Thurgau ist freiwillig durchschnittlich

KREUZLINGEN. Im Jahre 2006 waren die Thurgauer noch die spendenfreudigsten Schweizer, wie Forscher der Universität Bern heraus- fanden. Ihre Studien stellten sie im Rahmen der Kooperation zwischen dem Kanton und der Universität Konstanz vor.

Manuel Nagel
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Achim Brosziewski nimmt die Referenten Markus Freitag (l.) und Isabelle Stadelmann-Steffen in die Zange. (Bild: Manuel Nagel)

Achim Brosziewski nimmt die Referenten Markus Freitag (l.) und Isabelle Stadelmann-Steffen in die Zange. (Bild: Manuel Nagel)

KREUZLINGEN. «Die Universität Konstanz ist eben auch etwas eine Schweizer Universität», führte der Thurgauer Regierungspräsident Kaspar Schläpfer aus, als er die beiden Referenten vorstellte. Anlässlich der bereits 14. Kooperationsveranstaltung zwischen der deutschen Hochschule und dem Kanton Thurgau referierten am Dienstagabend Isabelle Stadelmann-Steffen und Markus Freitag, beide Professoren an der Universität Bern, zum Thema Freiwilligenarbeit. Sowohl Stadelmann-Steffen wie auch Freitag waren früher an der Uni Konstanz tätig, weshalb die beiden ein ausgezeichnetes Beispiel für die grosse Verbundenheit der Uni Konstanz mit der Schweiz seien, wie Schläpfer vor mehr als 100 interessierten Besuchern betonte.

TG 2006 noch nationale Spitze

Diese lauschten in der Campus- Aula den Ausführungen Stadelmann-Steffens, wie sie das Freiwilligen-Engagement im Thurgau im nationalen Vergleich vorstellte. Der Thurgau sei das Spiegelbild des Landes, denn er liege bei vielen Untersuchungen ziemlich genau im schweizerischen Durchschnitt. So auch beim Spenden, welches die einfachste Form von freiwilligem Engagement sei.

Allerdings war der Thurgau bei der ersten Studie 2006 noch mit 87 Prozent nationale Spitze, rutschte 2009 aber um ganze neun Prozentpunkte ab ins Mittelfeld. Eine Erklärung dafür konnte die Referentin jedoch nicht bieten. Sie gestand jedoch ein, dass die Datengrundlage für den Thurgau mit etwas mehr als 400 Befragten eher klein sei, so dass man deshalb die Ergebnisse relativieren müsse.

Weitere Formen des freiwilligen Engagements seien die formelle Tätigkeit, zu welchen Aufgaben in Vereinen zählen, sowie informelle Tätigkeiten ausserhalb fester Strukturen, wie etwa die Pflege von Angehörigen.

Auch beim informellen freiwilligen Engagement enthüllte die Studie für den Thurgau einen markanten Rückgang. Dieser Sektor sei jedoch in Krisenzeiten volatiler, so Stadelmann-Steffen.

In der anschliessenden Fragerunde wollte Moderator Achim Brosziewski von der Pädagogischen Hochschule wissen, ob es bei einer zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft nicht immer weniger Freiwillige gebe. Stadelmann-Steffen verneinte, denn oft würden bei freiwilligen Tätigkeiten auch eigennützige Motive eine Rolle spielen, wie das eigene Netzwerk pflegen, aber auch der Spass an der Tätigkeit. Ihre Studien bestätigten dies.

Information wirkt egalisierend

Im zweiten Referat des Abends ging Markus Freitag vor allem auf das Zusammenspiel zwischen Gemeinden und Vereinen ein und scheute sich nicht, am Ende auch einige Handlungsempfehlungen abzugeben. Die Studie habe gezeigt, dass vor allem höher gebildete Menschen sich freiwillig engagieren würden. Informiere eine Gemeinde jedoch besonders aktiv über freiwillige Arbeit, so wirke das egalisierend und es könnten mehr Menschen mit niedriger Bildung eingebunden werden.

Weiter empfiehlt Freitag, bürokratische Hürden abzubauen, die Vielfalt der Vereinslandschaft zu fördern und die Mittel auch entsprechend zu verteilen, sowie die regelmässige Durchführung von Veranstaltungen und Festen.