Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

THURGAU: Säugetieratlas: «Auch das 500. Reh ist wichtig»

Tote Mäuse, Spuren von Feldhasen, ein Foto eines Fuchses. Die Bevölkerung ist aufgefordert, Hinweise auf Säugetiere für einen neuen Verbreitungsatlas einzureichen. Seit knapp einem Jahr koordiniert das Naturmuseum Thurgau das Projekt im Kanton.
Larissa Flammer
Direktor Hannes Geisser posiert im April 2017 im Naturmuseum Thurgau. (Bild: Benjamin Manser)

Direktor Hannes Geisser posiert im April 2017 im Naturmuseum Thurgau. (Bild: Benjamin Manser)

Experten suchen mit Hilfe der Bevölkerung noch bis Ende Jahr in der ganzen Schweiz nach Spuren von wild lebenden Säugetieren. Die Daten werden für einen neuen Verbreitungsatlas verwendet. Im Thurgau ist das Naturmuseum Partner des Projekts und Anlaufstelle für die Bevölkerung. Direktor Hannes Geisser erzählt von den bisherigen Meldungen.

Hannes Geisser, wie viele tote Säugetiere hat die Thurgauer Bevölkerung schon im Naturmuseum vorbeigebracht?
Es waren seit vergangenem März wohl ungefährt 20 Kadaver – in mehr oder weniger ansehnlichem Zustand.

Und wie viele Meldungen sind für den Säugetieratlas im Thurgau insgesamt eingegangen?
Bis Dezember sind etwa 140 Meldungen direkt an uns gegangen. Diese haben wir so gut wie möglich bestimmt und verifiziert. Wir oder der Finder erfassen die Meldung dann in der Datenbank. Viele laden ihre Beobachtungen auch gleich selber in die Datenbank. Bis jetzt sind vermutlich etwa 400 aus dem Thurgau eingegangen.

Ein Gartenschläfer. (Bild: PD/Jiri Bohdal)

Ein Gartenschläfer. (Bild: PD/Jiri Bohdal)


Sind Sie zufrieden mit dieser Zahl?
Man kann das Glas halb voll oder halb leer sehen. Vor einem Jahr war der Thurgau ein weisser Fleck im Verbreitungsatlas der Säugetiere. Deshalb habe ich gesagt, wir machen bei diesem Projekt mit und werden im Thurgau Partner und Anlaufstelle. Mehr Meldungen wären natürlich schön, aber jetzt haben wir immerhin bereits ein paar hundert. Das ist eine tolle Sache.

Und das Projekt läuft ja noch bis Ende Jahr. Es können weiterhin Beobachtungen erfasst werden.
Richtig, wir werden das Projekt auch nochmals pushen und Infoflyer verteilen. Ich habe mit einem Mitglied aus dem Vorstand des Thurgauer Vogelschutzes Kontakt aufgenommen. Er wird das Projekt an deren Generalversammlung vorstellen. Vogelschützer sind viel draussen unterwegs. Vielleicht versteckt sich ja eine Maus in einem Vogelnistkasten, den ein Vereinsmitglied gerade reinigt. Vergangenes Jahr habe ich das Projekt an der Hauptversammlung von Jagd Thurgau vorgestellt. Jäger sehen schliesslich auch sehr viele Säugetiere. So überlegen wir uns, welche Gruppen wir gezielt ansprechen können. Ein bisschen wie Wanderprediger (lacht).

Zu welchen Tieren gibt es die meisten Meldungen?
Es gibt viele Sichtungen von Füchsen, Rehen und Dachsen. Auch regelmässig solche von Bibern, was für uns schon besonders ist. Im Herbst haben wir zum Beispiel einen Aufruf zu Eichhörnchen gestartet, weil wir wissen wollten, wo die roten und wo die schwarzen vorkommen. Da hat es nur so «gerebelt», denn Eichhörnchen finden alle herzig. Wir haben innerhalb einer Woche etwa 30 Meldungen erhalten. Etwas weniger häufig wurden auch schon Wildschweine, Iltisse und Marder – sowohl Stein- als auch Baummarder – gesichtet.

Ein Igel im Wald. (Bild: Fotolia)

Ein Igel im Wald. (Bild: Fotolia)


Kann man sagen, dass jetzt zum Beispiel genügend Sichtungen von Rehen oder Füchsen gemeldet wurden?
Jede Beobachtung ist wichtig. Auch das 500. Reh. Für sich alleine ist eine Sichtung unbedeutend, aber alle zusammen ergeben ein Bild. Und jede zusätzliche Beobachtung macht das Bild präziser. Interessant für den Säugetieratlas sind vor allem auch Beobachtungen in Siedlungsnähe. Auch wenn es sich um kleine Mäuse handelt, denn von vielen Arten weiss man nur sehr wenig.

Sind aus einigen Ecken des Thurgaus mehr Meldungen gekommen als aus anderen?
Dort, wo Leute wohnen, gibt es natürlich mehr Beobachtungen. In der Region Frauenfeld, Pfyn, Weiningen gab es viele Meldungen, auch am Untersee bei Ermatingen und Berlingen sowie bei Weinfelden, Märstetten und im Gebiet Immenberg. Lustigerweise scheinen auch entlang der Strasse von Bürglen nach Erlen viele Säugetiere unterwegs zu sein. Es gibt aber Orte, von denen ich glaube, dass es da mehr Arten gibt als bisher gemeldet wurden. Auf dem ganzen Seerücken zum Beispiel sind die Sichtungen noch dünn. Und auch der Güttinger Wald ist ein beliebtes Nacherholungsgebiet, wo sicher auch viele Tiere beobachtet werden können. Mal schauen, was noch kommt. Es kommt schon drauf an, wie viele Leute das Projekt kennen und mitmachen wollen.

Woher wissen die Verantwortlichen für die Datenbank, welche Tierbeobachtungen echt sind und wo es sich nur um eine Hauskatze handelt?
Wenn jemand einen Marder in seinem Garten sieht und ein Foto von ihm hochlädt, wird dieses von Fachleuten verifiziert. Die Experten schätzen ab, ob es überhaupt sein kann, dass dort dieses Tier gesehen werden kann, und versuchen, auch auf unscharfen Bildern die Art möglichst genau zu bestimmen.

Und wenn ich eine Beobachtung ohne Foto melde?
Dann fehlt der Beweis. Die Meldung wird trotzdem aufgenommen und mit solchen in der Umgebung verglichen. Hat es in der Nähe noch weitere Sichtungen des gleichen Tiers gegeben, wird die Meldung wohl akzeptiert. Grundsätzlich nehmen die Verantwortlichen aber eine eher konservative Schätzung vor. Lieber wird eine Meldung nicht aufgenommen als dass Fehlbeobachtungen das Bild verzerren.

Das Naturmuseum bewirbt Tunnel aus Tetrapack als Hilfsmittel für die Spurensuche. Wie gut sind diese angekommen?
Wir haben selber von Frühling bis Herbst damit Spuren gesucht. Im Sommer war plötzlich tote Hose bis auf einige Schnecken, die unsere Spurenblätter wegfrassen. Im Herbst gab es dann wieder regelmässig Spuren. Das zeigt, dass die Tiere ihre Aktivitätsphasen haben. Im letzten Sommer war es ihnen vermutlich zu heiss bei uns mitten in der Stadt. Im Herbst bot unser Garten dann Verstecke und Nahrung, weil viele der Pflanzen Früchte tragen. Neben Tunnels aus Tetrapack haben wir auch grössere Holztunnel. Von denen werden wir im Frühling wieder vier oder fünf platzieren.

Welche Tiere können darin Spuren hinterlassen?
In den Tetrapack-Tunnels vor allem Mäuse und Mauswiesel. Die winzig kleinen Spuren sind sehr spannend. Den Holztunnel können Igel, Marder, aber auch Hauskatzen durchqueren. Auf unserer Webseite gibt es eine Bestimmungshilfe, aber das ist nicht immer so einfach. Auch wir haben schon Spuren an eine Fachstelle geschickt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.