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THURGAUER DIALEKT: «Das Thurgauische wird manchmal belächelt»

Seit 27 Jahren wohnt EstherStraub in Zürich. Trotz dieser langen Zeit spricht die gebürtige Thurgauerin immer noch, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Kürzlich wurde sie deshalb von Ratskollegen aufs Korn genommen. Für die Kantonsrätin und Pfarrerin nicht das erste Mal.

Esther Straub, Sie wohnen länger im Kanton Zürich, als Sie im Thurgau lebten. Haben Sie den Zürcher Dialekt angenommen?

Nein. Ich spreche immer noch Thurgauer Dialekt. Vielleicht in etwas abgeschwächterer Form als früher.

Wie meinen Sie das?

Ich bin am See aufgewachsen. Wir sagen vieles mit einem weichen G und nicht mit einem harten K. Beispielsweise Danggä anstatt Dankä. Heute spreche ich jedoch öfters ein K. Doch die Färbung und einzelne Wörter, wie Tünne für Wähe, sind geblieben.

Sie sind Pfarrerin, Reden ist Ihr Beruf. Wie reagieren die Zürcher auf Ihr Mostindisch?

In der Gemeinde in Schwamendingen werde ich nicht so oft darauf angesprochen. Dort kommen einige selbst aus dem Thurgau und finden das natürlich schön, wenn ich gleich spreche wie sie.

Identifizieren Sie sich mit Ihrem Dialekt?

Selber fällt es mir kaum auf, dass ich anders spreche, es sei denn, ich höre mich auf einer Tonaufnahme selbst sprechen. Ich spreche aber sehr gern Thurgauer Deutsch.

Sie sind Kantonsrätin. Wie reagieren die anderen Politiker auf Ihren Dialekt?

Manchmal habe ich den Verdacht, dass das Thurgauerisch etwas belächelt wird. Jeder Dialekt hat seine eigene Aura. Der Basler Dialekt tönt vielleicht etwas hochnäsig und Thurgauer Deutsch halt etwas bodenständiger. Im Gemeinderat der Stadt Zürich, in dem ich während zehn Jahren mitgewirkt habe, spricht man Dialekt. Im Kantonsrat führen wir die Debatten auf Hochdeutsch. Das kommt mir natürlich etwas entgegen, obwohl die Zürcher Weinländer ja fast wie ich reden.

Warum ist es für Sie wichtig, in neutralem Hochdeutsch zu sprechen?

Die Leute lassen sich so nicht von meinem Dialekt ablenken und konzentrieren sich stärker auf den Inhalt meiner Rede. Ich verzichte deshalb in Mundart manchmal auf extreme Thurgauer Begriffe, um andere nicht zu fest zu irritieren.

Das tönt, als ob Sie auch schon negative Erfahrungen gemacht hätten?

Leider ja. Ich selbst bezeichne mich inzwischen als Zürcherin. Ich lebe und arbeite hier, bringe mich politisch ein und will mitgestalten. Wegen meines Thur­gauer Dialekts wurde mir tatsächlich einmal gesagt, ich könne etwas nicht richtig beurteilen, weil ich nicht von hier sei. Das hat mich entsetzt.

Die Sprache wird also zum Politikum?

In so einem Fall tatsächlich. Ich würde nie jemanden auf seine oder ihre Herkunft reduzieren. So ein Erlebnis lässt einen jedoch ­erahnen, wie es Migrantinnen unter uns tagtäglich ergeht. (sba)

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