Thurgauer Polizei überbringt Vater traurige Nachricht

FRAUENFELD. Die Mutter des fünfjährigen Mädchens, das im Tessin in einem Auto starb, hat nicht absichtlich gehandelt. Die Familie aus dem Thurgau wird psychologisch betreut. Mit einbezogen ist das Thurgauer Care-Team.

Inge Staub
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Ihr Auto durfte die Familie, die ihr Kind verlor, nicht mit auf den Campingplatz nehmen. (Bild: Keystone)

Ihr Auto durfte die Familie, die ihr Kind verlor, nicht mit auf den Campingplatz nehmen. (Bild: Keystone)

Zwei Mitarbeiter der Kantonspolizei Thurgau übernahmen die schwierige Aufgabe. Sie überbrachten dem Vater die traurige Nachricht, dass seine fünfjährige Tochter tot ist. «Wir haben im Auftrag der Tessiner Kollegen die Angehörigen verständigt», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Das Mädchen, das mit seiner Mutter und drei Schwestern in einer Thurgauer Gemeinde lebte, ist am Dienstagabend im Tessin tot im Auto der Mutter aufgefunden worden.

Untersuchungen gehen weiter

Gestern befragten Tessiner Polizei und Staatsanwaltschaft die Mutter. Sie kamen zum Schluss, dass die Mutter nicht absichtlich gehandelt habe. Nach aktuellem Kenntnisstand hält die Staatsanwaltschaft es nicht für notwendig, die Frau zu inhaftieren.

Die Behörden gehen von fahrlässiger Tötung in Folge einer Nachlässigkeit aus. Aktuell müssten noch alle medizinischen und rechtlichen Untersuchungen abgeschlossen werden, um den Vorfall klar rekonstruieren zu können, teilte die Staatsanwaltschaft gestern Abend mit. Den Autopsiebericht hat die Staatsanwaltschaft noch nicht. Sicher sei jedoch, dass das Kind an der Überhitzung im Wagen starb.

Die fünfjährige Cheyenne war laut Medienberichten am Dienstag drei Stunden lang im verschlossenen Auto grosser Hitze ausgesetzt. Es hatte an diesem Tag über 33 Grad.

Ferien am Luganersee

Die Mutter machte mit ihren vier Töchtern (15, 13, 9, und 5) auf dem Campingplatz «La Piodella» in Muzzano am Luganersee Ferien. Laut Medienberichten wurde die Jüngste, als die Familie von einem Ausflug zurück kam, im Auto am Parkplatz vor dem Campingplatz zurückgelassen. Die Schwestern fanden Cheyenne am Abend: leblos. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Dass die Familie Cheyenne aus den Augen verloren hatte, hängt wohl damit zusammen, dass der Campingplatz «La Piodella» autofrei ist. Das heisst, die Gäste müssen ihr Auto auf dem Parkplatz vor dem Campingareal abstellen. Parkieren neben dem Wohnwagen ist nicht erlaubt.

Gäste sind betroffen

Die Gäste des Campingplatzes sind bestürzt über die Tragödie, die sich vor ihren Augen ereignete. «Der Gedanke, dass ich am Strand lag, während dieses arme Kind im Auto starb, ist unerträglich», sagte Karl Wagner aus Degersheim gegenüber «Blick». Seine Frau Edith ergänzte: «Es muss schlimm sein für die Mutter.»

In engem Kontakt

Die Angehörigen des Mädchens werden im Tessin von einem Care-Team betreut. Das Care-Team Thurgau wurde einbezogen. «Wir sind in engem Kontakt mit den Kollegen im Tessin», sagt dessen Leiter Thomas Althaus. Aufgabe des Thurgauer Dienstes ist es, Menschen, die mit einem plötzlichen oder tragischen Todesfall konfrontiert werden, psychologisch zu begleiten. Das Care-Team unterstützt Betroffene dabei, sich gegenseitig zu stützen. Es vermittelt zwischen der Familie, der Polizei und den Behörden. Auch klären die psychologischen Fachkräfte ab, ob weitere psychologische Behandlung notwendig ist.

Eine starke Belastung

Gestern war noch nicht klar, ob sich die Thurgauer Notfall-Psychologen um Cheyennes Familie kümmern werden, wenn diese wieder zu Hause ist. «Im Moment hat oberste Priorität, dass die Kinder im Tessin bestens betreut werden», sagt Thomas Althaus. Zum Tod von Cheyenne darf sich Althaus nicht äussern. Generell hält er fest: «Plötzliche und tragische Todesfälle sind eine sehr starke Belastung für die Angehörigen.» Wichtig sei, dass die psychologische Hilfe zeitnah erfolge. «Wir unterstützen die Angehörigen dabei, Abschied zunehmen.» Es sei wichtig, dass die Angehörigen sich von ihrem geliebten Familienmitglied in einem würdigen Rahmen verabschieden können, denn damit werde der Trauerprozess eingeleitet.

Eine besondere Herausforderung sei es, Kinder zu betreuen. «Auf Kinder muss man sehr behutsam zugehen, da man sie je nach Reifegrad nicht auf der verbalen Ebene erreichen kann.»