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THURGAU: Lebensberatung von der Kanzel herab

In Frauenfeld und Ermatingen haben die Landfrauentage 2018 begonnen.
Marcel Bäni predigt in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld. (Bild: Trudi Krieg)

Marcel Bäni predigt in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld. (Bild: Trudi Krieg)

Marcel Bäni richtete sich auf der Kanzel ein mit Teekrug und Tasse und weiteren Utensilien. «Nöd jufle! Jetzt machen wir erst eine Teepause.», kündigte er an. Er verglich das Frausein mit einem Kräutertee, tauchte einen Teebeutel in heisses Wasser ein, das sich bald hagebuttenrot färbte. So verbreite sich die je eigene Athmosphäre, wenn eine Frau in ihre Umgebung eintauche, nach ihrem Vermögen wirke.

Der Lebensberater aus dem bünderischen Igis trat als Hauptreferent am ersten Thurgauer Landfrauentag 2018 auf. Einem Teil des Publikums war Bäni auch als externer Kursreferent der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL/Agritop) bekannt.

Während er genüsslich den Tee in luftiger Höhe schlürfte, philosophierte Bäni über die unterschiedliche Denkweise von Mann und Frau, darüber, was der Frau den Selbstwert gibt, und über das Müssen und Wollen. Schmunzeln und Lachen im Kirchenschiff zeigten an, dass seine Ausführungen verstanden wurden.

Bäni, der auch in der Jugendarbeit wirkt, hob die Wichtigkeit der Mütter hervor: «Sie ziehen jetzt die Kinder gross, welche sehr kreativ sein müssen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.» Unsere Gesellschaft funktioniere nach der griechischen Philosophie. Jemand sein heisse, etwas erreichen, materielle Güter anhäufen, Ansehen gewinnen. Dann komme der Moment, in dem wir mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert würden. Bäni hielt ein Band in der Hand, das die Lebensspanne symbolisierte. Jahr für Jahr schnipselte er ab bis zum Nichts.

Anders das hebräische Prinzip wie es die Geschichten der Bibel lehren: «Du musst nicht jemand werden, du bist schon dich selber.» Was zähle, sei das Heute. Vergangenheit und Zukunft wirken zwar auch hinein, aber wir leben jetzt.

Regula Böhi-Zbinden, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbands hatte die Landfrauen und Gäste aus Partnerorganisationen und Politik in der voll besetzten evangelischen Stadtkirche Frauenfeld begrüsst. Die Kollekte am Ausgang sei für die Hauspflege des Landfrauenverbands. Es würden noch weitere Hauspflegerinnen gesucht.

Urban Dörig, Vizepräsident, überbrachte die Grüsse des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. «Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.» Mit diesem Zitat des US amerikanischen Geistlichen und Schriftstellers Henry van Dyke ermunterte er die Frauen, ihre Begabungen zu nutzen. Es seien nicht nur die Lautesten, die sich nach vorne drängten und sich bemerkbar machten, auf die es ankomme. Es brauche auch die Leisen, Zurückhaltenden, für ein volles Klangbild und Harmonie. Im Alltag, in der Familie, in der Schule und in den Vereinen gehe der ganze Gesang viel tiefer ins Herz als eine Stimme allein.

Trudi Krieg

thurgau

@thurgauerzeitung.ch

Weitere Landfrauentage

Dienstag, 16. Januar, 14.15 Uhr, evang. Kirche Weinfelden. Mittwoch, 17. Januar, 14.15 Uhr, evang. Kirche Neukirch-Egnach.

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