TIERSPUREN: Volkszählung für Säugetiere

In zwei Jahren erscheint ein neuer Verbreitungsatlas zu Säugetieren in der Schweiz. Die Bevölkerung kann dabei mithelfen, indem sie Spuren sucht. Anlaufstelle im Thurgau ist das Naturmuseum Frauenfeld.

Hugo Berger
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Janine Mazenauer und Hannes Geisser platzieren im Museumsgarten einen Spurentunnel. (Bild: Hugo Berger)

Janine Mazenauer und Hannes Geisser platzieren im Museumsgarten einen Spurentunnel. (Bild: Hugo Berger)

Hugo Berger

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Haben Sie schon mal ein totes Eichhörnchen, einen Marder oder eine Haselmaus in ihrem Garten gefunden? Entsorgen Sie diese nicht sogleich, sondern bringen Sie das tote Tier dem Naturmuseum in Frauenfeld. Sie leisten dadurch einen Beitrag zu einem neuen Atlas über Säugetiere, welcher in zwei Jahren von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie herausgegeben wird.

Säugetiere begegnen den Menschen heute vor allem als Nutz- und Haustiere. Von den rund 80 wild lebenden, einheimischen Säugetierarten sind in der Bevölkerung hingegen nur wenige bekannt. Insbesondere der Thurgau sei zur Zeit noch bei vielen Tierarten ein weisser Fleck, sagt Museumsdirektor Hannes Geisser an einer Medieninformation. «Bekannt und gut dokumentiert sind im Thurgau die Tiere, die zur Jagd freigegeben sind. Für zahlreiche Arten aber fehlen gesicherte Hinweise, obwohl diese vermutlich auch in unserem Kanton vorkommen.»

Der bisher letzte Säugetieratlas erschien vor über 20 Jahren und ist veraltet und unvollständig. Der neue Band, an welchem Fachleute derzeit arbeiten, soll diese Lücken füllen und damit die Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Säugetierarten schaffen.

Spurensuche als Hobby

Am Projekt beteiligt sind schweizweit verschiedene Institutionen wie Naturmuseen und Tierparks. Anlaufstelle im Thurgau ist das Naturmuseum in Frauenfeld. Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht darin, eine Art Volkszählung bei den Säugetieren durchzuführen. Dabei sei das Naturmuseum auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen, sagt Geisser. Wer ein totes Säugetier findet oder Spuren sichtet, kann Funddatum und Ort unter <%LINK auto="true" href="http://www.s&#228;ugetieratlas.wildenachbarn.ch" text="www.s&#228;ugetieratlas.wildenachbarn.ch" class="more"%> eintragen. «Jede Meldung ist wichtig und liefert uns wertvolle Hinweise über die Verbreitung unserer wild lebenden Säugetiere», betonte Geisser.

Spuren zu finden ist ausser im Schnee nicht ganz einfach. Doch es gibt ein Hilfsmittel: den so­genannten Spurentunnel. Dieser wird so platziert, dass Tiere hindurchlaufen. In der Mitte des Tunnels liegt am Boden ein Tintenkissen. Laufen die Tiere darüber, hinterlassen sie auf einem Papier, das links und rechts des Kissens angebracht ist, deutliche Spuren. «Ich kann mir vorstellen, dass das Bauen und Sichern von Spuren für Familien oder für Schulklassen zum interessanten Projekt werden kann», ist Geisser überzeugt.

Der Spurentunnel kann aus Holz oder aus 1-Liter-Tetrapack-Kartons gefertigt werden. Auf der Webseite des Naturmuseums ( <%LINK auto="true" href="http://www.naturmuseum.tg.ch" text="www.naturmuseum.tg.ch" class="more"%>) finden Interessierte eine Bauanleitung mit hilfreichen Tipps für den erfolgreichen Einsatz eines Spurentunnels.