THURGAU: Priestermangel im Thurgau

Die Thurgauer Katholiken kommen nicht voran bei der Lösung ihres Personalproblems. Gerne würden sie weitere Seelsorgemitarbeiter ausbilden. Die Bischofskonferenz will zuerst weitere Abklärungen.

Thomas Wunderlin
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Cyrill Bischof, Präsident des katholischen Kirchenrats des Kantons Thurgau, sorgt sich um überlastete Gemeindeleiter. (Bild: Reto Martin)

Cyrill Bischof, Präsident des katholischen Kirchenrats des Kantons Thurgau, sorgt sich um überlastete Gemeindeleiter. (Bild: Reto Martin)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin

@thurgauerzeitung.ch

Schafe hat es genug, doch die Hirten sterben aus. In biblischer Terminologie könnte man so die Situation der katholischen Landeskirche im Thurgau beschreiben.

Der Romanshorner Architekt Cyrill Bischof bemüht sich seit seiner Wahl zum Präsidenten der katholischen Landeskirche Thurgau im Dezember 2014 um eine gemeinsame Lösung mit der Leitung des Bistums Basel. Er macht keinen Hehl aus seiner Frustration, dass er ihr nicht näher gekommen ist. Gemäss den neusten Zahlen von 2015 arbeiten im katholischen Thurgau 50 ausgebildete Theologen, wovon 29 über die Priesterweihe verfügen. Aufgrund der anstehenden Pensionierungswelle werden es 2030 gemäss einer Prognose der Landeskirche noch 20 sein. Für Bischof hat das Problem höchste Dringlichkeit: «Wir haben im Kanton einige Gemeindeleitungen, die an der Belastungsgrenze laufen. Sie brennen aus, wenn zu viel Verantwortung und Arbeit auf ihnen lastet.»

Die 54 Pfarreien, die es 2006 im Thurgau gab, sind mittlerweile zu einem runden Dutzend Pastoralräumen zusammengefasst worden. Der Priestermangel, der einer der Gründe dafür war, ist dadurch aber nicht nachhaltig ­behoben worden.

Dank Zuwanderung stabil bei 85000 Kirchbürgern

Obwohl jährlich zwischen 600 und 800 Mitglieder austreten, konnte die katholische Kirche im Thurgau dank Zuwanderern aus Deutschland und Italien ihre Mitgliederzahl in den letzten Jahren bei rund 85000 stabil halten. Er wolle die Leute nicht vergraulen, sagt Bischof.

Die katholische Kirche im Thurgau erfreue sich einer grossen Zustimmung bei ihren Mitgliedern, auch wenn sie nicht regelmässig die Kirche besuchten.

Die Thurgauer Landeskirche will den Priestermangel mit Seelsorgemitarbeiterinnen auffangen. Sie konzipierte einen eigenen Ausbildungsgang und führte diesen seit 1999 dreimal durch. 2013 hat sie damit aufgehört, da das Bistum unter anderem an der Qualität der Ausbildung zweifelte. Von November 2014 bis März 2016 wurde an einem runden Tisch über mögliche Alternativen diskutiert. Am Ende wurde den Thurgauern in Aussicht gestellt, es werde ein neuer Ausbildungsgang geprüft, ein sogenannter Formodula-Kurs. Kürzlich hat die Konferenz der Deutschschweizer Bischöfe das Thema diskutiert. Sie habe eine weitere «strategische Klärung» verlangt, sagt Bischof. «Das ist der ernüchternde Bescheid.» Die Bischöfe wollten die Einpassung in die zahlreichen Berufsgruppen innerhalb der kirchlichen Arbeit genauer prüfen. Es heisse, es gebe keine empirischen Erfahrungen. Im Thurgau habe man aber mit den drei Ausbildungsgängen und über 20 Anstellungen von Seelsorgemitarbeiterinnen empirische Erfahrungen gesammelt. «Es verletzt mich, dass wir als Thurgauer nicht wahrgenommen werden.» Er sei auch «traurig, weil es nicht vorwärtsgeht». Bischof würde gern das Okay des Bistums bekommen, um einen Pilotkurs der Formodula-Ausbildung im Thurgau zu starten. Die Thurgauer Synode hat dafür bereits am 2. November 2016 vorausschauend eine neue Stelle bewilligt.

Die Ausbildungen, die das Bistum derzeit fordert, sind nach Meinung des Kirchenratspräsidenten teilweise zu akademisch. «Wir wollen auch Qualität, die Hürden sollen aber nicht so hoch sein, dass fast niemand die Ausbildung macht.» In der Kirche konzentriere man sich noch zu sehr auf die Sakramente, die nur ein Priester spenden könne. Für viele Aufgaben in einer Pfarrei brauche es keine theologische Ausbildung. «Wir können die Kirche nicht an Seelsorgern aufhängen, die wir nicht haben.» Bischof zieht das südamerikanische Katechista-Modell als Vorbild bei. Dort sei ein Pfarrer oder Theologe für ein grosses geographisches Gebiet verantwortlich. Vor Ort sei aber jemand, der für die Gemeinde verantwortlich sei. «Kirche geschieht vor Ort; der Glaube wird durch lebendige Spiritualität vermittelt, durch Hilfe am Nächsten und Gemeinschaft im Alltag.»

Das Bistum Basel umfasst die Kantone Aargau, Bern, beide Basel, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Zug und Thurgau. Von der Bischofsleitung war gestern kein Kommentar erhältlich.