Thurgauer wollen neue Strassen

54,6 Prozent der Thurgauer Stimmbevölkerung sagt Ja zum Netzbeschluss zur Bodensee-Thurtal-Strasse und zur Oberlandstrasse. Damit ist die durchschnittliche Zustimmung seit der T14-Abstimmung vor sieben Jahren um 9 Prozent gewachsen.

Marina Winder/ christof Widmer
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FRAUENFELD. Weder Befürworter noch Gegner hatten gegen Ende des heftigen Abstimmungskampfes klare Prognosen gewagt. Sie gingen sich aber einig darin, dass das Resultat knapp ausfallen würde. Mit 54,6 Prozent Zustimmen für den Netzbeschluss zur Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) und zur Oberlandstrasse (OLS) fiel das Ergebnis schliesslich wesentlich deutlicher aus, als gemeinhin angenommen worden war.

Zustimmung in vier Bezirken

Die Stimmbeteiligung lag bei 54,4 Prozent – sie ist damit nur geringfügig tiefer als vor sieben Jahren, als über die T14 abgestimmt wurde. Von den Bezirken sprach sich nur Münchwilen mit 48,5 Prozent Ja-Stimmen gegenüber 51,5 Prozent Nein-Stimmen gegen den Netzbeschluss aus. Alle anderen Bezirke stimmten der Vorlage zu, am deutlichsten Arbon mit 60 Prozent Ja-Anteil und Weinfelden mit 56,4 Prozent Ja-Anteil. Eine Ja-Mehrheit von 53,3 Prozent gab es auch im Bezirk Frauenfeld, der von den Strassen nicht betroffen ist. Mit 52,0 Prozent sagten die Stimmenden im Bezirk Kreuzlingen Ja, wo die OLS hoch umstritten war.

Bei den Gemeinden zeigt sich ein differenzierteres Bild. Den grössten Ja-Anteil verzeichnete Uttwil mit 69,7 Prozent, gefolgt von Kesswil mit 67,23 Prozent und Horn mit 67,03 Prozent. Auch in den stark verkehrsbelasteten Gemeinden Weinfelden, Bürglen und Amriswil lag die Zustimmung über 60 Prozent. Nicht alle betroffenen Gemeinden stimmten dem Netzbeschluss zu. Bei den direkt betroffenen Gemeinden entlang der Thurtal-Achse ist die Zustimmung vorhanden. Mit Salmsach und Hefenhofen lehnen aber auch zwei knapp tangierte Gemeinden den Netzbeschluss ab.

Mit 71,94 Prozent kommt die grösste Ablehnung aus Lengwil, gefolgt von Langrickenbach mit 70,26 Prozent Nein-Anteil. Deutlich ist die Ablehnung in weiteren Oberland-Gemeinden und einzelnen Gemeinden im Westen und Süden des Kantons. Die westlichste Gemeinde zeigte sich allerdings solidarisch: Schlatt stimmte dem Netzbeschluss mit 53,29 Prozent zu.

Stark will runden Tisch

Ein Stein vom Herzen gefallen ist gestern Baudirektor Jakob Stark: «Das Ja zum Netzbeschluss erfüllt den Regierungsrat mit grosser Freude». Zusammen mit dem Bundesamt für Strassen will Stark nun die Arbeiten für das generelle Projekt für die BTS in Angriff nehmen. Das Tiefbauamt stehe mit dem Bundesamt bereits in engem Kontakt. Letzte Woche hatte auch der Ständerat entschieden, dass die Strecke Bonau–Arbon ins Nationalstrassennetz aufgenommen wird. Damit ist der Bund für den Ausbau zur BTS verantwortlich.

Jetzt sei es «wichtig, nach vorn zu schauen und die Gräben, die der Abstimmungskampf da und dort aufgerissen hat, wieder zuzuschütten», sagte Stark. Er plane einen runden Tisch mit Vertretern beider Komitees und aller interessierten Verbände.

10 Prozent mehr Zustimmung

Armin Eugster, Präsident des befürwortenden Komitees, sprach gestern von einem «sehr guten Ergebnis in Anbetracht des intensiven und zum Teil emotional geführten Abstimmungskampfes». Das erwünschte Zeichen nach Bern sei deutlich genug, findet Eugster. «Immerhin haben wir fast zehn Prozent mehr Stimmen erreicht als vor sieben Jahren.» Für Eugster steht fest: «Der Thurgau steht hinter dem Netzbeschluss. Er will die BTS und er will die OLS.»

«Kompromisse notwendig»

Die Gegner zeigten sich zwar enttäuscht, aber keineswegs am Boden zerstört. Peter Gubser, Co-Präsident des Nein-Komitees, sprach sogar von einem Teil-Sieg. So wertet er das Nein zur Finanzierungsvorlage als Nein zur OLS (siehe unten). Auch die BTS hat in seinen Augen nur eine knappe Mehrheit gefunden. «Wir müssen die BTS-Vorlage jetzt noch einmal anschauen. Sie hat noch einige Schwachpunkte», sagt Gubser. «Für eine mittelfristige Realisierung sind Kompromisse notwendig.» Im Vordergrund stehen für Gubser dabei eine Senkung der Tempolimite auf maximal 80 Stundenkilometer und die etappenweise Bauausführung. «Es ist wichtig, dass wir dort beginnen, wo die Belastung am stärksten ist, also in Weinfelden, Bürglen und Amriswil.» In diesen Gebieten würden die Vorschläge der beiden Lager gar nicht so weit auseinander liegen, sagt Gubser.

Zur Zusammenarbeit bereit

Er wie auch sein Co-Präsident Toni Kappeler sind zur Zusammenarbeit mit dem Departement für Bau und Umwelt bereit. «Wir sind auf jeden Fall gesprächsbereit», sagt Gubser und fügt an: «Wir haben auch DBU-Chef Jakob Stark immer gesprächsbereit erlebt.» Die ersten versöhnlichen Worte nach einem langen und heftigen Abstimmungskampf.