THURGAU: Junge Asylsuchende erhalten neue Beistände

Weil die Gemeinden mit der Aufgabe zunehmend überlastet sind, übernimmt neu die Peregrina-Stiftung die Beistandschaften für minderjährige Flüchtlinge. Die neue Regelung geht auf eine Motion zurück.

Drucken
Teilen

Die Beistandschaft für UMA (unbegleitete Minderjährige im Asylverfahren) wechselt von den Gemeinden Arbon, Frauenfeld und Weinfelden zentral zur Peregrina-Stiftung. Das hat der Regierungsrat beschlossen, wie es in einer aktuellen Mitteilung heisst. «Die neue Lösung wird von allen Beteiligten begrüsst.»

Im Thurgau führen derzeit die drei obengenannten Politischen Gemeinden Beistandschaften beziehungsweise Vormundschaften für sämtliche zugewiesenen UMA. «Die UMA im Thurgau sind in Durchgangsheimen und anderen Institutionen untergebracht, die sich in diesen drei Gemeinden befinden», ­erklärt Florentina Wohnlich, ­Leiterin des kantonalen Sozialamts. Wen die Gemeinden als Beistand nehmen, ist ihnen überlassen. Sie können gemäss Wohnlich etwa auf regionale Berufsbeistandschaften zurückgreifen. «Teils sind es Professionelle, teils Private.»

Wie der Regierungsrat mitteilt, sahen sich die drei Gemeinden je länger je mehr überlastet mit dieser Aufgabe. Vor diesem Hintergrund reichten Gemeindevertreter im Grossen Rat im Oktober 2016 eine Motion ein mit dem Ziel, die Führung der Beistandschaften für UMA einer kantonalen Instanz oder einer vom Kanton beauftragten Organisation zu übertragen. Es sei «widersinnig, wenn nebst der Betreuung der UMA in der Peregrina-Stiftung und der Verfahrensbegleitung durch das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) weiterhin Beistände eingesetzt werden, welche ihre Klienten kaum oder gar nicht kennen». 83 Kantonsräte unterschrieben den Vorstoss von Turi Schallenberg (SP, Bürglen) und Max Vögeli (FDP, Weinfelden).

Beistände werden vom Kanton bezahlt

Der Kanton setzte sich daraufhin mit allen Beteiligten an einen runden Tisch zur Diskussion. Diese ergab gemäss Mitteilung des Regierungsrats, dass die Errichtung einer zentralen Beistandschaft zielführend ist und auf hohe Akzeptanz stösst. Gestützt darauf wurde ein Konzept für eine zentrale Beistandschaft erarbeitet, das der Regierungsrat nun genehmigt hat.

Im Konzept wird festgehalten, dass die zentrale Beistandschaft bei der Peregrina-Stiftung eingerichtet und die Beiständin oder der Beistand vom Stiftungsrat direkt angestellt wird. Bezahlt wird die Person, welche die Beistandschaften übernimmt, aus den Mitteln, die dem Kanton für die Asylbetreuung zur Verfügung stehen. In fachlicher Hinsicht ist die örtlich zuständige Kesb Aufsichtsinstanz über die Beistandschaft. Die Leiterin des kantonalen Sozialamts, Florentina Wohnlich, schätzt, dass zur Zeit etwa 50 unbegleitete minderjährige Asylsuchende im Thurgau untergebracht sind. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die zentrale Beistandschaft im Herbst 2017 ihre Tätigkeit aufnehmen kann.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Aktuelle Nachrichten