Thurgau Tourismus braucht Geld

Ab 2017 bekommt Thurgau Tourismus kein Geld mehr vom Bund. Diesen Ausfall macht der Verein zum einen mit einem höheren Beitrag des Kantons wett. Zum anderen will er die Mitgliederbeiträge erhöhen.

Michèle Vaterlaus
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Rolf Müller Geschäftsführer von Thurgau Tourismus (Bild: Nana do Carmo)

Rolf Müller Geschäftsführer von Thurgau Tourismus (Bild: Nana do Carmo)

AMRISWIL. Thurgau Tourismus arbeitet seit rund vier Jahren mit einem Jahresbudget von 1,8 Millionen Franken. Ab Ende Juni fallen davon aber rund 550 000 Franken weg, die der Verein vom Bund bekommen hat. Grund dafür ist, dass ein Projekt der Neuen Regionalpolitik ausläuft, in dessen Rahmen sich der Verein zu einer Destinationsmanagement-Organisation gemausert hat (siehe Kasten). Will Thurgau Tourismus nun das Leistungsniveau halten, dann fehlt dem Verein jährlich eine halbe Million Franken. Für Geschäftsführer Rolf Müller ist aber klar, dass Thurgau Tourismus auf dem gleichen Standard wie bisher weiterarbeiten soll. Das stellt den Verein vor eine finanzielle Herausforderung.

Höhere Mitgliederbeiträge

Eine Lösung des Problems zeichnet sich aber ab. Der Kanton Thurgau hat sich bereit erklärt, einen Teil des Ausfalls der Bundesgelder zu übernehmen. Er wird 2017 seinen Beitrag von jährlich 700 000 Franken auf 900 000 Franken erhöhen. Bedingung dafür ist allerdings, dass Thurgau Tourismus ebenfalls 900 000 Franken aufbringt. Traktandum an der Jahresversammlung von Thurgau Tourismus ist deshalb die Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Bisher hat der Verein durch Mitgliederbeiträge rund 320 000 Franken eingenommen. Künftig sollen es 480 000 Franken sein. Die Gemeinden sollen insgesamt 200 000 statt wie bisher 150 000 Franken bezahlen. Überdimensional belastet werden die Hoteliers. Ihre Beiträge werden von bisher rund 120 000 Franken auf insgesamt 250 000 Franken steigen.

Überraschend komme dies für die Mitglieder aber nicht, betont Tobler. «Wir wissen ja seit vier Jahren, dass die Bundesgelder wegfallen. Deshalb ist das auch im Finanzplan berücksichtigt.» Die Mitglieder – also Gemeinden, aber auch Organisationen und Betriebe aus der Tourismusbranche – wüssten daher, dass der Vereinsvorstand die Beiträge per 2017 erhöhen will. Diskutiert wird die Erhöhung an der Jahresversammlung vom 19. Mai. «Ich gehe davon aus, dass es keinen grossen Widerstand geben wird», sagt Tobler. Auch Müller ist zuversichtlich. Obwohl er zu bedenken gibt, dass jeweils nur rund 80 bis 100 der 450 Mitglieder an der Jahresversammlung teilnehmen. «Da kann es im Nachgang schon zu Reaktionen kommen, wenn wir die Rechnungen verschicken.»

Doch die Thurgauer Hoteliers können die höheren Mitgliederbeiträge auf ihre Gäste abwälzen. Sie haben nämlich die Möglichkeit, eine Gästetaxe, den sogenannten «Tourismusbeitrag Thurgau», zu erheben. Diese Taxe ist zweckgebunden und muss für Mitgliederbeiträge und Marketingbeiträge an Thurgau Tourismus eingesetzt werden. Für die Hoteliers wird damit die Erhöhung der Mitgliederbeiträge nicht wirklich zu einer Mehrbelastung. Die Taxe sei aber freiwillig, sagt Tobler. «Der Thurgau ist einer der wenigen Kantone, der keine gesetzliche Pflicht für eine solche Taxe kennt.»

400 000 Franken fehlen noch

Durch den Beitrag des Kantons und die Erhöhung der Mitgliederbeiträge erreicht Thurgau Tourismus ein Budget von 1,4 Millionen Franken. Es fehlen also noch 400 000 Franken, damit der Verein sein Budget von 1,8 Millionen erreicht. 2015 hat der Verein durch eigene Marketingmassnahmen und Projektbeiträge 222 000 Franken eingenommen. «Wir müssen weitere Anstrengungen in diese Richtung unternehmen», sagt Tobler.

Christoph Tobler Präsident von Thurgau Tourismus (Bild: Nana do Carmo)

Christoph Tobler Präsident von Thurgau Tourismus (Bild: Nana do Carmo)