Thurgau plant Erdwärme-Kraftwerk für 100 Millionen Franken

AMRISWIL. Im Oberthurgau soll in fünf Jahren das erste Thurgauer Geothermie-Kraftwerk stehen. Dafür will das ekt (Energie Thurgau) 100 Millionen Franken investieren. Vorbild ist das Geothermieprojekt der Stadt St.Gallen.

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Markus Schüpbach, CEO der EKT Gruppe, orientiert an der Medienkonferenz über das Geothermie-Projekt. (Bild: Stefan Beusch)

Markus Schüpbach, CEO der EKT Gruppe, orientiert an der Medienkonferenz über das Geothermie-Projekt. (Bild: Stefan Beusch)

Geht die Rechnung auf, soll das Kraftwerk ab dem Jahr 2018 Heizenergie für 4000 Wohnungen (60 Gigawatt) und Strom für 2200 Haushalte (10 Gigawatt) in der Region zwischen Amriswil, Romanshorn und Arbon liefern. Ob es in einer Tiefe von 3500 Metern tatsächlich heisses Wasser gibt, soll bis Mitte 2014 feststehen.

Der Energieversorger, der zu 100 Prozent im Besitz des Kantons Thurgau ist, nimmt das Geothermie-Projekt der Stadt St.Gallen als Vorbild: "Wenn es in St.Gallen heisses Wasser im Untergrund gibt, ist die Chance sehr hoch, dass wir auch fündig werden", sagte Markus Schüpbach, ekt-Geschäftsführer, am Dienstag vor den Medien.

Keine Erdbeben

Wie in St.Gallen soll die Erdwärme im Thurgau im hydrothermalen Verfahren genutzt werden. Dabei wird eine Gesteinsschicht angebohrt, die von Natur aus heisses Wasser führt. Das Wasser wird an die Oberfläche gepumpt. Nach dem Entzug der Wärme wird das abgekühlte Wasser durch eine zweites Bohrloch wieder in den Untergrund gepumpt.

Laut Experten soll es beim hydrothermalen Verfahren nicht zu Erdbeben kommen, wie beim Tiefengeothermie-Projekt von Basel, das im Dezember 2009 gestoppt werden musste. In Basel hatte man grosse Mengen Wasser unter grossem Druck in die Tiefe gepresst.

Von St.Gallen profitieren

Die Tiefbohrungen im Westen der St.Gallen beginnen in den kommenden Tagen und sollen bis Mitte Jahr aufzeigen, ob das geplante Erdwärme-Kraftwerk realisierbar ist. Diese Tiefbohrungen seien für das Thurgauer Projekt von grossem Vorteil, weil sie Erkenntnisse für die seismischen Messungen liefern, welche Ende Jahr gestartet werden.

Aber auch wenn die Resultate in St.Gallen nicht optimal wären, würde das EKT das eigene Projekt vorantreiben. "Erst nach den Tiefbohrungen wissen wir, ob wir fündig werden", sagte Schüpbach.

Bis dahin falle die Hälfte der Gesamtkosten von 100 Millionen Franken an. Das Risiko sei hoch, deshalb werde das ekt beim Bund eine Risikogarantie beantragen.

Pionierhaftes St.Gallen

Die Stadt St.Gallen hat in der Schweiz eine Pionierrolle bei der Förderung von Tiefenwärme. Unter der Stadt wird in einer Tiefe von 4000 bis 5000 Metern heisses Wasser mit Temperaturen bis zu 170 Grad erwartet. Dieses soll dereinst 22'000 Wohungen mit Fernwärme beliefern. Das St.Galler Geothermie-Projekt kostet rund 160 Mio. Franken. (sda)