THURGAUER WOLLEN ZUM SONG CONTEST: Mission Apollo 2017

Die Band Timebelle übt fleissig für die Schweizer Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Wenn sie gewinnen, fliegen gleich drei Thurgauer Musiklehrer nach Kiew.

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Die Band Timebelle will an den ESC nach Kiew. Mit dabei wären drei Thurgauer: Emanuel Andriescu, Judith Zürcher und Samuel Forster. (Bild: pd)

Die Band Timebelle will an den ESC nach Kiew. Mit dabei wären drei Thurgauer: Emanuel Andriescu, Judith Zürcher und Samuel Forster. (Bild: pd)

Vor zwei Jahren hat die Band Time­belle schon ihr Glück versucht, dieses Jahr wollen sie es nochmals wissen: Sie präsentieren am kommenden Sonntag ihren Beitrag für den Eurovision Song Contest (ESC). Mit dabei ist auch der 34-jährige Schlagzeuglehrer Samuel Forster aus Weinfelden.
 
Samuel Forster, sind Sie und Ihre Bandmitglieder schon nervös?
Nein. Es geht so. Im Verhältnis zum letzten Mal eigentlich gar nicht. Wir haben uns aber auch akribisch auf den Auftritt vorbereitet.

Was heisst das?
Wir sind als Band Liveauftritte vor Publikum gewöhnt. Weil es hier aber um einen Fernsehauftritt geht, haben wir sehr auf den Gesang und die Inszenierung des Songs geachtet.

Was gibt es denn für eine Inszenierung?
Es ist diesmal etwas ganz anderes: Wir werden mit Lichteffekten und anderen Überraschungen arbeiten. Zuviel darf ich aber noch nicht verraten.

Was sind die Herausforderungen, die der Song mit sich bringt?
Für mich als Schlagzeuger ist die grösste Herausforderung gut auszusehen. (lacht) Es geht darum, den Zuschauern eine gute Show zu zeigen, deshalb werde ich mich mehr bewegen als sonst. Das ist ungewöhnlich für mich.

Wie muss man sich Ihre Bewegungen vorstellen?
Normalerweise hole ich für einen Forteschlag, also einen lauten Schlag, etwa 50 Zentimeter aus. Das ist ungefähr eine Unterarmlänge. Für den Fernseh-Auftritt muss ich versuchen, die Emotionen dem Zuschauer zu zeigen. Deshalb hole ich eine ganze Armlänge für die Schläge aus.

Wie ist Timebelle entstanden?
Zunächst waren wir nur zu fünft als instrumentale Band unterwegs. Dann haben wir ein Casting gemacht. Darauf hat sich unsere jetzige Sängerin Miruna Manescu beworben. Timebelle gibt es seit 2014.

Wie viel Thurgau steckt in Timebelle?
Ich selbst bin aus dem Thurgau, dann haben wir noch Judith Zürcher, eine unserer Background-Sängerinnen. Sie ist in Weinfelden an der Musikschule Gesangslehrerin. Ausserdem unterrichtet Emanuel Andriescu, unser Pianist, als Saxophonlehrer ebenfalls in Weinfelden. Die halbe Band ist mit dem Thurgau verbunden.

Timebelle als Band gibt es also auch ausserhalb der ESC-Zeit?
Ja. Wir sind alles ausgebildete Musiker. Wir wollen nicht nur Musik machen, sondern sie auch leben. Deshalb spielen wir normalerweise nur auf Livekonzerten. Für den ESC treten wir in geänderter Formation an: Mit drei Background-Sängern und nur mit Klavier und Schlagzeug als instrumentale Verstärkung zur Frontfrau Miruna Marescu.

Weshalb hat sich die Band für diese Änderungen entschieden?
Wichtig ist, sich im Klaren darüber zu sein, dass es vor allem ein Gesangswettbewerb ist. Und es geht um die Komposition, das war uns bei der ersten Teilnahme vor zwei Jahren nicht so richtig bewusst. Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir uns entschieden, den Gesang in den Mittelpunkt zu stellen und mit Background-Sängern zu verstärken. Damit haben wir auch mehr Live-Performance auf der Bühne, weil der Auftritt Halbplayback ist. Das heisst, nur die Sänger singen live.

Also bringt die erste Teilnahme vor zwei Jahren einen Vorteil?
Ja, wir wissen schon ungefähr, was auf uns zukommt. Deshalb sind wir auch viel ruhiger als letztes Mal.

Warum wollen Sie an den ESC?
Weil es ein riesiges Erlebnis ist. Der ESC hat mehr Zuschauer als der Super Bowl. Und die Schweiz zu vertreten, ist natürlich eine grosse Ehre.

Ist Timebelle deshalb das zweite Mal mit dabei?
Wir haben das nicht forciert, ­sondern wurden angefragt von schwedischen Komponisten und Produzenten, ob wir noch einmal teilnehmen würden. Sie haben uns dann sechs Songs vorgestellt, und "Apollo" hat uns am besten gefallen, deshalb möchten wir mit dieser Nummer die Schweiz am ESC vertreten.

Warum haben Sie sich für diesen Song entschieden?
Der Text war ein ausschlaggebender Punkt. Apollo ist der griechische Gott des Gesangs. Das ist symbolisch sehr passend. Ausserdem sagt der Song aus, dass man an der eigenen Kunst dran bleiben soll. An sich glauben und trotz Rückschlägen nicht aufgeben. Wichtig ist auch, dass man Freude an dem haben soll, was man tut.

Was sagen Ihre Schüler zur ESC-Teilnahme?
Die finden das cool und sind stolz. Natürlich werden sie auch zum Voten eingespannt. (lacht)

Eine 19-köpfige Jury hat bei Live-Darbietungen die sechs Finalisten für die Schweizer Vorentscheidung ausgesucht. In der Entscheidungsshow am 5. Februar wird einzig das Schweizer Publikum entscheiden, wer die Schweiz in Kiew vertreten darf. Die Schweiz wird am ESC im zweiten Halbfinale starten. Dieses findet am 11. Mai statt und wird live auf SRF 2 übertragen. Das grosse Finale findet am 13. Mai statt und wird ebenfalls live übertragen.

 

Zur Person

Samuel Forster ist in Busswil aufgewachsen. Nach seiner KV-Lehre arbeitete er drei weitere Jahre in dem Beruf, bevor er sich entschloss, Musik zu studieren. An der Hochschule der Künste in Bern schloss er mit einem Master in Pädagogik und einem Master in Performance ab. Anschliessend folgten Studien in Handpercussion. Zurzeit ist er Schlagzeuglehrer in Weinfelden und Bischofszell sowie bei der Musikgesellschaft Märstetten. (sba)