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THURGAU/COSTA RICA: Jetzt führen die Söhne von Ananaskönig Dähler das Geschäft

Johann Dähler, der Ananaskönig aus dem Thurgau, hat es nach dem Totalverlust an der Elfenbeinküste geschafft, in Costa Rica wiederum etwas Pionierhaftes zu erreichen. Seine drei Söhne exportieren Ananas weltweit und haben auch ein Reisegeschäft aufgebaut.
Yvonne Aldrovandi, Costa Rica
Michael Dähler betreut die Finanzen der Ananasplantage. (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Michael Dähler betreut die Finanzen der Ananasplantage. (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Yvonne Aldrovandi, Costa Rica

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Rund 9500 Kilometer von der Ostschweiz entfernt haben drei ausgewanderte Thurgauer ihr Glück gefunden. Sie gehören zu den weltweit grössten Ananasproduzenten. Jan, Stéphane und Michael Dähler sind vor bald zehn Jahren ins Ananasgeschäft eingestiegen und führen erfolgreich die Hacienda Roswitha in Sarapiqui, im zentralamerikanischen Costa Rica. Jede Woche exportieren sie zwischen 300 und 400 Tonnen Ananas in alle Welt – auch in die Schweiz. Den Grundstein für ihren Erfolg hat ihr Vater Johann Dähler gelegt. Der Ananaskönig aus dem Thurgau hatte einst mit seinen Plantagen an der Elfenbeinküste Erfolgsgeschichte geschrieben.

Auf der Hacienda Roswitha haben sich an diesem Nachmittag zehn Touristen aus der Schweiz eingefunden, um mehr über das Ananasgeschäft der Auswanderer zu erfahren. Michael Dähler, Leiter Finanzen, beginnt sogleich von der Vergangenheit zu erzählen: Vater Johann Dähler war als Bauernsohn auf dem Eggishof in Fruthwilen aufgewachsen. In jungen Jahren zog es ihn nach Afrika. An der Elfenbeinküste gründete er 1979 zusammen mit seinen Brüdern ein Ananasgeschäft. Das Unternehmen florierte. Doch turbulente Zeiten mit einem Bürgerkrieg liessen den Ananashandel zusammenbrechen. Der inzwischen verheiratete Johann Dähler kehrte mit seiner Familie 2000 zurück in den Thurgau. In Altnau besuchten die vier Kinder die Oberstufe – Jan, Stéphane und Michael machten ihre Ausbildung im Thurgau, Tochter An-drea im solothurnischen Egerkingen. «Wir haben ganz viel unserer Mama zu verdanken», betont Michael. «Sie hat unseren Vater immer unterstützt – auch in schwierigen Zeiten. Ihr Fleiss und ihre Bescheidenheit haben unsere Familie geprägt.»

380 Hektaren Land und 200 Wasserbüffel

Johann Dähler schaffte es, eine neue Existenz aufzubauen: Zusammen mit Sohn Jan zog er 2003 nach Costa Rica, wo er 380 Hektaren Land kaufte und mit dem Ananashandel beginnen konnte. Heute sind es insgesamt 780 Hektaren – davon 450 Hektaren Ananasproduktion, der Rest ist geschützter Regenwald und Wiesland für Dählers 200 Wasserbüffel. Die Hacienda Roswitha wird seit 2009 von Johann Dählers Söhnen Jan, Stéphane und Michael geführt. Jan ist Leiter der Produktion, Stéphane führt seit dem Jahr 2010 ein Reisebüro, und Michael betreut die Finanzen. Das Unternehmen beschäftigt zwischen 130 und 170 Festangestellte. Produziert wird die Ananassorte «Extra sweet» – 365 Tage im Jahr. «Wir produzieren vielleicht nicht gerade die billigste, aber die beste Ananas. Unsere Ananas besitzt ein goldgelbes Fruchtfleisch», sagt Michael mit einem zufriedenen Lächeln. Da die Grossverteiler in der Schweiz nicht markenabhängig sein möchten, wird die Ananas nicht unter dem Dähler-Label «Roswitha» verkauft.

Das tropisch-warme Klima ist ideal für den Anbau. «Wir haben uns hier niedergelassen, weil es oft regnet», erzählt Stéphane Dähler, Leiter Reisebüro, und ergänzt: «Manchmal nur zu viel. Wir müssen nie bewässern, eher entwässern.» Wichtig sei deshalb eine gute Wasserführung, da bereits kurze Staunässe-Perioden die Pflanzen irreversibel schädigten. Gepflanzt werden die Ananassetzlinge von Hand. Auf Dählers Plantagen gibt es 20 Millionen Ananaspflanzen, alle aus Eigenproduktion. Die Ananaspflanzen werden über Schösslinge vermehrt – eine Pflanze trägt eine Frucht und zwei bis drei Schösslinge. Nach der Pflanzung beträgt die Zeit bis zur Ernte etwa zwölf Monate. Die Ernte erfolgt halbmaschinell – die Arbeiterinnen und Arbeiter legen die geernteten Früchte auf ein Förderband, das über die Felder schwebt. Um die Ananas sofort abzukühlen und sie länger haltbar zu machen, werden sie nach dem Waschen in Kühllager gelegt.

Der Saft wird von der Bina Bischofszell vermarktet

Die Ästhetik der Ananas sei äusserst wichtig. Die erstklassigen Früchte, etwa 90 bis 95 Prozent, seien für den Export bestimmt. Die zweitklassige Ware werde zu Saft verarbeitet oder lokal verkauft. «Ein Grossteil des Saftes wird von der Bina Bischofszell unter dem Label Anna’s Best vermarktet», erklärt Michael nicht ohne Stolz. Inzwischen lasse sich ein Trend für gefrorene Ananasstücke feststellen. Diese sind auch in der Schweiz erhältlich.

Unterschieden wird zwischen der Schiff- und der Flugananas. Dählers transportieren ihre Ananas per Schiff. Ein Projekt für Flugananas, mit der Edelweiss Air sei geplant, verrät der Unternehmer. Der Vorteil liege darin, dass die Ananas nach nur einem Transporttag beim Früchtehändler in Europa sei, statt nach zwei Wochen.

Da immer wieder Schweizer Touristen die Ananasplantagen der ausgewanderten Thurgauer Familie besuchen, haben Dählers das Reisegeschäft «Swiss Tropical Tourism» aufgebaut. Stéphane Dähler bietet Individualreisen an. «Die Touristen, die zu uns kommen, sollen Leute und Kultur kennen lernen. Und sie sollen die Costa Ricaner so lieben lernen, wie wir es tun. Jeder Gast soll als Freund wieder nach Hause gehen», sagt Stéphane. Dählers arbeiten seit Jahren mit dem Reiseanbieter «Thurgau Travel» zusammen. Michael und Stéphane Dähler verabschieden sich mit «Pura Vida», was in Costa Rica so viel bedeutet wie – pures Leben und grenzenloser Optimismus.

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