Thurgau schnappt sich Höhere Fachschule

FRAUENFELD. Der Verband Swissmechanic setzt voll auf das Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld als Höhere Fachschule für Technik. Hier konzentriert er den Technik-Studiengang in der Ostschweiz. Das Nachsehen hat das Berufsbildungszentrum Wil-Uzwil.

Christof Widmer
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Wer sich zum Beispiel als Elektroniker ausbilden lässt, kann nun in Frauenfeld auch das Fachschulstudium in Technik absolvieren. (Bild: pd/Bildungszentrum für Technik)

Wer sich zum Beispiel als Elektroniker ausbilden lässt, kann nun in Frauenfeld auch das Fachschulstudium in Technik absolvieren. (Bild: pd/Bildungszentrum für Technik)

«Das ist unser neues Flaggschiff», sagt René Strasser, der Rektor des Bildungszentrums für Technik in Frauenfeld. Seine Schule bietet künftig als einzige in der Ostschweiz den Diplomstudiengang für Technik des Verbands Swissmechanic an. Der Verband hat das Bildungszentrum zu einem von landesweit drei Hauptausbildungsstandorten gewählt. Neben Frauenfeld will Swissmechanic auch in Lenzburg AG und in Bern eine Ausbildung auf dem Niveau der Höheren Fachschule (HF) anbieten. Bisher gab es den vollen Studiengang nur in Bern.

Erst mit dem neuen Schuljahr bietet das Frauenfelder Bildungszentrum für Technik diesen Studiengang überhaupt an. Zunächst sah es so aus, als ob Frauenfeld in Konkurrenz zum Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil stünde, das von Swissmechanic schon länger die Lizenz für den HF-Studiengang hat. Allerdings harzte die Zusammenarbeit zwischen dem Verband und der St. Galler Schule, wie Roland Stoll, Bereichsleiter Bildung bei Swissmechanic, erklärt. Sie hatte Mühe, die Klasse für das einjährige Fachstudium zu füllen, das dem zweijährigen HF-Diplomstudium vorgelagert ist. Für das eigentliche Diplomstudium gab es in Wil-Uzwil nie genug Interessenten.

Frauenfeld statt Wil-Uzwil

Swissmechanic hat sich nun entschieden, auf den Standort Wil-Uzwil zu verzichten und setzt voll auf Frauenfeld. Hier habe man grosses Interesse seitens des Bildungszentrums gespürt. «Auch die Kantonsregierung hat sich aktiv eingesetzt», sagt Stoll. Ausserdem sei von Frauenfeld aus eine Zusammenarbeit mit dem neuen Swissmechanik-Ausbildungszentrum für Lehrlinge in Weinfelden möglich. Stoll ist zuversichtlich, dass es das Bildungszentrum für Technik schafft, nächstes Jahr auch den Diplomstudiengang anzubieten.

In der jetzt gestarteten vorgelagerten Fachstudium-Klasse sitzen nach Angaben von Rektor Strasser elf Studenten. Eine weitere solche Klasse wird an der Berufsschule Bülach ZH geführt. Sie soll Zubringer für den Hauptstandort Frauenfeld werden. Wer das Fachstudium in Bülach abgeschlossen hat und noch den zweijährigen Diplomstudiengang absolvieren will, kommt dafür in den Thurgau.

Für Strasser ist der Start des Studiengangs auch deshalb gelungen, weil weder Schule noch Kanton finanziell drauflegen. Die Semestergebühren der Studenten und die Beiträge des Bundes decken die Kosten. «Mit der aktuellen Klassengrösse haben wir den Break Even geschafft», sagt Strasser. Unter Umständen kommen noch weitere Studierende dazu. «Kurzentschlossene haben immer noch die Möglichkeit, sich anzumelden und mit dem Fachstudium bis Ende August zu starten.»

Gefragte Absolventen

Der HF-Studiengang passe zur Thurgauer Wirtschaftsstruktur, sagt Strasser. Er bereite auf Leitungsaufgaben in kleinen und mittleren Betrieben vor. Gerade in Chargen auf diesem Niveau herrsche Fachkräftemangel. HF-Absolventen seien auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Grundauftrag des Bildungszentrums für Technik bleibe die berufliche Grundbildung und das Brückenangebot, sagt Strasser. Weiteres Flaggschiff neben dem HF-Studium ist für ihn die Berufsmaturitätsschule, die auf des Studium an den Fachhochschulen vorbereitet.