TIERSTERBEN: Die seltene Jägerin wird noch rarer

Die Bestände des Braunen Langohrs im Thurgau gehen zurück. Warum das bei dieser seltenen Fledermausart so ist, wissen die Fachleute nicht. Die Quartiere sollen nun gezählt und kartiert werden.

Kurt Peter
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Das Braune Langohr kommt häufig in ländlichen Gegenden vor. (Bild: Daniel Hubacher)

Das Braune Langohr kommt häufig in ländlichen Gegenden vor. (Bild: Daniel Hubacher)

Kurt Peter

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Eine landesweite Studie hat ergeben, dass die Bestände des Braunen Langohres zurückgegangen sind – auch im Thurgau, sagt Marius Heeb von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz. «Es gibt begründete Vermutungen, warum dies so ist», meint er und verweist auf die Ausbauten von Dachstöcken oder Isolationsmassnahmen an den Liegenschaften. Für ihn sind aber auch die Beschaffenheit der Flugkorridore mögliche Gründe: «Leider sind sie oft beleuchtet, was diese Fledermausart gar nicht gerne hat.» Sie sei eine eher langsam fliegende Jägerin und daher durch Raubvögel oder Katzen gefährdet.

Gegen den Einsatz von Chemie

Das Braune Langohr jage in den Bäumen nach Insekten, sie sei angewiesen auf lockere Kronen, wie sie zum Beispiel alte Eichen aufweisen. Schlecht für die Lebensbedingungen sei auch der Einsatz von Chemie: «Gibt es keine Insekten mehr, gibt es bald auch keine Fledermäuse mehr.» Dabei nimmt der Leiter der Koordinationsstelle nicht nur die Landwirtschaft in die Pflicht, zu viel Gift gebe es auch in den privaten Gärten.

Das Braune Langohr kommt häufig in den ländlichen Gebieten vor, bevorzugt Weiler oder alleinstehende Bauernhäuser. «Die Art lebt aber auch gerne in alten Schulhäusern oder Kirchen», sagt Marius Heeb. Es sei nun wichtig, den Rückgang der Art zu vermindern, die Zerstörung des Lebensraumes zu verhindern und herauszufinden, weshalb die Bestände abnehmen. Deshalb werde an einem Projekt gearbeitet, das eine Verbreitungskarte der Art zum Ziel habe.

Beobachtungen melden

Dazu würden die 200 bekannten Quartiere überprüft und die Tiere gezählt. Die Koordinationsstelle bittet die Bevölkerung um Mithilfe: «Besonders interessant sind Bestände im Dachstock, aber auch wer eine Ausflugöffnung entdeckt, sollte sich bei uns melden», sagt Marius Heeb. Im Juni seien die Fledermäuse ab 21.15 Uhr bis etwa 22 Uhr am Ausfliegen. Wenn sie in grosser Zahl beobachtet werden können, bedeute dies auch, dass ein Abflugloch in der Nähe sei. Eine einzeln fliegende Fledermaus hingegen sei kein Hinweis auf ein nahes Quartier.

Ein Hauptaugenmerk Mitte Juni

«Wir hoffen, dass wir bis Ende Jahr alle der 200 bereits von früher bekannten Quartiere neu beobachtet haben und werden unsere Zählungen in den grösseren Quartieren jährlich wiederholen.» Interessant seien besonders Neumeldungen. Deshalb könne es sein, dass sich ein lokaler Fledermausschützer telefonisch melden würde, falls in der Liegenschaft früher ein Langohr-Quartier gefunden worden sei. Fast flächendeckend für den Kanton gibt es solche lokalen Mitarbeiter der Koordinationsstelle, die Meldungen gerne entgegennehmen. Sie sind auf der Website fledermausschutz-tg.ch zu finden. «Ab Mitte Juni wird es besonders spannend, denn dann kommen die Jungtiere zur Welt», sagt Marius Heeb mit Blick auf die kommenden Wochen.