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THURGAU: Tierschützer schiessen auf Jäger

Die Thurgauer Jäger sollen gemäss neuer Jagdverordnung auch am Sonntagmorgen jagen dürfen, sehr zum Ärger des Tierschutzes. Dort wird laut über eine Volksinitiative zum Verbot der Treibjagd nachgedacht.
Silvan Meile
Ein Jäger auf der Jagd im Wald. (Bild: ALEXANDRA WEY (KEYSTONE))

Ein Jäger auf der Jagd im Wald. (Bild: ALEXANDRA WEY (KEYSTONE))

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Tierschützer Reinhold Zepf dachte, er könne sich nun zurücklehnen. In diesem Jahr ist er nicht nur 80 Jahre alt geworden, er hat auch einen grossen Sieg errungen. Im Frühling stimmte eine Mehrheit des Grossen Rates dem Baujagdverbot zu, für das der Tierschützer lange kämpfte. Doch kaum lehnte sich Zepf zurück, klingelte sein Telefon. Der nächste Kampf ist eingeläutet.

Zepf wittert eine Retourkutsche der Jäger

«Jäger selber haben mich darauf aufmerksam gemacht», sagt Zepf. Das zeige: Jetzt werde es selbst einigen Jagdfreunden unheimlich. Zepf spricht vom Entwurf der Verordnung zum neuen Thurgauer Jagdgesetz. Das Dokument durchläuft derzeit eine verwaltungsinterne Vernehmlassung. Doch der Tierschützer konnte eine aktuelle Version des Arbeitspapiers auftreiben. Als Zepf dieses las, sei er fast vom Stuhl gefallen. «Ich betrachte das als Retourkutsche der Jäger, weil ich für das Verbot der Baujagd verantwortlich bin.»

Im Entwurf der neuen Jagdverordnung sieht der Tierschützer eine zu grosszügige Lockerung der Vorschriften zu Gunsten der Jäger. Beispielsweise ist darin festgehalten, dass die Schussabgabe auf Rehwild aus Fahrzeugen erlaubt sein soll. In der bisherigen Verordnung war das explizit verboten. «Die Jagd aus dem Auto ist nicht weidmännisch», ärgert sich Zepf. Sie diene einzig der ­Bequemlichkeit der Jäger.

Und auch der Sonntag als Ruhetag für das Wild und die Erholungssuchenden soll nicht mehr jagdfrei bleiben. Weil die meisten Jäger arbeitstätig sind, kommt ­ihnen die Ausdehnung der Jagdzeiten in den Sonntag hinein gelegen. «Bis eine Stunde nach Sonnenaufgang und ab einer Stunde vor Sonnenuntergang» soll die Jagd gemäss neuer Verordnung neu an den Ruhetagen erlaubt sein. «So muss der frühe Pilzsucher oder Jogger damit rechnen, dass ihm im Wald Kugeln aus Jagdgewehren um die Ohren fliegen», sagt Zepf. Weiter stört er sich daran, dass im Thurgau bei der Treibjagd mit Schrot auf Wild geschossen wird, «wobei dies in umliegenden Staaten bereits verboten ist».

Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, ist für die Revision der Thurgauer Jagdverordnung verantwortlich. Tatsächlich stehe zur Diskussion, die Schussabgabe auf Rehe aus dem Auto wieder zu erlauben. «Die heutige Regelung ist nicht konsequent», argumentiert Kistler. Auf Tiere wie Dachse, Füchse oder Wildschweine sei die Schussabgabe aus dem stehenden Fahrzeug bisher erlaubt gewesen. «Wieso soll es für Rehwild verboten bleiben?» In letzter Konsequenz sollte doch für alle Tierarten dieselbe Regelung gelten. Doch Kistler betont sogleich, es bestehe nicht die Absicht, die Jagd aus dem Auto zu fördern. In kalten und nassen Nächten könne diese Jagdart zwar angenehmer sein, gleichzeitig widerspreche sie aber auch den Prinzipien einiger Jäger.

Noch liege nur gerade ein erster Entwurf der neuen Verordnung vor, die per 1. April 2018 in Kraft treten soll. «Dieser wird noch diskutiert und wir werden Korrekturen anbringen», sagt Kistler. Das gelte etwa für die Jagd am Sonntag. Die derzeitige Formulierung werde noch angepasst. Vor dem Hintergrund der Bestandsregulierung der nachtaktiven Wildschweine sah die vorberatende Kommission des Grossen Rates bei der letzten Gesetzesrevision tatsächlich vor, in der Verordnung die Jagd bis in die frühen Sonntagsstunden zu erlauben. «Bis maximal vier Uhr» war damals erwähnt, nicht aber bis eine Stunde nach Sonnenaufgang, wie nun vorgeschlagen.

«Keine Veranlassung für ein Verbot» sieht der Jagdverwalter jedoch für den kritisierten Einsatz von Schrotmunition während der Treibjagd. Sie führe nicht zu mehr verletzten Tieren als bei Kugelschüssen, sei aber «besonders effizient und richtig eingesetzt von sofortiger tödlicher Wirkung».

Dem Regierungsrat noch nicht vorgelegt

Für Zepfs Intervention in der ­Öffentlichkeit hat Kistler kein Verständnis, zumal es sich um keine externe Vernehmlassung handelt und die Verordnung in der alleinigen Kompetenz des ­Regierungsrats liegt. Deshalb war nicht vorgesehen, dass Dritte eine Stellungnahme abgeben. Zepf hat sich schliesslich das Recht erzwungen, seine Standpunkte darzulegen. Auch suchte er nach eigenen Angaben bereits das Gespräch mit der zuständigen Regierungsrätin Cornelia Komposch, welche die Verordnung letztlich gutheissen muss. Gegenüber unserer Zeitung gibt sie zu verstehen, dass erst eine Arbeitsversion der Verordnung vorliege und sie diese noch genau prüfen werde. Auch Kistler sagt: «Dieses Arbeitspapier ist weder mit dem Departement für Justiz und Sicherheit noch mit dem ­Regierungsrat diskutiert worden und wird daher sicher noch Änderungen erfahren.»

Zepf hat sein Visier längst auf die Schlussfassung der Verordnung gerichtet. Er kündet eine nächste Volksinitiative an, falls der Entwurf nicht angepasst werde. Vorstellbar sei, dass er ein Verbot der Treibjagd fordere, droht er.

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