Thurgauer Taube fliegt am schnellsten

HÄUSLENEN. Eine Brieftaube von Walter Hösli aus Häuslenen hat an einem grossen dänischen Wettkampf den ersten Platz erreicht. Gegen über 1000 andere Tauben hat sich Höslis Taube durchgesetzt und damit ihrem Züchter eine Prämie von 20 000 Euro eingeflogen.

Rita Schmidlin
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Walter Hösli posiert mit einer Jungtaube in seinem Brieftaubenschlag in Häuslenen. (Bild: Rita Schmidlin)

Walter Hösli posiert mit einer Jungtaube in seinem Brieftaubenschlag in Häuslenen. (Bild: Rita Schmidlin)

Viele Hunderte Taubenzüchter auf der ganzen Welt träumen von dem, was Walter Hösli aus Häuslenen geschafft hat. Eine seiner Brieftauben gewann ein grosses internationales Derby und setzte sich dabei gegen 1087 andere Tauben durch. Weltweit gibt es rund 40 internationale Brieftauben-Derbies. Bei einem solchen Wettkampf werden die Jungtauben im Alter von 25 bis 30 Tagen in den Derby-Schlag eingeliefert. Dort befinden sich in grossen Anlagen zwischen 1000 und 3000 Brieftauben aus aller Welt.

400 Kilometer langer Flug

Am Samstag, 29. August, hat das Danish Pigeon Race stattgefunden. Der Auflass – so wird der Start bezeichnet – erfolgte im deutschen Göttingen, die Distanz bis zum Schlag im dänischen Aabenraa betrug 400 Kilometer. Hösli hatte die letzten Trainingsflüge in Aabenraa nicht verfolgt, da er Probleme mit dem Computer hatte. Am Entscheidungstag war er den ganzen Tag unterwegs. Als er am Abend nach Hause kam, bemerkte er, dass die Combox seines Telefons voll war. «Ich begann damit, die Anrufe abzuhören, und meinte zuerst, ein Kollege wolle mir einen Streich spielen», erzählte Hösli. Aber alle Anrufe waren von Gratulanten zu seinem Derby-Sieg. Er konnte es zuerst fast nicht glauben. 1088 Tauben waren am Start gewesen, und seine Brieftaube mit der Nummer CH-15-00792 hatte gewonnen. Und dies sogar mit vier Minuten Vorsprung auf die zweitrangierte Taube. Klar, dass die Abstammung so einer Taube interessiert. Die Mutter war im Jahr 2013 1. Ass-Taube im Swiss-Sand-Derby, in ihrem Stammbaum findet man die Namen Püttmann und Koopmann. Der Vater ist ein deutsches Männchen von Gehrken und Söhne. In seinem Stammbaum findet man einen Vorfahren, der einen 3. Rang im Algarve-Derby belegte, und einen weiteren, der beim South African Million Dollar Pigeon Race ein Auto gewonnen hatte. Die Jungtauben von diesem Zuchtpaar wurden in einer Zuchtgemeinschaft mit Ernst Bühler aus Amriswil gezogen.

Erste Teilnahme bringt Glück

Hösli freut sich natürlich riesig über seinen Erfolg und auch über das Preisgeld von 20 000 Euro. «Es ist eigentlich lustig, dass ich immer gute Ränge erreicht habe, wenn ich erstmals an einem Derby mitmachte.» Das sei schon früher so gewesen, als er noch in einer Schlaggemeinschaft mit seinem Vater flog, erinnert sich Hösli. Als Beispiel nannte er einen 3. Rang beim Allgäuer Jungtaubenderby und einen 18. Rang beim South African Million Dollar Pigeon Race. Beim Swiss-Sand-Derby hatte er aber schon mehrere Erfolge, nicht nur bei der ersten Beteiligung. Zwei weitere Schweizer tauchen in der Rangliste von Aabenraa auf. Es sind dies Ernst Bühler, der den 156. und den 204. Rang belegte, und Paul Künzle aus Steinebrunn mit dem ausgezeichneten 41. Rang.

Zwei Drittel erreichten Ziel nicht

Ein Wermutstropfen der Veranstaltung war, dass am ersten Tag nur gerade 113 der 1088 Tauben eintrafen. Fünf Tage später waren 294 zurück im Derby-Schlag und es kamen Tag für Tag weitere zurück. Die Dänen und mit ihnen viele Brieftaubensportler können nicht begreifen, was passiert ist auf diesem Flug. Am Morgen musste der Start auf 10.30 Uhr verlegt werden, da es in der Umgebung Nebel hatte. Die Wetterprognosen für die Flugstrecke waren aber gut, eine leichte Brise aus West-Südwest, angenehme Temperaturen und kein Regen. Viele erfahrene Sportsfreunde bestätigten denn auch, dass es nicht am Wetter liegen konnte, dass der Flug nicht gut verlief. Alles schien in Ordnung zu sein vom Flug ab Göttingen bis südlich von Hamburg, dies konnten die Organisatoren verfolgen, da bei den Jungtauben drei alte Brieftauben mit Ortungssendern mitflogen. Leider waren wegen des verspäteten Auflasses ab Hamburg die Batterien der Sender leer, und so kann über den weiteren Verlauf des Fluges nur spekuliert werden. Die drei «GPS-Tauben» sind in Aabenraa eingetroffen.

Rund 450 Taubensportfreunde aus vielen Ländern verfolgten das Derby. In der Zwischenzeit sind alle Tauben in den Top 100 fotografiert worden, und die Online-Versteigerung wird nächstens stattfinden.

Weitere Informationen zum dänischen Derby und zur Taubenversteigerung unter www.dapirace. com und www.mchansen.net