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THURGAU: Thurgauer Apotheke fürchten sich vor weiterer Konkurrenz vom Kanton

Die kantonseigene Spitalpharmazie Thurgau AG plant die Eröffnung einer Apotheke im Kantonsspital Frauenfeld. Die privaten Apotheken wehren sich dagegen und wollen die Spitalapotheke selber führen. Mit der Spitalapotheke in Münsterlingen haben sie schlechte Erfahrungen gemacht.
Thomas Wunderlin
Im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld will Marc Kohler (rechts), Verwaltungsrat der Spitalpharmazie Thurgau AG und CEO der Spital Thurgau AG, auch eine Apotheke eröffnen. (Bild: Reto Martin)

Im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld will Marc Kohler (rechts), Verwaltungsrat der Spitalpharmazie Thurgau AG und CEO der Spital Thurgau AG, auch eine Apotheke eröffnen. (Bild: Reto Martin)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes erzielen Thurgauer Apotheken mit Patienten, die frisch aus dem Spital entlassen worden sind. Die sogenannten Spitalaustritts-Rezepte bekommen aber die Apotheker im westlichen Kantonsteil in Zukunft deutlich weniger zu sehen. Denn die Spitalpharmazie Thurgau AG will im ersten Quartal 2019 im Kantonsspital Frauenfeld eine Apotheke eröffnen. Die «Horizontapotheke» soll öffentlich zugänglich sein, aber in erster Linie der Bequemlichkeit der entlassenen Spitalpatienten dienen, die sich ihre Medikamente nicht mehr in einer privaten Apotheke besorgen müssten.

Von der Konkurrenz stark betroffen wäre unter anderem Stefan Ullmann, Geschäftsführer der «Passage Apotheke» in Frauenfeld und seit diesem Jahr Präsident des Vereins Apotheken Thurgau. Nach seiner Ansicht soll der Kanton nicht private Firmen konkurrenzieren. Die Pläne der Spitalpharmazie gefährdeten sogar private Apotheken in ihrer Existenz. Die Spitalpharmazie Thurgau AG ist Anfang 2015 aus der Spital Thurgau AG ausgegliedert worden. Beide Firmen gehören der Thurmed AG, die wiederum zu hundert Prozent dem Kanton Thurgau gehört .

Apotheker sollen selber mit Thurmed verhandeln

Der Apothekenpräsident Ullmann ist im September von Regierungsrat Jakob Stark über die Pläne der Spitalpharmazie informiert worden. Stark sei nicht auf seine Vorbehalte eingegangen, sagt Ullmann. Er habe erklärt, er wolle der Spitalpharmazie freie Hand lassen: «Wir sollen es mit der Thurmed anschauen.»

Bereits seit dem 7. Januar 2014 betreibt die Spitalpharmazie im Kantonsspital Münsterlingen eine öffentliche Apotheke, die «Campus-Apotheke». Die am nächsten gelegenen Apotheken – von Kreuzlingen über Weinfelden bis Arbon – hätten es zu spüren bekommen, sagt Ullmann. In Frauenfeld und Umgebung würde es ebenso laufen: «Aufgrund der Erfahrungen von Münsterlingen kann man einschätzen, dass ein beträchtlicher Teil des Umsatzes wegfallen würde.»

Die privaten Apotheken sind laut Ullmann auf die Spitalaustrittsrezepte angewiesen, um ihr breites Lager führen zu können. Sie müssen gemäss Leistungsauftrag des Kantons die wichtigsten Medikamente vorrätig halten. Ausserdem müssen sie einen Pikettdienst organisieren: bei Notfällen muss an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 18 Uhr eine Apotheke ihre Tür öffnen.

Eine Apotheke sei ein wichtiger Standortfaktor, erklärt Ullmann weiter. Für das Gewerbe sei sie ein Frequenzbringer, sie garantiere auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Sie fördere die Gesundheit der Bevölkerung und sei eine wichtige und niederschwellige Anlaufstelle für Gesundheitsfragen, wodurch Hausärzte und die Notaufnahmen der Spitäler entlastet würden.

Der Verein Apotheken Thurgau, dem 20 der 24 Thurgauer Apotheken angehören, hat laut Ullmann von der Regierung ein Gespräch mit der Thurmed zugesichert bekommen; der Termin ist noch offen. Die Apotheker würden gern mit der Thurmed einen Alternativvorschlag diskutieren: Sie wollen die Spitalapotheke selber führen. Nach Vorbild von Genf und Aarau wollen sie dafür eine Aktiengesellschaft gründen. Auch die Münsterlinger «Campus-Apotheke» soll von ihr übernommen werden.

Ullmann hat sich mit seinem Anliegen an den Fischinger CVP-Kantonsrat Josef Gemperle gewandt. Dieser hat mit sieben Grossratskollegen aus allen Fraktionen eine Interpellation eingereicht, die 50 Mitunterzeichner gefunden hat. Laut Gemperle hat der Thurgau eine der tiefsten Apothekendichten der Schweiz. Die Pläne der Spitalpharmazie schwäche die Grundversorgung im Thurgau weiter. Im Kantonsspital solle nicht etwas passieren, das die Privaten zu sehr konkurrenziere: «Wir müssen es mindestens im Rat diskutieren.»

Die Mitinterpellantin Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) vergleicht den Vorschlag der privaten Apotheker mit dem Notfalldienst der Hausärzte in den Thurgauer Spitälern. Mit der Einbindung der Apotheker in die neue Dienstleistung im Spital Frauenfeld wäre auch weiterhin ein guter Notfalldienst durch die Apotheken im Kanton möglich.

Thurmed - die Dunkelkammer des Kantons

Es wäre «politisch nicht korrekt», wenn er der Diskussion im ­Grossen Rat vorgreifen würde, schreibt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG und Verwaltungsrat der Spitalpharmazie Thurgau AG. Von den Kantonsräten würde es «sicher nicht goutiert», wenn er die Interpellation zur Spitalpharmazie kommen­tieren würde. Nicht einmal der Fotografin der «Thurgauer Zeitung» erlaubt er, ein Bild der Campus-Apotheke im Spital Münsterlingen zu machen.

Kohler beantwortet aber auch keine Frage zu einer Interpellation, die der Grosse Rat bereits am 28. Juni behandelte. Dabei würde das von den vielen Kantonsräten sicher begrüsst, die sich von der Thurmed schlecht informiert fühlen. Die Interpellation trug den Titel «Mehr Licht in die Thurmed-Gruppe». Die Thurmed falle ­besonders ab im Vergleich zu andern kantonalen Unternehmen wie der Thurgauer Kantonalbank, fanden verschiedene Votanten. So erstellt die Thurmed nicht einmal einen eigenen ­Geschäftsbericht; nur am Ende des Geschäftsberichts der Spital Thurgau AG finden sich einige «ergänzende Informationen zur Thurmed-Gruppe, die nebst der Spital Thurgau AG weitere elf Tochtergesellschaften umfasst. Vermisst wurden auch Aussagen zur Strategie, zum Thema Nachhaltigkeit ebenso wie zur Corporate Governance. Mitinterpellant Peter Dransfeld (SP, Ermatingen) verlangte Angaben zum Immo­bilienwert, der früher mit einer Milliarde Franken verbucht worden sei. Im Thurmed-Abschnitt des Geschäftsberichts sei er noch auf 181 Millionen Franken beziffert worden, was er als «beachtliches Wunder der Rechenkunst» bezeichnete. Die Konzernspitze der Thurmed AG erweckt laut Dransfeld den Eindruck, dass sie «sich selbst ziemlich gut findet. Sie könne uns die Welt erklären, sie wisse, wo das Böse lauert, und sie sei fasziniert, wie es ihr stets von neuem gelinge, trotz widriger Umstände hervorragende Arbeit zu leisten». Bei dieser Ausgangslage sei es «verständlich, dass die Verantwortlichen kritische Fragen als lästige Zeitverschwendung ansehen und erst recht deren Beantwortung». SVP-Finanzdirektor Jakob Stark entgegnete, Thurmed-Verwaltungsratspräsident Robert Fürer und Spital-Thurgau-CEO Marc Kohler würden in der Geschäftsprüfungskommission Fragen beantworten. Allerdings soll sich deren Auskunftsfreudigkeit auch dort in Grenzen halten. So bleibt nur Dransfelds ­Vermutung, dass es sich bei der Wertberichtigung um kreative Buchhaltung aus Steuergründen handelt. Da Kohler schweigt, ist es auch offen, ob er aus der Ratsdebatte Folgerungen gezogen hat. Unbeantwortet lässt er auch die Frage, wie er seine eigene Informationspolitik beurteilt. (wu)

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