Thurgauer Regierung krebst zurück

Bei den Traulokalen im Thurgau bleibt vorderhand alles beim alten. Der Protest der Gemeinden gegen die Schliessung von schlecht frequentierten Trauzimmern war somit erfolgreich. Es gibt aber auch Gemeinden, die nun freiwillig verzichten.

Caspar Hesse
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FRAUENFELD. Traulokale, die weniger als fünfmal pro Jahr in dieser Funktion nachgefragt werden, wollte die Regierung für diesen Zweck nicht mehr zur Verfügung stellen. Darunter waren selbstverständlich keine ausserordentlich schönen Lokale wie die Drachenburg, Gottlieben oder die Kartause Ittingen, sondern nur schlichte Lokale.

Keine Sparmassnahme

«Vorläufig» bleiben sie nun erhalten, wie Giacun Valaulta, Chef des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen, gestern gegenüber dem SRF-Regionaljournal sagte. 53 Gemeinden wären betroffen gewesen. Der Protest hat die Regierung nun dazu bewogen, auf den Entscheid zurückzukommen, zumal es sich ja nicht um eine Sparmassnahme handelt. Kritisiert wurde auch die «eigenmächtige» Entscheidung des Kantons. «Emotionen spielen bei diesem Thema natürlich auch eine Rolle», erklärt sich Valaulta die Reaktionen.

Regierung wurde überrascht

Die Gemeinden dürfen aber freiwillig auf ihr Traulokal verzichten, hat ihnen der Regierungsrat geschrieben. Laut Regionaljournal gibt es auch bereits einige Gemeinden, die sich dafür ausgesprochen haben.

Ganz gegessen scheint das Thema aber doch nicht. Man schaue sich die Situation in ein paar Jahren wieder an. Regierungsrat Claudius Graf-Schelling hatte im Juli gegenüber der Thurgauer Zeitung das Vorgehen des Amts für Handelsregister und Zivilstandswesen verteidigt: «Abläufe zu optimieren, ist eine Daueraufgabe.» Dass der Entscheid so hohe Wellen schlagen würde, kam für die Regierung überraschend.

50 Franken Transportkosten

Trauungen werden im Thurgau auch am Samstag durchgeführt. Für eine Trauung ausserhalb der fünf Bezirksämter fallen nur die Transportkosten des Zivilstandsbeamten an. Und dafür verrechnet der Kanton 50 Franken. «Wenn die Nachfrage nicht besteht, passiert gar nichts; wenn die Nachfrage besteht, kann der Zivilstandsbeamte hinfahren», resümierte der CVP-Kantonsrat und ehemalige Bürgler Gemeindeammann Armin Eugster.

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