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Thurgau soll Delphin-Fall abgeben

LIPPERSWIL. Ein Staatsanwalt ausserhalb des Kantons könnte die Untersuchung zum Tod der beiden Delphine unabhängiger führen, glaubt der Zürcher Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch. – Der Tierarzt, der einst ein Gutachten für die Staatsanwaltschaft verfasst hat, steht jetzt unter Verdacht.
Ida Sandl
Connyland: Wie quietschlebendig waren die Delphine wirklich? Und wo soll ihr Sterben verhandelt werden? (Bild: Daniela Ebinger)

Connyland: Wie quietschlebendig waren die Delphine wirklich? Und wo soll ihr Sterben verhandelt werden? (Bild: Daniela Ebinger)

Die Connyland-Delphine Shadow und Chelmers sind an einer Antibiotika-Therapie gestorben. Das hat ein Gutachten der Universität Zürich ergeben. Am Pranger stehen jetzt die beiden Tierärzte, welche die Behandlung angeordnet haben. Einer von ihnen ist ein international anerkannter Fachmann: Manuel Garcia Hartmann hat 14 Jahre lang im Zoo Duisburg als Tierarzt gearbeitet. Er gilt als Experte für Delphine und hat viel über die Therapie der Meeressäuger geschrieben.

Hartmann betreibt eine eigene Homepage, auf der er Informationen zu Delphinen gibt. In Deutschland ist der Tierarzt aus dem Fernsehen bekannt. Er wirkte mit in der TV-Serie «Ruhrpott-Schnauzen – Szenen aus dem Duisburger Zoo».

Promi-Tierarzt war Gutachter

Jetzt läuft gegen Hartmann bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tierquälerei, wie der «Tages Anzeiger» schreibt. Der Tierarzt ist jedoch bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen kein Unbekannter. Er soll letzten Herbst ein Gutachten zur Delphinhaltung im Connyland verfasst haben. Sein Bericht führte dazu, dass eine Strafanzeige gegen den Freizeitpark eingestellt wurde.

Diese Verquickung stört den Zürcher Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch. «Das wirft ein fragwürdiges Licht auf die Untersuchungsbehörde», sagt Jositsch. Er fordert, die Thurgauer Staatsanwaltschaft sollte die Strafuntersuchung zu den beiden toten Delphinen einer Behörde ausserhalb des Kantons übergeben. Es gebe zu viele Fragezeichen in dieser Sache. Die Staatsanwaltschaft habe den Freizeitpark – gegen den sie jetzt ermittle – zu lange in Schutz genommen. «Die Staatsanwaltschaft würde sich einen Gefallen tun, wenn sie eine neutrale Strafuntersuchungs-Behörde betraut», sagt Jositsch. Einen Fall ausserhalb des Kantons zu geben, sei nicht ehrenrührig.

Die eingestellte Strafanzeige hatte die Organisation Ocean Care gegen den Freizeitpark eingereicht. Auch dabei ging es um den rätselhaften Tod von Delphinen. Ocean Care drängte darauf, dass der Tod von Chespa untersucht werde. Chespa ist die Mutter von Shadow. Sie starb im Jahr 2009, nachdem sie längere Zeit krank war. Sie habe sich auch immer wieder erbrochen. Sigrid Lüber, die Präsidentin von Ocean Care, vermutet, dass ebenfalls Medikamente schuld gewesen seien. Dies habe eine Zweitmeinung bestätigt, die Ocean Care in Amerika eingeholt habe.

Chespa sei so krank geworden, dass sie schliesslich habe eingeschläfert werden müssen. Die Todesspritze habe der Trainer seinem Delphin verpasst. Das sei zwar nicht illegal, aber «wir fragen uns, wieso das nicht ein Tierarzt getan hat», sagt Sigrid Lüber.

Die Strafanzeige von Ocean Care wurde von Staatsanwalt Patrick Müller eingestellt. Müller ist inzwischen vom Fall suspendiert. Nun will Ocean Care darauf drängen, dass die Sache noch einmal sorgfältig geprüft wird.

Beim Tod von Shadow und Chelmers stellt sich für Sigrid Lüber die Frage, wie exakt das Connyland die Anweisungen der Tierärzte umgesetzt hat. Ein Delphin lasse sich nicht auf eine Waage stellen. Und da sich die Menge eines Antibiotikums nach dem Gewicht bemesse, sei die Dosierung schwierig.

Todesfälle nochmals aufrollen

Auch das deutsche Wal- und Delphinschutzforum will, dass die Todesfälle der letzten Jahre neu aufgerollt werden. Sollten noch Gewebeproben der verendeten Delphine vorhanden seien, müssten diese untersucht werden. Das Forum kündigte gegenüber dem Connyland eine Strafanzeige an.

Connyland-Geschäftsführer Erich Brandenberger reagierte nicht auf wiederholte Anfragen der Thurgauer Zeitung.

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