Tierschützer blitzen bei Jägern ab

Trächtige Rehgeissen sollen im Thurgau länger geschützt werden. Ein Gespräch zwischen Jagd Thurgau und dem Thurgauischen Tierschutzverband (TTSV) verlief diese Woche ohne Einigung. Der TTSV kündigt eine Volksinitiative an.

Stefan Borkert
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Abgelegtes Rehkitz. (Bild: key/Steffen Schmidt)

Abgelegtes Rehkitz. (Bild: key/Steffen Schmidt)

Altnau. Die Thurgauer Jäger sind gegen das Vorhaben des Tierschutzverbandes, die Schonzeit für Rehgeissen um drei Monate zu verlängern. Jagd Thurgau und der TTSV haben sich diese Woche in Altnau zu einem Gespräch getroffen. TTSV-Präsident Reinhold Zepf äusserte zuvor die Hoffnung, dass man sich mit den Jägern einigen könne. Doch Tierschützer und Jäger tauschten lediglich Informationen und Standpunkte aus. Eine Einigung gab es nicht.

Bruno Ackermann, Präsident von Jagd Thurgau sagt, dass der entsprechende Vorschlag des TTSV unnötig sei. Das Jagdgesetz regle die Schonzeit und stelle schon jetzt führende Muttertiere ganzjährig unter Schutz. Eine separate Änderung der kantonalen Jagdverordnung mache überhaupt keinen Sinn.

Revision läuft

«Zurzeit läuft die Revision der Eidgenössischen Jagdverordnung.

Sobald diese abgeschlossen ist, werden wir in Zusammenarbeit mit der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung dies analysieren und mögliche Anpassungen diskutieren. In diesem Zusammenhang können mögliche Reduktionen der Schonzeit diskutiert und eingereicht werden.» Aus diesem Grund sei man derzeit gegen eine Veränderung der Schonzeit und gegen eine voreilige Anpassung der Jagdverordnung. Es komme nicht vor, dass ein Jäger ein trächtiges Muttertier schiesse.

Man habe den TTSV vielmehr angefragt, ob er nicht helfen wolle beim Kampf gegen den Mähtod von abgelegten Rehkitzen.

Volksinitiative angekündigt

Reinhold Zepf ist enttäuscht, dass der TTSV bei den Jägern abblitzte. Er bestreitet, dass Jäger nie trächtige Rehgeissen oder solche schiessen, die ihr Kitz schon abgelegt haben. Das hätten Gespräche mit Jägern gezeigt. Der TTSV sei nicht prinzipiell gegen die Jagd, betont er. Man wolle nur einen besseren Schutz der Muttertiere und eine ethisch einwandfreie Jagd.

Im Mai/Juni, wenn das Gras hoch stehe, seien die Rehgeissen hochträchtig oder hätten eben ihre Kitze bereits abgelegt.

Der TTSV hat dieses Jahr den besseren Schutz der Rehgeissen beschlossen. Zepf sagt, man werde jetzt, nach der ablehnenden Haltung der Jäger, einen Antrag an das zuständige Departement auf Änderung der kantonalen Jagdverordnung stellen. «Wird dieser Antrag abgelehnt, dann starten wir eine Unterschriftensammlung für eine Volksinitiative.

» Und vom Erfolg einer solchen ist er überzeugt. Auch der Feldhase sei so geschützt worden.