THURGAU: Thurgau gibt Eierschwämme frei

Der Regierungsrat schafft die Liste der zugelassenen Speisepilze ab. Damit wird das Sammeln von Eierschwämmen im Thurgau legal. Auch Trüffel dürfen jetzt gepflückt werden. Wenn man welche findet.

Thomas Wunderlin
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Eierschwämme wurden schon bisher trotz Verbot im Thurgau gepflückt. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone)

Eierschwämme wurden schon bisher trotz Verbot im Thurgau gepflückt. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone)

THURGAU. Ab Samstag dürfen im Kanton Thurgau Eierschwämme gesammelt werden. Bis dahin ist das Sammeln, Ausgraben oder Beschädigen des beliebten Speisepilzes hierzulande untersagt – im Gegensatz zu den Nachbarkantonen. Pilzkundler hatten für das Verbot kein Verständnis, wie die Thurgauer Zeitung seit 2011 mehrmals berichtete. Jetzt schafft der Thurgau die kantonale Liste der Speisepilze ab, teilte der kantonale Informationsdienst am Donnerstag mit. Darauf waren jene Pilzarten verzeichnet, die gesammelt werden dürfen. Daraus ergab sich im Umkehrschluss ein Sammelverbot für nicht verzeichnete Arten. Nach Ansicht des Regierungsrats ist der Schutz der Pilze hinreichend gewährleistet durch zwei Listen auf Bundesebene: die Pilz-Schutzliste des Bundesamts für Umwelt und die Liste der «National Prioritären Arten zur Erhaltung und Förderung». Weiterhin dürfen zwischen Bodensee und Hörnli pro Tag und Person maximal ein Kilo Pilze gesammelt werden.

Der Präsident des Vereins für Pilzkunde Thurgau, Renato Righes, begrüsst die Aufhebung der kantonalen Liste: «Wir haben sie angeregt.» Den Pilzen schade Pflücken nicht. Mitgenommen werde nur der sichtbare Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz, das Mycel, bleibe im Boden. «Es ist wie beim Apfelpflücken; den Apfelbaum nehmen Sie auch nicht mit.» Wie der Pilzkenner mit Befriedigung feststellt, verzichtet der Thurgau auf die Einführung von Schonzeiten nach dem Vorbild von Zürich und St. Gallen. «Dem Pilz sind die Schonzeiten egal.»

Der Speiseplan der Thurgauer Bevölkerung wird sich unwesentlich ändern. Eierschwämme sind im Thurgau eher selten, weshalb sie wohl geschützt waren. Laut Righes vom Pilzkunde-Verein gibt es «etwa drei Orte» im Kanton, an denen Eierschwämme wachsen. In der Realität seien sie trotz Verbot von Bewohnern der Umgebung gepflückt worden. Auch Pilztouristen aus dem Kanton Zürich hätten sich daran bedient. «Das hätte von Gesetzes wegen geahndet werden müssen.» Die Polizei habe die Befugnis dazu. Righes hat aber nie davon gehört, dass die Polizei Jagd auf Pilzsammler gemacht hätte: «Sie hat noch andere Aufgaben.»

Die Kantonspolizei hat nie Pilzsammler verfolgt

Tatsächlich ist die Kantonspolizei Thurgau nie gegen das Eierschwämmli-Sammeln vorgegangen. Dies bestätigt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, nach Rücksprache mit langjährigen Mitgliedern des Polizeikorps.

Die Abschaffung der Pilzliste hat laut Righes auch damit zu tun, dass der Thurgau vor Jahren die Pilzkontrolle den Gemeinden überlassen hat. Der Kanton drucke das Formular nicht mehr, das die Gemeinde-Pilzkontrolleure verwenden. Sie seien deshalb auf das Formular der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontroll-Organe (Vapko) angewiesen; dieses lehne sich an die Bundeslisten an.

Auch Trüffel befanden sich nicht auf der kantonalen Liste zugelassener Speisepilze. Zwar wachsen im Thurgau nicht die begehrtesten Arten wie Alba- oder Périgord-Trüffel, dafür Sommer- und Wintertrüffel sowie Burgundertrüffel. Man kann sie für 600 bis 800 Franken pro Kilo verkaufen. Allerdings findet man sie selten kiloweise.