Thurgauer Eltern müssen tiefer in die Tasche greifen

WEINFELDEN. Der Kurs «Starke Eltern – Starke Kinder» wird schweizweit angeboten und von der Stiftung Kinderschutz Schweiz getragen. Anders als in anderen Kantonen ist das Interesse im Thurgau aber gering – vermutlich aus Kostengründen.

Brenda Zuckschwerdt
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Elternkurse helfen Eltern bei der Aufgabe, ihre Kinder durchs Leben zu führen. Im Thurgau sind solche Kurse nicht subventioniert. (Archivbild: Susann Basler)

Elternkurse helfen Eltern bei der Aufgabe, ihre Kinder durchs Leben zu führen. Im Thurgau sind solche Kurse nicht subventioniert. (Archivbild: Susann Basler)

WEINFELDEN. Das Thema des Kurses ist hochaktuell. Eltern sollen in ihrer Erziehungsaufgabe gestärkt werden und erfahren, wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können, um mit ihren Kindern mehr Freude und weniger Stress zu haben. Das sei heute nötiger denn je, sagt Regula Flisch, gelernte Kindergärtnerin, Sozialarbeiterin und Sozialwissenschafterin. «Eltern haben heute immer weniger Vorbilder, an denen sie sich orientieren können», sagt sie. Heute wimmle es nur so von verschiedenen Erziehungsratgebern. In ihrer täglichen Arbeit erlebe sie Eltern deshalb oft stark verunsichert.

Erziehungsgrundsätze festlegen

Im Kurs «Starke Eltern – Starke Kinder» werden Eltern oder andere Erziehungsberechtigte deshalb als erstes dazu angehalten, die selbst erlebte Erziehung zu reflektieren und festzuhalten, welche Erziehungsgrundsätze ihnen wichtig sind. «Je klarer sie wissen, was sie wollen, desto klarer können sie ihren Kindern entgegentreten.» Erziehungsrezepte gäbe es im Kurs aber keine. Viel wichtiger sei es, dass sich die Eltern mit ihren ganz persönlichen Erziehungsgrundsätzen auseinandersetzten.

Trotz des aktuellen Themas ist das Interesse an dem Kurs im Kanton Thurgau gering. Regula Flisch ist Geschäftsleiterin der Inspira GmbH, die den Kurs im Thurgau anbietet. Erst einmal wurde er bisher in Kreuzlingen durchgeführt. Seither mangelt es an Anmeldungen. Hauptgrund für die Zurückhaltung sei der Preis von 390 Franken für Einzelpersonen und 780 Franken für Paare, vermutet Flisch.

In anderen Kantonen müssen Eltern für den gleichen Kurs viel weniger bezahlen, weil verschiedene Trägerschaften einen Teil der Kosten übernehmen. Zum Beispiel im Kanton Appenzell Ausserrhoden, wo sich Pro Juventute an den Kosten beteiligt, oder im Kanton Zürich, wo der Kurs dank dem Engagement der Reformierten Landeskirche viel weniger kostet.

Gutscheine in Zürich

In Zürich werden zudem Elternbildungsgutscheine abgegeben, die zur Bezahlung des Kurses verwendet werden können. «In Kantonen, in denen es solche Elternbildungsgutscheine gibt, läuft der Kurs denn auch viel besser», so Flisch. Im Kanton Thurgau hat die Fachstelle Kind und Jugend die Frage, ob die Kurse teilfinanziert werden sollen, an die Thurgauische Arbeitsgemeinschaft für Elternorganisationen (Tageo) delegiert. Bis eine Entscheidung gefallen ist, wird es aber noch dauern.

Bis dahin hofft Regula Flisch, dass sich trotzdem Eltern finden, denen das im Kurs erworbene Wissen 390 Franken wert ist. Wenn sich genügend Interessierte zusammen finden, kann der nächste Kurs Ende Februar in Weinfelden starten.

Infos unter www.in-spira.ch

Regula Flisch (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Regula Flisch (Bild: Brenda Zuckschwerdt)