. Wir sind ein Opfer des eigenen Erfolgs», sagt Suter. Fast eine Viertelmillion Franken an Beiträgen wurde im vergangenen Jahr gesprochen. Das ist ein Rekordwert. Zum Vergleich: 2012, im ersten Vereinsjahr, waren es noch rund 142000 Franken gewesen. Allerdings ist das Vereinsvermögen nun fast aufgebraucht und es bleiben nur noch 4000 Franken übrig. Da das Budget für 2017 einen Verlust von knapp 15000 Franken vorsieht, muss gespart werden. Es können weniger Unterstützungsgelder gesprochen werden als im Vorjahr. Zudem muss das Projekt «Kulturmobil» auf Eis gelegt werden. Dieses hätte ab dem laufenden Jahr durch die Strassen der Region Wil rollen sollen, um das Kulturleben zu stärken. «Solange wir nur einen Franken bekommen, können wir uns das nicht leisten», sagt Suter.

An der Jahresversammlung des Vereins, die am Mittwochabend in der Komturei Tobel stattfand, gab Suter sein Amt als Präsident ab. «Auch wenn ich den zweiten Franken gerne realisiert hätte, liegt der Grund woanders, nämlich im Beruf.» Der Redaktionsleiter der «Wiler Zeitung» verwies auf die herausfordernde Situation in der Verlagsbranche. Nachfolger, und somit zweiter Präsident von Thurkultur, ist der Braunauer Gemeindepräsident David Zimmermann. Zum zweiten Franken sagt er diplomatisch: «Er ist ein wichtiges zusätzliches Instrument. Wir werden das Projekt im neuen Vorstand anschauen und wieder aktivieren, falls Bedarf vorhanden ist.»

Im neunköpfigen Vorstand gab es noch drei weitere Mutationen. Mit Susanne Hartmann, Monica Quinter und Marianne Schwyn traten gleich drei Frauen zurück. Ersetzt wurden sie durch Kathrin Dörig (Fachstelle Kultur, Wil), Simon Thalmann (Gemeindepräsident Niederhelfenschwil) und Werner Widmer (Galerist mit Wohnsitz in Wil).