THURGAU: Weitere 16 Postämter vor dem Aus

Von derzeit 35 Filialen im Kanton will die Post nur 19 sicher bis 2020 weiterführen. Bei den übrigen prüft sie die Umwandlung in eine Agentur. Als Partner sind auch Grossverteiler in Sicht.

Thomas Wunderlin
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Postagentur im Volg Thundorf: Die Post will immer einen Ersatz für ein geschlossenes Postamt anbieten. (Bild: Reto Martin)

Postagentur im Volg Thundorf: Die Post will immer einen Ersatz für ein geschlossenes Postamt anbieten. (Bild: Reto Martin)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

In den Niederlanden und Deutschland betreibt die Post keine einzige Filiale allein. Der Vertreter der Schweizerischen Post, Thomas Baur, verteidigte mit dem Hinweis den fortgesetzten Kahlschlag der Postämter im Kanton Thurgau. Die Thurgauer Gemeindepräsidenten dürfte er damit nicht beruhigt haben. Baur, Leiter Poststellen und Verkauf, legte am Dienstag in Weinfelden an einer Versammlung des Verbands Thurgauer Gemeinden (VTG) offen, dass die Post den Fortbestand von 16 der derzeit 35 Thurgauer Postämter überprüft. Es sind also nicht 29, denen das baldige Ende droht, wie die Gewerkschaft Syndicom vor zwei Wochen vermutete.

Der Post-Vertreter habe gebeten, die betroffenen Orte geheim zu halten, sagt VTG-Präsident Kurt Baumann. Denn möglicherweise werde der eine oder andere noch von der Schliessung verschont. Bis im März nehmen der VTG und der Kanton zu den Abbauplänen Stellung; im April treffen sich Vertreter der Gemeinden und des Kantons mit der Post, um die einzelnen Fälle zu diskutieren. Die Post will nun in den direkten Dialog mit den Bürgern treten, statt nur mit den Behörden zu verhandeln.

Für die übrigen 19 Filialen gibt die Post die Garantie ab, dass sie bis 2020 weitergeführt werden. Eine längere Zusicherung könne heute keine Firma geben, habe der Post-Vertreter erklärt, sagt Baumann. Die Gemeindevertreter hätten kritisiert, dass die Post es immer positiv darstelle, wenn sie eine Agentur eröffne. Doch eine Agentur sei keine vollwertige Poststelle. Der Bargeldverkehr sei nur eingeschränkt möglich, das Personal nicht so gut geschult. Man müsse oft warten, bis das Personal die Lebensmittelkäufer bedient habe.

Bemängelt wurde auch der verschlechterte Service für Geschäftskunden. Beispielsweise seien Gastgewerbe und Coiffeure darauf angewiesen, ihre Bargeldeinnahmen täglich einzahlen zu können. Der Post-Vertreter kündigte an, als Ersatz «Secure Cubes» aufzustellen. Laut Baumann handelt es sich dabei «um eine Art Bancomat».

In den letzten 15 Jahren sind drei Viertel verschwunden

Für Geschäftskunden und Private sollen auch vermehrt unbediente Paket-bring-und-hol-Stationen wie «My Post 24» eingerichtet werden. Als Partner steht nicht mehr nur Volg bereit. Grossverteiler wie Migros und Coop kommen auch in Frage, ebenso die Discounterketten. VTG-Präsident Baumann betrachtet die Entwicklung «mit Sorge». Der Thurgau sei überdurchschnittlich schnell und heftig von Schliessungen betroffen. Von den 119 Postämtern, die es 2001 im Thurgau gegeben habe, seien mittlerweile drei Viertel geschlossen.

Die Gemeinden hatten der Post vorgeworfen, nie ihre zugrundeliegende Strategie erklärt zu haben. Nun hat der Leiter Poststellen die Kriterien «für eigenbetriebene Postfilialen ohne Überprüfung bis 2020» offengelegt. Die wichtigsten sind:

- Kantons- und Bezirkshauptorte. Somit behalten Frauenfeld, Arbon, Kreuzlingen, Münchwilen und Weinfelden ihre Postämter.

- Kantonale und regionale Zentren gemäss Richtplan. Gesichert sind Aadorf, Amriswil, Bischofszell, Diessenhofen, Romanshorn, Sirnach und Steckborn,

- Städtische Räume. Als Richtgrösse gilt eine Poststelle pro 20'000 Einwohner. Gefährdet sind mindestens eines der drei Frauenfelder und eines der beiden Kreuzlinger Postämter.

- Marktbetrachtung. Poststellen mit guter Kundenfrequenz, Wirtschaftlichkeit und Entwicklungspotenzial sollen weitergeführt werden. Das könnte regionale Zentren wie Müllheim retten.

Auch die Erreichbarkeit abgelegener Talschaften kann ein Postamt retten. Ebenso können spezifische, regionale Bedürfnisse eine Rolle spielen. Was immer das heissen mag.