THURGAU: Wieder mehr Fische im Netz der Thurgauer Berufsfischer

Mehr Felchen, mehr Barsche, mehr Hechte: Die Thurgauer Berufsfischer am Bodensee haben im vergangenen Jahr mehr gefangen. Doch die Fangerträge sind immer noch tief. Die Reduktion der Hochseepatente soll die wirtschaftliche Situation entspannen.

Sebastian Keller
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Den Berufsfischern wie Reto Leuch aus Landschlacht sind wieder mehr Fische ins Netz gegangen im vergangenen Jahr. (Bild: Nana do Carmo)

Den Berufsfischern wie Reto Leuch aus Landschlacht sind wieder mehr Fische ins Netz gegangen im vergangenen Jahr. (Bild: Nana do Carmo)

«Die Fangerträge sind im Vergleich zum Vorjahr um rund einen Viertel angestiegen», sagt Roman Kistler, Leiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Das ist die positive Nachricht. Doch der Anstieg sei auf der Basis des Jahres 2015 zu sehen, als die Berufsleute so wenig aus dem See zogen wie seit 1936 nicht mehr. Trotz Anstieg bleibt «der Brotfisch der Berufsfischer» ein Sorgenkind: Die Felchenfangerträge sind immer noch auf tiefem Niveau. Schuld daran ist auch der niedrige Nährstoffgehalt im See. Eine positive Tendenz sieht Kistler beim Hecht. «Der Anstieg dieser Fischart ist seit einigen Jahren zu beobachten.»

Die Patentreduktion ist auf Kurs

Damit das Berufsfischen am Bodensee in Zukunft möglich bleibt, haben sich die beteiligten Kreise 2015 auf eine Patentreduktion geeinigt. Dazumal fischten noch 113 Inhaber von Hochseepatenenten, 2020 sollen es noch 80 sein. Wie es in einer Mitteilung zur Tagung der Internationalen Bevollmächtigungskonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) heisst, sei man auf Kurs. Einige Berufsfischer hätten sich bereits aus wirtschaftlichen Gründen anders orientiert, andere haben aus Altersgründen ihr Patent zurückgelegt. So waren 2016 noch

101 Berufsfischer aktiv. Patent­inhaber über 70 Jahre müssen ihre Netzflächen jüngeren Berufsleuten überlassen. Roman Kistler sagt, dass der Thurgau sein Ziel wohl früher erreichen wird. Aktuell sind im Kanton 24 Hochseepatente ausgestellt. «Ich gehe davon aus, dass wir unser Ziel von 16 Patenten bereits 2018 erreicht haben werden.» Für die frühzeitige Erreichung des Ziels werden die Berufs­fischer belohnt: Sie erhalten ein höheres Netzkontingent.

Mehr Kormorane am Bodensee

Weniger Freude haben die Fischer am Kormoran. Der Wasservogel breitet sich weiter im Bodenseeraum aus und frisst auch Fische. Gemäss IBKF unterdessen mehr als die Hälfte der Fänge der Berufsfischer. Nun soll aufgrund dieser Problematik ein internationales Kormoran-Management aufgezogen werden. «Das ist keine einfache Aufgabe», sagt Kistler. Jeder Anrainer habe andere rechtliche Grundlagen. Eine Möglichkeit, dem Vogel Herr zu werden, ist der Abschuss. Im Thurgau wurden 2015/2016 total 195 Kormorane geschossen, in der vorherigen Periode waren es 109. Ein Grossteil sei im Rahmen der Kormoranwache am Rhein geschossen worden, sagt Kistler. Die Abschusszahlen widerspiegelten auch die Bestandesveränderungen über die Jahre.