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THURGAU: Viel Platz für viel Geld

Der Frauenfelder Schulpräsident Andreas Wirth setzt sich für den Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule ein. Dieser sei nötig, da die Schule stark gewachsen sei. Doch weiterwachsen werde sie nicht mehr.
Thomas Wunderlin
SVP-Kantonsrat Andreas Wirth kann im Abstimmungskampf auf die Unterstützung fast aller Grossratsfraktionen zählen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

SVP-Kantonsrat Andreas Wirth kann im Abstimmungskampf auf die Unterstützung fast aller Grossratsfraktionen zählen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Am 26. November stimmen die Thurgauer Stimmbürger über einen Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PH) in Kreuzlingen ab. Der verlangte Kredit beträgt 26,8 Millionen Franken.

Andreas Wirth, dieses Projekt ist nicht das billigste. Der Kanton Thurgau leistet sich etwas. Geben Sie mir recht?

Ich muss es so sagen: Wenn man die Gesamtsumme sieht, ist es sicher ein hoher Betrag. Aber es sind 4000 Quadratmeter, die zur Verfügung stehen werden. Das ist eine grosse Fläche. Es entstehen aber rund 70 Räume, vom kleinen Büro bis zu den grossen Räumen für Gestalten und Hauswirtschaft.

Man will den Campus vervollständigen, eine schöne Idee. Aber weil der Untergrund schlecht ist, gibt es keine Tiefgarage. Um den Anblick der Klosterkirche nicht zu stören, baut man oben nur zwei Stockwerke. Einige hundert Meter entfernt könnte man günstiger bauen.

Wo soll das sein? Der Baugrund in Seenähe ist überall speziell. Trotzdem stehen schon jetzt rund um den vorgesehenen Bauplatz in jeder Richtung Bauten. Die Kreuzlinger Bevölkerung hat dem Landabtausch dafür bereits 2014 mit mehr als 80 Prozent Ja zugestimmt. Die Klosterkirche St. Ulrich ist ein sehr markanter Bau. Ich habe Verständnis dafür, dass man aus Gründen der Denkmalpflege nicht höher bauen darf. So bleibt die Kirche auch vom See her sichtbar.

Der Kanton muss ja seine eigenen Vorgaben nicht einhalten. Das zeigt grad dieses Projekt.

Inwiefern?

Es hat nicht genug Parkplätze, sagen Kritiker. Der Minergie-P-Standard wird nicht eingehalten.

Parkplätze – das stimmt nicht. Insgesamt stehen für die Pädagogische Hochschule 153 Parkplätze zur Verfügung. Gemäss der Normen, die für Baubewilligungsverfahren, auch für private oder staatliche Betriebe gelten, benötigt sie 150 Parkplätze.

Und der Minergie-Standard?

Der Kanton hat sich seit 2010 für seine eigenen Bauten Minergie P auf die Fahnen geschrieben. Bei Minergie P sind beispielsweise Dämmwerte festgelegt, die nicht durch andere Massnahmen wie Solarzellen kompensiert werden können. Mit Minergie A, dem neuen Label, das es damals noch nicht gab, ist dies möglich. Es wird sogar eine bessere Ener­gieeffizienz erreicht, die erst noch kostengünstiger ist. In der Abstimmungsvorlage ist der Preis für Minergie P gerechnet. Der Wechsel zu Minergie A würde eine Ersparnis von rund 700000 Franken bringen.

Der Neubau umfasst 4000 Quadratmeter Nutzfläche. Dafür soll die PH auf Mietflächen verzichten. Bisher hat sie aber nur 2500 Quadratmeter gemietet.

Das Problem ist ja, dass man jetzt zu wenig Platz hat. Bei ihrer Gründung hatte die PH 350 Studentinnen und Studenten. Jetzt sind es 800. Das sind beengte Verhältnisse. Es gibt verschiedene Mietlösungen und Provisorien, etwa den Pavillon auf dem Sportplatz oder die Bibliothek der Kantonsschule, aus der man die Schüler verbannt hat und Medien und Informatik platziert hat. Die Leute in der Verwaltung sitzen zu sechst oder siebt in Büros, die für vier gerechnet wurden.

Ausserdem behält die PH die im Einkaufszentrum Ceha gemieteten 1000 Quadratmeter .

Die Vorlesungsräume im Ceha bleiben, und das ist gut, denn es sind keine Spezialräume. Wenn man später darauf verzichten müsste, etwa durch den Ausbau des E-Learnings, dann ist das einfacher, auf derartige Räume zu verzichten als auf Spezialräume für Werken, Hauswirtschaft oder Informatik.

Beim PH-Hauptgebäude kostete der Kubikmeter 650 Franken. Beim Erweiterungsbau sind es jetzt aber 850 Franken.

Dieser Vergleich hinkt. Beim Kubikmeterpreis muss man darauf achten, was man vergleicht. Der Erweiterungsbau wurde mit der aktuellen SIA-Norm berechnet. Wären beim Hauptgebäude die gleichen Normen und Vorgaben angewendet worden, wäre der Preis gleich hoch gewesen. Der Erweiterungsbau ist zudem stark verdichtet. Er enthält kaum Gänge, dafür eine grosse Nutzfläche.

Das Nein-Komitee sagt, das Ja-Komitee sei mächtig und finanzstark. Stimmt das?

Nein, wir sind sehr engagiert und breit abgestützt. Das ist zu spüren. So sind alle Plakate ehrenamtlich von Leuten der Parteien aufgestellt worden.

Mächtig sind Sie schon.

Schön ist, dass praktisch alle Parteien dabei sind. Auch die Industrie- und Handelskammer und der Thurgauer Gewerbeverband unterstützen den Bau.

Und finanzstark?

Wir erhalten von den Fraktionen, die uns unterstützen, je 5000 Franken. Dieses Geld erhalten die Fraktionen jeweils für Abstimmungskampagnen für kantonale Vorlagen.

Das wären sechs Fraktionen, also 30000 Franken.

Dazu haben wir Unterstützung durch den Förderverein der PH. Es ist eine Grössenordnung, die für das Kantonsgebiet nicht überrissen ist. Im letzten Jahr beim Komitee gegen die Lehrplan-Initiative war das Budget ungefähr gleich hoch. Einen Flyer in alle Haushaltungen zu versenden, war für uns zu teuer. Dies hätte allein knapp 20000 Franken gekostet. Das Teuerste sind übrigens die Zeitungsinserate.

Fünf Jahre nach dem Diplom arbeiten 48 Prozent der PH-Absolventen nicht mehr auf ihrem Beruf, sagt ein Mitglied des Nein-Komitees.

Das ist eine falsche Zahl. Gemäss dem Bundesamt für Statistik unterrichten fünf Jahre nach dem Diplom noch 90 Prozent der Abgänger der Pädagogischen Hochschule Thurgau mit einem Pensum von mehr als 85 Prozent. Nach zehn Jahren sind es immer noch über 80 Prozent. Und das ist eine lange Zeit. Die Berufstreue ist gross. Andererseits ist es eigentlich gut, wenn sich junge Menschen weiterentwicklen. Ich bin heute auch nicht mehr Lehrer, aber der Bildung immer noch sehr verbunden.

Sie haben Ihre Partei offenbar nicht geschlossen hinter sich. Auch die Junge SVP lehnt den PH-Erweiterungsbau ab.

Sie ist nebst der EDU die einzige Partei, die dagegen ist. Unsere Partei, die SVP, ist klar dafür; die Delegiertenversammlung hat sich mit 89 zu 29 für den Bau ausgesprochen. Man ist sich einig, dass der Bedarf ausgewiesen ist.

Hätten Sie nicht vor allem die Jungen überzeugen müssen bei einem Thema wie der PH, das vor allem Junge betrifft?

Ich glaube, das Pro-Komitee hat breit informiert. So auch die Jungen. Die Junge FDP etwa hat übrigens einstimmig für den Bau votiert.

Können Sie garantieren, dass der Grosse Rat der PH keinen neuen Auftrag mehr erteilt, der zu einer Erhöhung der Studentenzahlen führt, so wie die Einführung der Sekundar- und Kantonsschullehrerausbildung?

Ja. Die bisherigen Aufträge stammen von der Politik. Leider wird immer wieder behauptet, die PH wolle weiter wachsen. Das ist aber nicht mehr möglich.Seit 2013 werden alle fünf Studiengänge von der frühen Kindheit bis zum Gymnasiallehrer angeboten. Es gibt keine weiteren Ausbildungsgänge für Lehrpersonen.

Vielleicht gibt es wieder einmal neue Schulfächer?

Bereits jetzt werden im Zuge der Lehrplaneinführung neue Schulfächer wie Medien und Informatik unterrichtet. Auch diese Ausbildung erhält im Erweiterungsbau den nötigen Raum.

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