THURGAU: Kollegen wegen Diebstahl beschuldigt

Ein Mann hat seinen Kollegen beschuldigt, ihm die Fotokamera gestohlen zu haben. Das Obergericht Thurgau hat den Beschuldigen "im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen. Auch ein Abdruck eines Nike-Turnschuhs konnte in diesem dubiosen Fall keine Beweise liefern.

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Um den Diebstahl einer Spiegelreflexkamera gab es im Kanton Thurgau Verwirrung: Nun wurde der Beschuldigte mit der Begründung "im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen. (Bild: Fotolia)

Um den Diebstahl einer Spiegelreflexkamera gab es im Kanton Thurgau Verwirrung: Nun wurde der Beschuldigte mit der Begründung "im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen. (Bild: Fotolia)

Im Sommer 2012 hatte der Mann der Kantonspolizei Thurgau den Diebstahl einer Spiegelreflexkamera und zweier Objektive samt Fototasche aus seiner Wohnung gemeldet. Auch die Seriennummern des Geräts konnte er angeben, wie es in einer Mitteilung des Thurgauer Obergerichts heisst. Die Spurensicherung stellte einen Schuhabdruck eines "Nike Air Force 2" Turnschuhs sicher, einen Täter konnte jedoch nicht ermittelt werden.

Schuhabdruck löste das Rätsel nicht
Zweieinhalb Jahre später teilte der Mann mit, dass er in der Wohnung eines Kollegen seine Kamera sowie den Nike-Turnschuh gesehen habe. Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen stellte bei einer Hausdurchsuchung die Kamera sicher, fand jedoch keinen entsprechenden Schuh. Der beschuldigte Kollege behauptete, dass seine Frau ihm die Kamera mit der identischen Seriennummer vor etwa drei Jahren geschenkt habe.

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Beschuldigten wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 210 Franken und 900 Franken Busse. Der Verurteilte reichte Einsprache ein, das Bezirksgericht Weinfelden sprach ihn darauf frei.

Der Kläger beharrte auf dem Schuldspruch, jedoch liess sich auch das Obergericht nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen. Zwar spreche einiges dafür, dass der Beschuldigte in die Wohnung des Kollegen eingedrungen sei und die Kamera gestohlen habe. Gegen den Täter spreche aber, dass er die Kamera kaum offen hätte herumliegen lassen, als er seinen Kollegen zu sich in die Wohnung bestellt habe.

Kamera zum Kauf angeboten?
Es sei möglich, dass ein Dritter die Kamera der Ehefrau des Beschuldigten zum Kauf angeboten und diese die Kamera ihrem Mann geschenkt habe. Widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten und seiner Ehefrau liessen sich auch damit erklären, "dass der Beschuldigte und dessen Ehefrau von einer möglichen deliktischen Herkunft der Kamera wussten oder eine solche vermuteten" und sich vor einem allfälligen Vorwurf der Hehlerei hätten schützen wollen, heisst es in der Mitteilung weiter. Auch der Schuhabdruck helfe nicht weiter, das Modell sei weit verbreitet und beim Beschuldigten nicht gefunden worden. Der Entscheid ist rechtskräftig. (pd/jor)