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THURGAU: Mehrheit gegen Suizidhilfe

Die wenigsten Thurgauer Pflegeheime erlauben den begleiteten Freitod in ihren Räumen. Diese Situation begrüsst der Arboner SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen. Er befürchtet aber, es könnten mehr werden.
Sebastian Keller
Das Schlafmittel Pentobarbital-Natrium kommt bei Suizidhilfe zum Einsatz. (Bild: Alessandro Della Bella/KEY (Zürich, 5. Dezember 2008))

Das Schlafmittel Pentobarbital-Natrium kommt bei Suizidhilfe zum Einsatz. (Bild: Alessandro Della Bella/KEY (Zürich, 5. Dezember 2008))

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Neun von 51 Pflegeheimen im Thurgau lassen Suizidhilfe zu – das sind 17,5 Prozent. «Die übrigen 42 Pflegeheime sprechen sich dagegen aus.» Das schreibt die Regierung in der Beantwortung eines parlamentarischen Vorstosses. Als Suizidhilfe gilt die Vermittlung einer tödlichen Substanz, die Patienten dann selbstständig einnehmen. Verboten ist direkte aktive Sterbehilfe.

Eingereicht hatten den Vorstoss Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon), Astrid Ziegler (CVP, Birwinken) und Hansjörg Haller (EVP, Hauptwil). Auch die im Kanton ansässigen Spitäler dulden die Suizidhilfe laut Regierung «generell nicht». «Das beruhigt mich», sagt Andrea Vonlanthen. Er befürchtet aber, die Zahl der Pflegeheime, die Suizidhilfe in ihren Räumen erlauben, könnte steigen. «Ich weiss von Pflegeheimen, die sich der Suizidhilfe öffnen wollen.»

Steigende Zahlen – auch im Kanton Thurgau

Aktuelle Rechtssprechung nährt Vonlanthens Verdacht. Ein Heim der Heilsarmee im Kanton Neuenburg muss begleiteten Suizid dulden, obwohl es der religiösen Haltung der Organisation widerspricht. Das befand das Bundesgericht mit Verweis auf das kantonale Gesundheitsgesetz. Dieses schreibt vor, öffentlich anerkannte gemeinnützige Institutionen müssten den Wunsch eines Patienten nach einem begleiteten Suizid in ihren Räumen respektieren. Im Thurgauer Gesundheitsgesetz findet sich keine solche Vorschrift.

Zum Vorstoss motiviert wurden die Thurgauer Kantonsräte durch steigende Suizidhilfe-Zahlen in der Schweiz. Deshalb fragten sie nach aktuellen Entwicklungen im Kanton. Im vergangen Jahr nahmen im Thurgau 22 Personen Hilfe beim Freitod in Anspruch, 2010 waren es sechs (siehe Grafik). Seit 2009 wird Statistik geführt. Vonlanthen sieht darin eine «deutliche Zunahme». Die Regierung wertet die Zahlen zwar als Indiz für eine gestiegene Nachfrage und Akzeptanz der Suizidhilfe. Der Anstieg dürfte aber auch «Ausdruck der demografischen Entwicklung» sein. Suizidhilfe stelle «immer noch die klare Ausnahme und nicht die Normalität dar». 1989 Personen starben 2016 im Thurgau – ein Prozent durch begleiteten Suizid.

Stossend findet Vonlanthen, dass Beiträge und Spenden an Sterbehilfeorganisationen von den Steuern abgezogen werden können. Die Regierung schreibt, dass die Organisationen als gemeinnützig gelten, beziehungsweise öffentlich anerkannt sind. «Ich zweifle daran, ob das richtig ist», sagt der SVP-Kantonsrat. «Die Organisationen arbeiten ja schliesslich nicht gratis.»

Im Vorstoss fragen die Politiker danach, wie alternative Hilfe für sterbenskranke Menschen gestärkt und bekannt gemacht wird. In der Antwort zeigt sich, dass allerlei unternommen wird. So werden etwa die Palliativstation und die Mobilen Einheiten mit jährlich 2,4 Millionen Franken subventioniert. Weiter würden regionale Netzwerke unterstützt. Palliative Care sei eine «bekannte und breit wahrgenommen Alternative zur Suizidhilfe». Zudem bestehe ein Leistungsauftrag mit dem Hospizdienst.

Generell bewertet Andrea Vonlanthen die regierungsrätliche Antwort als «solide, pragmatisch, sachlich.» Ihm komme sie aber «etwas seelenlos» vor. «Mir fehlt die Aussage der Regierung, dass sie Suizidhilfe auch nicht unbedingt gut findet.» Aus seiner menschlich-christlichen Überzeugung sollten alle Möglichkeiten zum Schutz des Lebens ausgeschöpft werden.

Der Regierungsrat verweist generell darauf, dass staatliches Handeln auch im Gesundheitswesen begrenzt sei. Auch das Stichwort Selbstverantwortung erwähnt er. «Diese Selbstverantwortung gilt nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Entscheidungsfreiheit am Ende des Lebens.»

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