THURGAU: Suchtprävention beginnt schon im Jugendlager

Der Verein Prophyl unterstützt Lager für Jugendliche im Kanton. Bedingung ist, dass die Thematik ­Suchtprävention und Gesundheitsförderung ins Lagerprogramm aufgenommen werden.

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Werden Teilnehmer eines Jugendlagers für das Thema Sucht sensibilisiert, muss dies altersgerecht geschehen. «Mit den Jüngeren spricht man zum Beispiel darüber, wie man mit Langeweile umgeht», sagt Patrizia Geiges. Sie ist Vorstandsmitglied von Prophyl Thurgau. Der Verein zur Suchtprophylaxe begleitet im Kanton Lager von Jugendorganisationen wie Pfadi, Jungwacht Blauring oder Cevi.

«Prophyl konzentriert sich bei der Suchtprävention aber nicht nur auf Sucht an sich, sondern vor allem auf die Stärkung der Persönlichkeit der Jugendlichen», erklärt Geiges. Deshalb betreffen die Zielbereiche des Vereins nebst der Sensibilisierung für das Thema Sucht auch die psychische, soziale und physische Gesundheit. Will eine Jungendorganisation für ihr Lager mit Prophyl zusammen arbeiten, müssen drei bis fünf Programmblöcke den Zielen des Vereins entsprechen. «Ein Prophyl-­Coach besucht das Team bereits vor dem Lager und kontrolliert während der Durchführung das Programm», so Geiges. Dafür erhält die Jugendorganisation finanzielle Unterstützung von Seiten des Vereins. Diese setzt sich unter anderem aus einem Teil des Alkoholzehntels des Kantons zusammen. Prophyl wird zudem von diversen Sponsoren getragen. Insgesamt nahmen im Jahr 2015 1179 Thurgauer Kinder an einem von Prophyl unterstützten und begleiteten Lager teil.

Handysucht, Kaufsucht, Esssucht

In Zusammenhang mit Suchtverhalten ist oft Alkohol zentral. Prophyl greift die Thematik breiter auf. Zigarettensucht und Spielsucht werden genauso angesprochen wie Internetsucht, Handysucht, Kaufsucht, Esssucht oder Arbeitssucht. «Wichtig ist die Vermittlung, dass wir nicht für ein Verbot einstehen. Uns ist ein guter Umgang wichtig», sagt Geiges. Sie ist in der Kantonsleitung von Jungwacht Blauring Thurgau im Ressort Präsidiales engagiert und kennt den Lageralltag. Da sich die Ziele von Prophyl und Jugendorganisationen häufig decken würden, sei die Integration der Vorgaben ins Lagerprogramm kein Problem.

Die Persönlichkeitsstärkung für die psychische Gesundheit wird gemäss Geiges oft in den Theaterblock des Lagers eingebaut. «Jeder soll dort seine Meinung einbringen und sich so zeigen können, wie er ist.» Für die soziale Gesundheit werde die Zusammenarbeit im Team gestärkt. Dies beispielsweise bei sport­lichen Aktivitäten, etwa einem Geländespiel.

Die physische Gesundheit werde meist im Wellnessblock des Lagers thematisiert. «Dabei geht es darum, den eigenen Körper wahrzunehmen, die Kraft einschätzen zu können und die Sinne zu sensibilisieren.»

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Hinweis

Am Samstag findet die alljährliche Aus- und Weiterbildung von Prophyl für Leitende von Jugendorganisationen statt.