Thurgauer haben mehr verdient

Die Steuerkraft im Thurgau hat zugenommen. Trotzdem haben mehr Politische Gemeinden als im Vorjahr ihren Steuerfuss erhöht. Das hat damit zu tun, dass auch die Aufwendungen steigen.

Michèle Vaterlaus
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FRAUENFELD. Die Entwicklung ist eigentlich erfreulich: Die Thurgauer haben im letzten Jahr mehr verdient. Die Steuerkraft ist deshalb um 4,4 Prozent gestiegen. Trotzdem ist 2015 Schluss mit dem Trend der sinkenden Steuerfüsse. Auf dieses Jahr haben nämlich seit langem mehr Gemeinden ihren Steuerfuss erhöht als gesenkt. Das teilte die Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau gestern mit. Dramatisch ist diese Entwicklung aber nicht. Denn die Steuerfüsse seien über das Ganze gesehen stabil, heisst es in der Mitteilung.

Ein Geldsegen

Vorerst aber zurück zur Steuerkraft: Der Anstieg geht zu einem grossen Teil auf das Konto der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf. Dort ist die Steuerkraft auf mehr als das Doppelte, nämlich auf 5500 Franken pro Person angestiegen. Nimmt man die Gemeinde aus der Statistik, dann hätte der Thurgau nur einen Anstieg von 2,9 Prozent zu verzeichnen. Damit liegt das Wachstum aber immer noch über jenem vom Vorjahr (1,8 Prozent). Dass die Steuerkraft in Zihlschlacht-Sitterdorf derart gestiegen ist, ist auf einen besonderen Effekt zu verdanken. «Dieser Effekt ist einmalig und freut uns natürlich», sagt Gemeindepräsidentin Heidi Grau. Genaueres wolle und könne sie nicht sagen. «Das unterliegt dem Steuergeheimnis.» Es gelte nun, das Geld gut zu verwalten. Aber: «Dieser Effekt kostet uns natürlich einen Teil des Finanzausgleichs.» Normalerweise weist die Gemeinde eine Steuerkraft von etwa 2200 Franken pro Person aus. «Damit rechnen wir auch für das Jahr 2015 wieder.»

Am meisten abgenommen hat die Steuerkraft in Salenstein. Die Gemeinde musste eine Einbusse von 10 Prozent hinnehmen. Trotzdem hat das Dorf am Untersee gemeinsam mit Bottighofen immer noch die zweithöchste Steuerkraft im Kanton. Die Einbusse kommt lediglich daher, dass Salenstein den Effekt, den Zihlschlacht-Sitterdorf 2014 erlebt hat, 2013 erfahren durfte. Damals stieg die Steuerkraft in Salenstein um 45 Prozent.

Arbon führt die Liste an

Trotz der insgesamt steigenden Steuerkraft ist der Trend der sinkenden Steuerfüsse beendet. «Das liegt wohl daran, dass gleichzeitig auch die Ausgaben steigen», erklärt Jakob Rütsche, Leiter der kantonalen Steuerverwaltung. «Neben Aufwendungen für Bauvorhaben und Infrastrukturen werden die Gemeinden vor allem durch steigende Sozialkosten belastet.» So sind die Steuerfüsse 2015 im Durchschnitt um 0,4 Prozent auf 58,7 Prozent gestiegen. Den höchsten Steuerfuss hat mit 76 Prozent Arbon. Über 70 Prozent liegen auch Raperswilen, Pfyn und Romanshorn. Den niedrigsten Steuerfuss hat – zum fünftenmal in Folge – Horn mit 32 Prozent. Trotz der durchschnittlich höheren Steuerfüsse wurden die Steuerzahler in jeder dritten Gemeinde entlastet. Denn die Gemeindesteuern machen nur einen Teil der Gesamtsteuern aus. Hinzu kommen noch Staats-, Schul- und Kirchensteuern. Dass in 29 der 80 Gemeinden die Steuerlast gesunken ist, liegt daran, dass sich der Trend zu tieferen Steuern in den Schulgemeinden fortsetzt. Nimmt man den Gesamtsteuerfuss, so lebt es sich steuertechnisch in Bottighofen am günstigsten. Dieser liegt dort für evangelische Steuerzahler bei 232 Prozent, für katholische bei 238 Prozent. Am teuersten ist es für Katholiken in Raperswilen (322 Prozent). Evangelische Steuerzahler bezahlen in Birwinken (319 Prozent) am meisten.