THURGAU: Schädlinge aus dem Forstamt

Im Garten des kantonalen Forstamts in Frauenfeld wütet der Buchsbaumzünsler. Auch im Botanischen Garten hat die aus China eingeschleppte Raupe einen Buchsbaum befallen. Der warme Frühling war ideal für den Zierpflanzenschädling.

Thomas Wunderlin
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Das Hochbauamt will den stark befallenen Buchsbaum vor dem Forstamt mit einem biologischen Schutzmittel retten. (Bild: Thomas Wunderlin)

Das Hochbauamt will den stark befallenen Buchsbaum vor dem Forstamt mit einem biologischen Schutzmittel retten. (Bild: Thomas Wunderlin)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Dieser Buchsbaum ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Viele Blätter sind ausgefressen, die Resten bräunlich verfärbt. Das rund drei Meter hohe Gerippe steht in einer Ecke des kleinen Gartens um das kantonale Forstamt an der Spannerstrasse in Frauenfeld. Offensichtlich konnte sich der Buchsbaumzünsler hier längere Zeit ungestört verbreiten.

Ein zweiter, kleinerer Buchsbaum ist ebenfalls befallen. Man kann die grün-weiss-schwarz gefärbte Raupe gut beobachten, wie sie sich an die noch kräftig grünen Blätter macht. Einige Dutzend Meter weiter beginnt der alte Botanische Garten, der ans Obergerichtsgebäude grenzt. Auch dort frisst der Zierpflanzenschädling an einem Buchsbaum.

Buchsbaumzünsler seit acht Jahren im Thurgau

2007 wurde der aus China stammende Schmetterling erstmals in der Schweiz gesichtet; das war in Basel. 2009 flatterte er in den Thurgau ein. Heute hat ein Thurgauer Buchsbaumbesitzer keine Wahl mehr, als den Zünsler zu bekämpfen. Sonst geht sein Buchs wahrscheinlich ein. Ausserdem dient die Pflanze dem Zünsler bis dahin als Brutstätte. Sie kann sich ungestört vermehren und weitere Buchsbäume in der Umgebung befallen.

Kantonsförster Daniel Böhi verweist aufs Hochbauamt, das für den Gartenunterhalt zuständig sei. In seinem Garten in Schönholzerswilen habe er dieses Jahr Hunderte von Buchsbaumzünsler-Raupen abgelesen. Den Zünsler würde man wohl nur noch los, wenn die Buchsbäume flächendeckend ausgerissen würden wie seinerzeit der Cotoneaster zur Bekämpfung des Feuerbrands, sagt Böhi.

Der Buchsbaumzünsler sei dieses Jahr aktiver als letztes und vorletztes Jahr, sagt Beda Baumgartner, Chef des Amts für Umwelt. Den Grund sieht er im relativ warmen Frühjahr. Basel-Stadt habe «ziemliche starke Schäden» gemeldet. Den Zünsler könne man hierzulande nicht mehr ausrotten, da er keinen natürlichen Feind habe.

Die Vögel hätten ihn nicht entdeckt: «Er versteckt sich gut.» Baumgartner empfiehlt, den Buchsbaumzünsler zu bekämpfen, weil sonst der Nachbar ein Problem habe. Man müsse «immer dahinter sein», denn der Zünsler pflanze sich mit bis zu vier Generationen pro Jahr fort.

Baumgartner rät primär zu mechanischer Bekämpfung. Spritzen würde er nur biologische Mittel. Auch die Stadtgärtnerei Basel verwende nur solche Mittel. Wie die Thurgauer Kantonsverwaltung mit dem Buchsbaumzünsler umgeht, wisse er nicht: «Ich bin nie angefragt worden.»

Urs Müller vom landwirtschaftlichen Beratungszentrum Arenenberg ist aufgefallen: «Man sieht viele Buchsbäume, die wirklich schlecht aussehen.»Biologische Mittel hält er für ausreichend. Den Buchs flächendeckend auszureissen, sei keine Alternative. So gebe es Gartenanlagen, die aus historischen Gründen mit Buchs bepflanzt seien, beispielsweise der Garten von Schloss Wellenberg. Der Besitzer setze nur biologische Pflanzenschutzmittel ein.

Zwei Behandlungen pro Jahr und häufige Rundgänge

Das Problem der Insektizide ist laut Müller, dass bei ihrem Einsatz auch andere Insekten geschädigt werden, die als Nützlinge gelten. Biologische Mittel wie das gängige Delfin enthalten ein Bakterienpräparat, das nach etwa sechs, sieben Tagen wirke; die Raupe müsse das Präparat zuerst aufnehmen. Müller glaubt, zwei Behandlungen pro Jahr würden reichen. Die erste erfolge am besten, wenn die Raupen schlüpfen. Da das Mittel von UV-Strahlung beeinträchtigt werde, müsse man die Behandlung vielleicht nach zehn Tagen wiederholen. Bei Regen werde es nicht immer unwirksam: «Manchmal wird es nur etwas weggespült.»

Mit Delfin will auch der Kanton den grossen Buchsbaum im Garten des Forstamts retten, sagt Urs Fankhauser von der Abteilung Immobilienmanagement im Hochbauamt. Der Buchs habe einen gewissen historischen Wert. Buchsbaum sei häufig anzutreffen bei alten Villen wie jener, in der das Forstamt untergebracht ist. Fankhauser bestreitet, dass der Kanton Schädlinge verbreitet. Der stark zerfressene Buchsbaum sei möglicherweise innert einer einzigen Woche so zugerichtet worden. Ein Buchsbaum in einem nahe gelegenen Garten sei ebenfalls innerhalb einer Woche in einen ähnlichen Zustand gekommen, wie ihm ein Nachbar des Forstamts bestätigt habe. Fankhauser dankt der «Thurgauer Zeitung» für den Hinweis: «Ich habe den Gärtner informiert, dass er etwas häufiger einen Rundgang macht.»

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