Tips gegen Einbrecher-Tricks

Fenster, Türen, Tresore – hier legen Einbrecher Hand an. Sicherheitsberater Bruno Metzger von der Kantonspolizei St. Gallen kennt das Vorgehen der Einbrecher und gibt Tips, wie Gebäude vor Einbrüchen besser geschützt werden können.

Sebastian Schneider
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Eine Eingangstüre sollte mindestens an drei Punkten verriegelt sein, erklärt Sicherheitsberater Bruno Metzger den beiden Abwarten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Eingangstüre sollte mindestens an drei Punkten verriegelt sein, erklärt Sicherheitsberater Bruno Metzger den beiden Abwarten. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Was suchen Sie hier?», fragt ein Lehrer Bruno Metzger, Chef der Sicherheitsberatung der Kantonspolizei St. Gallen. «Den Hausabwart», entgegnet der Polizist in ziviler Kleidung. Die Lehrer im St. Galler Schulhaus sind vorsichtiger geworden. Zweimal wurde eingebrochen. Zuerst im November, dann nochmals im Dezember. Der Hausabwart hat reagiert und Sicherheitsberater Metzger angerufen. Er soll Tips geben, wie das Gebäude besser gesichert werden kann.

Schraubenzieher genügen

Die Türe zum Arbeitszimmer des Hausabwartes ist unten und beim Schloss beschädigt, aber funktionstüchtig. Der Hausabwart, sein Chef und Metzger setzen sich an einen Tisch im ersten Stock. «Der Einbrecher wollte nur Bargeld. Er brach den Snackautomaten auf, aber die Kamera auf dem Tisch liess er zurück», sagt der Hausabwart. Metzger braucht bei den Schilderungen der beiden nicht gross nachzufragen. Denn er kennt das Vorgehen der Einbrecher. «Es ist immer das Gleiche», sagt er. Grundsätzlich gingen Einbrecher wirtschaftlich vor – möglichst grossen Ertrag für möglichst wenig Aufwand. So trügen die meisten Einbrecher keine Brecheisen mit sich: «Dadurch würden ihnen die Hosen herunterrutschen. Nein, den meisten genügt ein Schraubenzieher.»

Notizen zur Einbruchhemmung

«Wissen sie, wie viel Druck Einbrecher mit einem Schraubenzieher ausüben können? – 600 Kilogramm.» Die Hausabwarte staunen. Metzger nimmt einen metallenen Fensterbeschlag aus seiner Aktentasche, legt ihn auf den Tisch und zeigt, wie Einbrecher ihre Schraubenzieher anlegen. Bevor Metzger das Gebäude besichtigt, erklärt er, dass er ein Schwachstellen–Protokoll erstellen werde mit Tips, wie diese baulich behoben werden können. «Ihr Gebäude braucht eine Aussenhaut, die mechanisch so ausgebaut ist, dass Einbrüche erschwert werden.» Metzger möchte den Hausabwarten nicht zu viel versprechen. Einbrüche liessen sich nur hemmen und nicht verhindern.

Widerstandsklasse 2 bis 3

Die drei Männer verlassen das Zimmer, gehen an einem Blechschrank mit verbogenen Türen vorbei, schreiten die Treppe hinunter. Metzger kontrolliert die Eingangstür. «Sie ist fest, gut.» Auch der Riegel des Schlosses ist in Ordnung. Metzger empfiehlt, Türen mit Mehrpunktverriegelung einzubauen – mindestens an drei Punkten.

Das Gleiche gilt für Fenster, welche heutzutage einen Rundum-Beschlag haben; Einbruchsicherungen sind genormt. «Ich würde welche mit Widerstandsklasse zwei bis drei verwenden.» Gemäss dieser Norm darf ein Einbruch innert zwölf Minuten nicht möglich sein, sofern der Einbrecher nur Zange, Keil oder Schraubenzieher verwendet.

Wieder im ersten Stock, schaut Metzger aus dem Fenster. «Dieses Zimmer muss besser gesichert werden. Hier könnte der Einbrecher hinaufklettern.»

Die Sicherheit bei Fenstern könne mit abschliessbaren Griffen verbessert werden. Die Einbrecher kennen laut Metzger neben dem Beschädigen von Beschlägen zwei weitere Einbruchmethoden: Sie bohren ein Loch, stecken einen Stab hindurch und drehen mit diesem den Fenstergriff auf. Die dritte Methode ist etwas rudimentärer – sie schlagen das Fenster auf, greifen hinein, entriegeln das Fenster.

Diejenigen Fenster, die über Nacht geöffnet werden müssen, sollten mit Gittern gesichert werden. Das Ganze hat aber Grenzen: «Überall Gitter anzubringen, würde das Hochbauamt nie erlauben.» Fenster, die drei Meter und mehr über dem Boden sind, müssen nicht zusätzlich gesichert werden, sofern sie nicht vom Dach her oder mit Klettern erreichbar sind.

Paradies für Einbrecher?

Metzger empfiehlt dem Hausabwart, eine Sicherheitszone einzurichten – ein oder mehrere Zimmer, in denen teure technische Geräte gelagert werden. Diese Zimmer solle er einbruchhemmend ausgestalten.

Metzger schaut wiederholt auf die Uhr. Nach neunzig Minuten ist die Beratung vorbei. Der Polizist hat noch weitere Termine. «Das Protokoll», sagt er zum Hausabwart, «genügt es Ihnen in zwei Wochen?»

Nach der grossen Einbruchserie im November hatte Metzger ziemlichen Stress. Nun habe sich der Sturm etwas gelegt. Dass Metzger soviel zu tun hat, liegt für ihn an einem Punkt: «Einbrecher denken: <In der Schweiz gibt es immer etwas zu holen.>»

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