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THURGAU: Noch eine Projektgruppe

Der Regierungsrat lässt das weitere Vorgehen bei der Sanierung des Kunstmuseums prüfen. Gleichzeitig legt er bei der Standortevaluation des Historischen Museums einen Marschhalt ein; der Oberthurgau ist enttäuscht, Frauenfeld zeigt Verständnis.
Thomas Wunderlin
Das Kunstmuseum des Kantons Thurgau ist in der Kartause Ittingen untergebracht. (Bild: Reto Martin, 2013)

Das Kunstmuseum des Kantons Thurgau ist in der Kartause Ittingen untergebracht. (Bild: Reto Martin, 2013)

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin

@thurgauerzeitung.ch

Im April 2015 hatte das Bundesgericht die Planung des neuen Thurgauer Kunstmuseums gestoppt. Der Regierungsrat hat nun beschlossen, die Sanierung und die Erweiterung nicht mit dem bisherigen Projekt 2013 weiterzuverfolgen, sondern eine neue Projektorganisation Kunstmuseum 2017 einzusetzen, wie er am Donnerstag mitteilte. Die Sanierung sei«aus raumklimatischen und energetischen Gründen» nötig.

Bis Ende Oktober 2017 soll die Projektgruppe die «Möglichkeiten eines Erweiterungsbaus in Absprache mit den entsprechenden Amtsstellen» klären. 100000 Franken kann sie für Aufträge vergeben. Sie soll auch «Trägerschafts- und Finanzierungsvarianten» darlegen. Bei der bisherigen Planung war kritisiert worden, dass der Kanton als Mieter den Erweiterungsbau zahlt, die Stiftung Kartause Ittingen aber als Bauherrin auftritt. Die Projektgruppe hat den Auftrag, die Stiftung «gebührend in das Projekt einzubeziehen».

Ausserdem hat der Regierungsrat mitgeteilt, dass er bei der Standortevaluation des Historischen Museums einen Marschhalt einlegt. Eine gleichzeitige Abwicklung der Projekte Kunstmuseum und Historisches Museum überstiegen «die finanziellen Möglichkeiten des Kantons». Der Planungshalt sei weder ein Standortentscheid für den Oberthurgau noch für Frauenfeld. Er sei nur möglich, weil das Historische Museum im bedingt geeigneten alten Zeughaus in Frauenfeld Mittel und Wege gefunden habe, Ausstellungen mit erfreulichen Besucherzahlen zu realisieren.

Die beiden Mitteilungen enthalten wenig Neues. Bereits im Mai 2015 hatte der Regierungsrat eine Projektgruppe eingesetzt, die das weitere Vorgehen beim Kunstmuseum prüfen sollte. Im April 2016 erklärte der Regierungsrat dann in einer Interpellationsantwort: «Sanierung und Erweiterung des Kunstmuseums werden nicht mit dem bisherigen Projekt 2013 weiterverfolgt, sonder als neues Projekt mit neuer Projektorganisation.» Ausserdem schrieb der Regierungsrat in der Antwort auf eine Einfache Anfrage im Oktober 2016, die Sanierung des Kunstmuseums sei «aus raumklimatischen und energetischen Gründen» prioritär, und: «Die neue Standortlösung für das Historische Museum Thurgau hat zweite Priorität.»

Die Wiederholung früherer Ankündigungen erklärt der Generalsekretär des Departements für Erziehung und Kultur, Paul Roth, wie folgt: «Jetzt publizieren wir die Umsetzung, die Konkretisierung des weiteren Projektverlaufs.»

Kunstmuseum-Neuanfang stösst auf Zustimmung

Für den Eschliker GP-Kantonsrat Kurt Egger ist «Abbruch und Neubeginn» beim Kunstmuseum «der einzig richtige Entscheid». Er habe das schon im Dezember 2013 gefordert, als der Grosse Rat den Sanierungskredit bewilligt habe. Ihm sei es «schleierhaft, wieso es bis zu dem banalen Ergebnis» so lang gedauert habe.

Dank der Auslegeordnung werde der Grosse Rat über Sanierung oder Neubau diskutieren können, sagt der Romanshorner SVP-Kantonsrat Urs Martin. Wichtig sei, dass kein Projekt ohne Mitsprache des Volks beschlossen werde. Auch SVP-Fraktionschef Stephan Tobler hält die Regierung für «gut beraten, das bisherige Projekt nicht weiter zu verfolgen». Seines Erachtens müsste die Regierung «den Fächer noch weiter öffnen und sich nicht nur auf die Kartause Ittingen konzentrieren».

Der Standort des Kunstmuseums stehe nicht in Frage, sagt Generalsekretär Roth. Möglich sei aber eine Sanierung ohne Erweiterung. In diesem Fall könne auch die Standortevaluation des Historischen Museums früher wieder aufgenommen werden. Andernfalls ist es laut Roth offen, ob es noch in der laufenden Legislatur dazu kommt.

Markus Schär ist Sprecher der Gruppe, die das Bundesgerichtsurteil zum Kunstmuseum erwirkt hatte. Er zeigt sich befriedigt, «dass der Regierungsrat dieses Projekt endlich aufgibt». Richtigerweise sässen in der Arbeitsgruppe keine Vertreter der Stiftung mehr. Diese «trübe Geschichte» sei noch nicht bereinigt. Hängig sei der Entscheid des Verwaltungsgerichts zur Beschwerde gegen Zahlungen des Regierungsrats an die Stiftung Kartause im letzten Jahr. Mit der Überweisung von 580000 Franken wollte der Regierungsrat die gemeinsame Planung mit der Stiftung beenden.

Der Marschhalt bei der Standortevaluation des Historischen Museums sei ein Entscheid zu Gunsten Frauenfelds, meinen sowohl David Bon, Romanshorner Stadtpräsident und FDP-Kantonsrat, als auch der Arboner SVP-Kantonsrat Andrea Vonlan­then. «Wir sind enttäuscht», sagt Bon. «Wir haben im Oberthurgau valable Kandidaturen.» Diese würden anders aussehen, wenn in einigen Jahren der Entscheid über das Kunstmuseum gefallen sei. «Arbon kann mit dem Schloss nicht zehn Jahre warten», sagt Bon. Das Kunstmuseumsprojekt sei wichtig, ebenso der Neubau der Pädagogischen Hochschule: «Aber bei uns macht man nicht einmal die Planung fertig.»

Laut Vonlanthen nährt der Entscheid «den Verdacht, dass der Regierungsrat zuwarten will, bis Frauenfeld mit seinem Projekt so weit ist». Regierungsrätin Monika Knill und Generalsekretär Roth hätten der Kommission bei der Beratung der Regierungsrichtlinien versichert, dass die Standortfrage des Historischen Museums bis 2020 gelöst sei. «Arbon wäre bereit zu investieren, um die Altstadt aufzuwerten.»

Der Frauenfelder Stadtpräsident und FDP-Kantonsrat Anders Stokholm hat «Verständnis für die Prioritätensetzung des Kantons». Frauenfeld biete für die längerfristige Entwicklung der kantonalen Museen gute Entwicklungsmöglichkeiten.

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