THURGAU: Grosser Rat will Frühfranzösisch weiterhin abschaffen

Der Grosse Rat tritt auf die Gesetzesvorlage ein, nach der Französisch im Kanton erst auf der Oberstufe unterrichtet wird. Vieles deutet darauf hin, dass sich an diesen Mehrheitsverhältnissen nicht mehr viel ändert. Das Geschäft wird in zweiter Lesung in der nächsten Sitzung beraten.

Larissa Flammer
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Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch über die Abschaffung des Frühfranzösischs beraten. (Bild: Andrea Stalder)

Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch über die Abschaffung des Frühfranzösischs beraten. (Bild: Andrea Stalder)

Die Sitzung des Thurgauer Grossen Rats stiess auf grosses Medieninteresse. Auch Journalisten aus der Westschweiz und dem Tessin sassen im Rathaus Frauenfeld.

Bereits die Diskussion um das Eintreten auf das Geschäft wurde intensiv geführt, genutzt und aufmerksam verfolgt. Die Komission empfahl den Kantonsräten, auf die Gesetzesänderung, die das Frühfranzösisch abschaffen will, einzutreten. Die Fraktionspräsidenten brachten in der Diskussion noch einmal ihre Meinungen ein. Dabei wurde mehr als einmal das Bild der Unbeugsamen bemüht, die trotzdem nicht alleine in dieser Welt seien. Auch auf französisch wurden Voten vorgetragen. Mehrere Redner erwähnten die unbefriedigenden Französischkenntnisse, welche die Schulabgänger heute aufweisen würden. Auffallend oft wurden auch die ungenügenden Deutschkenntnisse bemängelt. Diese könnten verbessert werden, wenn Französisch erst in der Oberstufe gelehrt würde.


Erziehungsdirektorin Monika Knill, die das Frühfranzösisch bewahren wollte, sagte zum Schluss der Diskussion: "Was - vielleicht zu - lange währt, wird endlich besser, wenn der Grosse Rat davon absieht, den Französischunterricht auf der Primarschulstufe abzuschaffen." Der Regierungsrat habe das Anliegen der Motionäre aufgenommen, überforderte Schüler zu entlasten und Verbesserungen einzuführen. Die konkreten Massnahmen seien jetzt umzusetzen, es handle sich dabei nicht um Hüftschüsse. Knill zählte die Massnahmen auf, die zur Verbesserung des Französischunterrichts beitragen sollen. Ihr Fazit: "Wir haben nur noch jetzt die Chance, mit konkreten Massnahmen den Französischunterrichts zu verbessern." Sie bemühte eine Formulierung aus dem Schwingsport und bat um einen gestellten Schlussgang.

Ihr Votum schien aber nicht mehr genug zu bewirken. Die Abstimmung über Eintreten ergab 68 Ja-Stimmen und 53 Nein-Stimmen. Walter Hugentobler (SP, Matzingen) stellt den Antrag, den Absatz, laut dem Französisch erst auf Sekundarstufe I unterrichtet wird, zu streichen. Dieser wurde mit 53 zu 64 Stimmen abgelehnt. Toni Kappeler (GP, Münchwilen) stellte den Antrag, das Geschäft wieder an den Regierungsrat zurückzuweisen. Dieser Antrag wurde mit 87 zu 30 Stimmen noch deutlicher abgelehnt.

Damit waren die Gegner des Frühfranzösisch auf Primarschulstufe am Mittwoch in der Überzahl. Vieles deutet darauf hin, dass sich daran bis zur nächsten Grossratssitzung nicht mehr viel ändern wird. Allerdings könnte am Ende das Volk über die Gesetzesänderung entscheiden: Für ein Behördenreferendum bräuchte es 30 Kantonsräte, zur Ergreifung des fakultativen Referendums 2000 Unterschriften aus dem Volk.