«Thurgauer verkaufen sich unter Wert»

Der Kanton soll sich mit 2,55 Millionen Franken Anschubfinanzierung am Agro Food Innovation Park (Afip) beteiligen. Afip-Geschäftsführer Meiert J. Grootes hat nicht mit so viel Widerstand aus der Politik gegen sein Anliegen gerechnet.

Michèle Vaterlaus
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Meiert J. Grootes Afip-Geschäftsleiter (Bild: Nana do Carmo)

Meiert J. Grootes Afip-Geschäftsleiter (Bild: Nana do Carmo)

Der Grosse Rat entscheidet am kommenden Mittwoch über den Kredit von 2,55 Millionen Franken für die Anschubfinanzierung für den Agro Food Innovation Park (Afip). Sind Sie nervös?

Meiert J. Grootes: Ja, ich bin nervös. Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir mit Innovation im Thurgau auf so viel Widerstand stossen. Aber ich bin froh, dass mir noch einige Fraktionen konkrete Fragen stellen und ich das Projekt im direkten Gespräch erläutern kann. Der Afip ist ein einzigartiges Projekt. Doch Innovation ist ein schwieriges Thema. Man kann es nicht in wenigen Sätzen erklären.

Wenn Sie es trotzdem tun müssten, wie würden Sie Innovation erklären?

Grootes: Innovation ist alles, was neu ist und erfolgreich an den Markt kommt. Ein Beispiel ist das iPhone, eine Innovation aus dem Jahr 2007. Es hat Telefon und Computer erstmals kombiniert. Blackberry hat das Smartphone erfunden, erzielte 2011 einen Umsatzrekord. Doch heute gibt es Blackberry nahezu nicht mehr. So schnell kann es gehen.

Und mit dem Innovationspark wäre es so, dass wenn ein Produkt scheitert, die nächste Innovation bereits am Start ist?

Grootes: Wir wollen im Park das Wissen von Wirtschaft und Wissenschaft bündeln. Wir müssen weg von dem Gedanken: Wer hat's erfunden? Wir müssen offener sein. Wichtig an dem Projekt ist, dass wir einen Fokus haben. Wir fokussieren auf die Land- und Ernährungswirtschaft. Ich arbeite seit 27 Jahren mit Innovation auf diesem Gebiet.

Sie sagen, Sie haben nicht mit so viel Widerstand gegen den Afip gerechnet. Sie sind in Ihrer Planung ein Jahr voraus. Hätten Sie sich vielleicht mehr Zeit für die Überzeugungsarbeit nehmen sollen, um allen aufzeigen zu können, was für ein Projekt der Afip genau ist?

Grootes: Nein. Bei einem solchen Projekt muss man es nehmen, wie es kommt. Jetzt passt es genau, ich bin mit Playern in Wissenschaft und Wirtschaft in Kontakt. Jeden Tag ergibt sich etwas Neues. Aber das ist auch das Problem bei Innovation: Man kann sich nicht auf alles vorbereiten.

Sie sind aus Holland. Haben Sie möglicherweise die Thurgauer Mentalität falsch eingeschätzt?

Grootes: Das würde ich nicht sagen. Ich bin übrigens auch Schweizer. Ich bin Bürger von Bischofszell und wohne seit 10 Jahren in Frauenfeld. Ich glaube, der Thurgauer verkauft sich unter seinem Wert. Er ist skeptischer als der Holländer. Es sagen zwar alle, dass sie den Afip super finden. Aber niemand wagt den ersten Schritt.

Warum ist denn ausgerechnet Frauenfeld der richtige Standort für das Projekt?

Grootes: Frauenfeld ist aus verschiedenen Gründen einzigartig. Das Areal liegt zentral und ermöglicht einen schrittweisen Ausbau. Ausserdem ist Frauenfeld gut angebunden, nahe an einem internationalen Flughafen. Die Stadt ist nur 20 Minuten vom Flughafen entfernt. Es gibt auf der ganzen Welt keinen Innovationspark, der so nahe an einem internationalen Flughafen liegt.

Was machen Sie, wenn der Kreditantrag im Grossen Rat durchfällt?

Grootes: Das hoffe ich wirklich nicht, aber dann kehrt bei mir der Alltag wieder ein. Ich mache seit 27 Jahren Innovation und es macht mir immer noch Freude.

Sie machen weiter, auch wenn Ihnen der Grosse Rat einen Korb gibt?

Grootes: Natürlich würde ich zuerst eine Lagebeurteilung machen. Ich kann mir vorstellen, das Projekt trotzdem voranzutreiben.

Woher nehmen Sie denn das Geld?

Grootes: Das weiss ich nicht. Ich will mich heute mit dem Thema nicht beschäftigen. Am schönsten wäre, wenn der Antrag gutgeheissen wird. Das wäre ein toller Anschub für uns.