Thurgauer sind Kings

RESTZUCKER

Peter Exinger
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King Roger ist schon wieder King. Zumindest der von Wimbledon, der Schweiz und somit der Welt inklusive dem Thurgau. Leider gibt’s zu seinem gefühlt siebenundzwanzigtausenddreihundertfünfundvierzigsten Sieg nur einen Thurgau-Bezug. Der heisst Mirka Vavrinec, ist mit ihm verheiratet, in Kreuzlingen aufgewachsen, schlägt keine Bälle mehr, schon gar nicht verbale. Schade. Gern hätten wir aus zweiter Hand gewusst, wie es der Rolex und den Waden nach dem Turnier geht.

Was dem Thurgauer ausser Federer Respekt abnötigt, ist, mit zwei Promille über die Autobahn zu brettern, unfreiwillig bei Sirnach unter die Leitplanken zu geraten, alles oberhalb des Lenkrads abzurasieren und immer noch ansprechbar zu sein – wenn auch nicht bestens orientiert. Das ist der geeignete Mann für die derzeit laufende Siebenschläfer-Party in den Wäldern um Amriswil.

Ob deren Essstände untersucht werden, erfahren wir frühestens in zwei Wochen. Erst jetzt ist nämlich klar: Das Kantonale Labor hat vier Essproben beim Open Air in Frauenfeld beanstandet – freilich bestand keine Gefahr für die Besucher. Unsere Ämter sind auch wirklich schnell: Erstens sind die Gäste mit ihrem Norovirus schon wieder über alle Berge und zweitens, Gott sei Dank, weit weg.

Ziemlich verschwiegen gibt sich auch ein Reproduktionsmediziner, der vielleicht seine Spermaportionen verwechselt hatte. Die Arbonerin Kristina V. forscht nach ihren richtigen Eltern. Sie versucht, Gewissheit vor einem österreichischen Gericht zu erlangen. Die wird sie dort nicht finden. Sind doch die Nachbarn darin sehr geschickt zu verwedeln, woher wer kommt: Sie haben noch aus jedem Beethoven einen der Ihrigen gemacht – und aus Hitler einen Deutschen.

Auch nicht lustig: Esswaren will die Bina aus Mostindien demnächst auch in Original- Indien verkaufen. Irgendwer muss schliesslich Röschti und Dosenravioli weggabeln. Die Bina denkt mit: Unsere Thurgauer Rekruten sind nämlich von Platz 2, was Fitness und Fettness betrifft, auf Platz 15 gefallen. Das Gewichtsproblem zu exportieren ist eine gute Sache und unser Beitrag für den Weltfrieden: Kein schwerfälliger Inder will mehr im Grenzkonflikt gegen Pakistan in den Krieg ziehen.

Dass selbst Pakistan etwas von uns hat, darum sind wir auch besorgt: Einen pflegebedürftigen Mann werden wir per Bundesgerichtsbeschluss ausweisen dürfen. Soll der doch daheim siechen. Seine vier Kinder dürfen weiter bei uns krüppeln. Das nennen wir ausgleichende Gerechtigkeit: Die Kings sind doch wir.

Peter Exinger

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch